Der neuartige Impfstoff von Biontech/Pfizer ist sehr begehrt – das haben die Hersteller schon früh ausnutzen wollen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Die ursprüngliche Preisforderung von Biontech/Pfizer für ihren Impfstoff zeigt eine der Pandemie unangemessene, überzogene Profitorientierung. Und der Staat muss sich mehr Einfluss in der Vakzinherstellung sichern, meint Matthias Schiermeyer.

Stuttgart - In die Bewunderung über die wissenschaftliche Leistung, rasch ein Vakzin gegen das Coronavirus entwickelt zu haben, hat sich ein nachsichtiger Umgang mit den Herstellern eingeschlichen. Für die Knappheit werden sowohl die EU-Kommission als auch die Bundesregierung verantwortlich gemacht. Nun jedoch fällt auf die Produzenten zunehmend ein trübes Licht. So hatten Biontech/Pfizer nach neuen Medienberichten ihr Produkt im Juni, streng vertraulich, zum Wucherpreis von 54 Euro pro Dosis angeboten. Nach Einwänden der Ost- und Südeuropäer wurden im November 15,50 Euro vereinbart – was zum Teil das lange Zögern der EU erklärt.

 

Der Markt allein kann es nicht richten

Nun fließen die Gewinne der Hersteller zuerst in den Produktionsaufbau und die Weiterentwicklung der Technologie. Dennoch zeigt sich eine Renditeorientierung, die der Notlage nicht angemessen ist, zumal der hohe Preis noch mit dieser begründet wurde. Zudem: Hat Biontech nicht von deutscher Forschungsförderung profitiert? Der Vorgang ist ein weiteres Indiz, dass sich der Staat stärker in der Impfstoff- und Arzneimittelproduktion engagieren muss. Das bringt zwar weitere Milliardeninvestitionen und Risiken – aber auch Transparenz und Einfluss auf die Verteilung der lebenswichtigen Stoffe. Der Markt allein richtet es wohl nicht.