Der Tübinger Neurowissenschaftler Nikos Logothetis hat sich von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften abwerben lassen und geht nach Shanghai. Foto: picture alliance/dpa/Marijan Murat

Das Präsidium der Max-Planck-Geselleschaft weist Vorwürfe zurück, den Tübinger Forscher Nikos Logothetis im Stich gelassen zu haben.

Tübingen - Der Tübinger Hirnforscher Nikos Logothetis hat schwere Vorwürfe gegen das Präsidium der Max-Planck-Geselleschaft (MPG) erhoben und spricht von „einem großen Vertrauensbruch“. Er war 2014 im Zuge der Veröffentlichung heimlich gefilmter Bilder aus seinem Affenlabor unter Druck geraten. In den Jahren danach sei er abgestraft und ignoriert worden, obwohl er keine Fehler gemacht habe. Ein Strafverfahren gegen den 69-jährigen Direktor des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik wegen Tierquälerei ist wieder eingestellt worden. Anfang des nächsten Jahres will Logothetis mit Teilen seines Teams nach China abwandern.

Die Max-Planck-Gesellschaft weist die Anschuldigungen des Tübinger Forschers zurück. „Wir haben Herrn Logothetis nicht im Stich gelassen, ihm wurde ein erfahrener Krisenmanager an die Seite gestellt, wir haben uns immer für ihn und seine Mitarbeiter verantwortlich gefühlt“, sagt Christina Beck, die Pressesprecherin der Max-Planck-Gesellschaft. Es sei bedauerlich gewesen, dass sich Logothetis entschieden habe, die Primatenforschung ganz einzustellen. Auch der MPG-Präsident Martin Stratmann betont: „Uns ist bewusst, dass Wissenschaftler, die sich mit Tierversuchen befassen, besonderen Belastungen ausgesetzt sind, sie verdienen daher die volle Unterstützung der MPG.“

Vorsichtsmaßnahmen während des Ermittlungsverfahrens

Während des laufenden Ermittlungsverfahrens habe man dem Wissenschaftler als Vorsichtsmaßnahme teilweise die Institutsleitung entzogen und ihm die Affenversuche vorübergehend untersagt, erklärt die Sprecherin Beck. „Wir dürfen nicht die leisesten Zweifel aufkommen lassen an der Glaubwürdigkeit unserer Organisation.“ Das Vertrauen in die sachgerechte Durchführung von Tierversuchen sei ein Vertrauen der Gesellschaft, das man nicht gefährden dürfe.

Den Weggang von Logothetis nach Shanghai, wo er als Direktor des International Center for Primate Brain Research 50 Labors leiten wird, begrüßt Beck. Das sei eine Win-Win-Situation für China und für Logothetis, denn der 69-jährige Institutsleiter hätte sein Team altershalber sowieso verkleinern müssen. Sein Vertrag sei schon zweimal verlängert worden, als Emeritus hätte er nur mit geringeren Ressourcen weiterforschen können. „Shanghai bietet für Herrn Logothetis und seine Mitarbeiter eine neue Perspektive“, sagt Beck. Zudem habe die Max-Planck-Geselleschaft entschieden, das Institut für biologische Kybernetik neu auszurichten. Mit der Berufung des Neurowissenschaftlers Peter Dayan habe man einen Forschungsschwerpunkt im Bereich Künstlicher Intelligenz gesetzt.

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