Um die Jobs im Daimler-Werk Untertürkheim gibt es Streit. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Weil es am Platz fehlt, will Daimler Jobs fürs Verbrennerauto in Polen ansiedeln statt in Untertürkheim. Dennoch nimmt der Konzern in der Region keine neuen Flächen in Anspruch.

Stuttgart - Der Stuttgarter Daimler-Konzern will in der Region keine weiteren Flächen in Anspruch nehmen, um Platz für die Ansiedlung von Arbeitsplätzen im Werk Untertürkheim zu schaffen. „Daimler benötigt in der Region keine zusätzlichen Flächen“, sagte ein Sprecher des Konzerns unserer Zeitung. Damit verschlechtern sich die Aussichten der Arbeitnehmerseite, doch noch die vereinbarte Ansiedlung von Arbeitsplätzen im Stammwerk in Stuttgart zu realisieren, die wegen der Platzknappheit zu scheitern droht.

E-Auto oder Kurbelwelle

In einem heftigen Streit mit dem Betriebsrat hatte Daimler erklärt, die geplante Ansiedlung eines großflächigen Zentrums für Elektromobilität in Untertürkheim werde nur realisiert, wenn die bereits vereinbarten Investitionen in eine Fertigung von Kurbelwellen für Verbrennungsfahrzeuge entfällt. Nur so lasse sich in dem Werk der nötige Platz schaffen.

Eine unmittelbar neben dem Werksgelände liegende, 55 000 Quadratmeter große Fläche will der Konzern offenbar nicht in die Überlegungen einbeziehen. Diese Fläche wird heute zur Hälfte als Parkplatz für bis zu 1000 Fahrzeuge genutzt. Ein Vorstoß des Konzerns gegenüber der Stadt Stuttgart zeigt, dass dort nicht an die Schaffung neuer Produktionsmöglichkeiten gedacht ist. Vielmehr ist das Unternehmen nun mit der Bitte auf die Stadt zugegangen, die Ende 2021 auslaufende Genehmigung zur Nutzung des Geländes als Parkplatz zu verlängern.

Geht es um Platz oder ums Geld?

Der zögerliche Umgang mit Flächen, die die Platzknappheit in dem vom Technologiewandel besonders stark betroffenen Werk verringern könnten, deutet darauf hin, dass den Forderungen des Betriebsrats nicht nur ein Mangel an Flächen für den Verbrennungsmotor entgegensteht. Vielmehr hat das Unternehmen dem Betriebsrat nach Information unserer Zeitung einen umfangreichen Katalog mit Einsparforderungen vorgelegt, der unter anderen die Einschränkung übertariflicher Leistungen bei Spät- und Nachtschicht und den flexiblen Einsatz von Mitarbeitern ohne Zustimmung durch den Betriebsrat vorsieht.

Verlagerung nach Polen

Die eigentlich für Untertürkheim vorgesehene Produktion der Kurbelwellen soll demnach zum Daimler-Motorenwerk ins polnische Jawor verlagert werden.

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