Der Windpark Aspach-Oppenweiler soll wie diese Windräder in einem Waldgebiet gebaut werden. Dadurch sieht die Gemeinde Aspach die Qualität ihres Trinkwassers in Gefahr. (Symbolbilder) Foto: dpa

Die Gemeinde Aspach hat ihr Einverständnis für den Bau eines Windparks verweigert – aus Sorge um das Trinkwasser. Das Landratsamt sieht die Sache anders und pocht auf grünes Licht.

In den vergangenen Monaten haben Sabine Welte-Hauff, die Bürgermeisterin von Aspach (Rems-Murr-Kreis) und Petra Schäftlmeier, die Leiterin des kommunalen Bauamts, tausende bedruckte Seiten gewälzt. Sie haben Schriftstücke und Gutachten durchgeackert, Kartenmaterial zu Wasserschutzgebieten und geologischen Gegebenheiten gesichtet. Der Grund: Die Amalienhöhe, ein bewaldeter Höhenzug bei Aspach, ist vom Verband Region Stuttgart als potenzielles Vorranggebiet RM-07 für Windkraftanlagen vorgeschlagen worden. Aber die Gemeinde Aspach hat ihr Einverständnis für das Bauvorhaben verweigert.

 

Interessenten für das knapp 440 Hektar große Gebiet gibt es bereits: Der Energieversorger EnBW und die Firma Uhl Windkraft planen dort den Windpark Aspach-Oppenweiler mit insgesamt acht Windrädern, vier davon liegen auf Aspacher Markung. Jede der acht Windenergieanlagen hätte laut den Angaben der Bauherren in spe eine Nennleistung von 7,2 Megawatt (MW), einen Rotordurchmesser von 172 Metern und eine Nabenhöhe von 175 Metern.

Doch nach der Sichtung der Unterlagen sind Sabine Welte-Hauff und Petra Schäftlmeier zum Schluss gekommen, dass das Bauprojekt ein zu großes Risiko für örtliche Quellen und das Trinkwasservorkommen bedeuten würde. Dabei haben sie eine Mehrheit des Gemeinderats hinter sich. „Wir sind per se keine Gegner der Windkraft“, sagt Sabine Welte-Hauff. Bei der Amalienhöhe handle es sich aber nicht um ein gewöhnliches Waldgebiet, sondern um einen Schon- und Wasserschutzwald. „Die Wasserressourcen gehen zurück, Wasser wird ein immer knapperes Gut“, sagt die Bürgermeisterin. Im Interesse nachfolgender Generationen müsse daher alles getan werden, um das Vorkommen zu sichern. Der für den Windpark vorgesehene Bereich sei wegen der sensiblen Bodenschichten, die eine Filterfunktion erfüllen, ein empfindliches Terrain. Sollte es zu einer Havarie kommen, müssten Quellen aus dem Netz genommen werden: „Das wäre für uns fatal. Wir können nicht auf Quellen verzichten“, sagt Schulte-Hauff. Sie lieferten 125.000 Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr und versorgten die Stadt Backnang sowie fünf Gemeinden in der Backnanger Bucht.

Wasserversorgung für die Backnanger Bucht

Trikwasser wird knapper und kostbarer. (Symbolbild) Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Es gebe keine Sicherheit dafür, dass die Quellen durch das Projekt nicht gefährdet werden, pflichtet Petra Schäftlmeier bei. Zum einen sieht sie die Gefahr, dass schädliche und giftige Substanzen wie Schmiermittel für die Windräder ins Erdreich gelangen könnten. Zum anderen befürchtet sie, dass durch die Bauarbeiten Fließwege des Wassers im Untergrund verändert und versperrt werden könnten, dass Qualität und Quantität des Wassers leiden. „Der Schaden kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.“ Das Windrad mit der Nummer 4 stehe beispielsweise laut den Plänen nur 37 Meter von der Wasserschutzzone entfernt und auch die Räder 2, 3 und 7 befänden sich sehr nah daran. Erst habe es geheißen, für die Windräder sei eine Flachgründung mit nur 30 Zentimetern Tiefe vorgesehen, dann sei plötzlich die Rede davon gewesen, dass zwischen zwei und 5,90 Meter tief gebohrt werden müsse, um das Fundament zu setzen.

Landratsamt verlangt Sicherheitskonzept für Quellen

Das Landratsamt räumt in einem Schreiben an die Gemeinde Aspach ein, dass die Bauarbeiten insbesondere die Filter- und Pufferfunktion beeinträchtigen können. Um das auszuschließen, habe man vom Bauherrn ein Sicherheitskonzept zum Schutze der Trinkwasserquellen während der Bauzeit gefordert und werde „Nebenbestimmungen zur Vermeidung beziehungsweise Minimierung der möglichen Grundwasserbeeinträchtigungen während und nach der Bauzeit festlegen“. In einem Schreiben vom 12. September versichert das Landratsamt, dass bei allen acht Anlagen eine Flachgründung vorgesehen und beantragt sei. Der Baugrund sei im Fall der Windräder 1 bis 4 sowie 7 und 8 dafür geeignet. Weil für die Windräder 5 und 6 der genaue Standort noch nicht feststehe, sei da offenbar keine Untersuchung erfolgt. „Sollte sich in Zukunft eine andere Gründungsart ergeben, ist die Grundwasseruntersuchung neu durchzuführen und bedarf einer entsprechenden aktuellen Bewertung durch unser Amt.“ Das Fazit der Kreisbehörde: „Aus unserer Sicht ist das kommunale Einvernehmen zu erteilen.“

Wie geht es nun weiter? „Wir stehen recht ratlos da, aber tun, was wir tun können“, sagt Sabine Schulte-Hauff. Die Bedenken und Argumente habe man nochmals schriftlich eingereicht. Die Entscheidung über die künftigen Vorranggebiete für Windkraftanlagen fälle im Dezember die Regionalversammlung. Sollte die Amalienhöhe dabei sein, dann werde das Landratsamt wohl im Januar die Genehmigung für den Windpark erteilen, sagt Petra Schäftlmeier. „Dann müssten wir Klage dagegen einreichen.“ Die Hoffnung im Aspacher Rathaus ist, dass die Amalienhöhe von der Liste der Vorranggebiete genommen wird. Laut Vorgabe müssen mindestens 1,8 Prozent der Landesfläche als Windvorranggebiete deklariert werden. „Jetzt sind wir bei 1,9 Prozent“, sagt Petra Schäftlmeier: „Das entspricht 7085 Hektar Fläche. Nötig wären nur 6630 Hektar. Die Amalienhöhe mit ihren 436 Hektar rauszunehmen, würde also gehen.“