Irmgard Cölle ist erschüttert über diesen Zaun – und protestiert. Foto: Caroline Holowiecki

Vor dem Fenster des Einrichtungsladens La Maison in Stuttgart-Degerloch steht seit Kurzem ein Gitter. Die Inhaberin ist todunglücklich, doch der Erbauer sieht sich im Recht.

Degerloch - Ich muss immer noch meinen Zaun verdauen“, sagt Irmgard Cölle zu einer Kundin. Nicht Kerzen oder Vasen sind derzeit das Gesprächsthema Nummer eins im Einrichtungsladen La Maison, sondern das schmucklose Metallgitter, das neuerdings das Wohn- und Geschäftshaus im Degerlocher Zentrum von einer Seite einrahmt. Der Eigentümer des Hauses nebenan habe den Zaun errichten lassen. Irmgard Cölle sagt, sie sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden, und spricht von Schikane. „Ich bin morgens zum Brenzelnholen gegangen, da war die große Brigade da.“

Einige Wochen ist das nun her. Und seither ist der ehemals breite Streifen, der in der Verlängerung geradeaus zu einem Café-Außenbereich führt, zweigeteilt. „Das Allerschlimmste ist, es macht keinen Sinn. Ich muss das einfach dulden“, klagt die 72-Jährige.

So lockt sie die Kunden in die Seitenstraße

Seit 2006 betreibt sie ihren Laden, 2011 hat sie das Haus gekauft und davor Pflanzen und etwas Deko aufgestellt, „ich habe alles schön gemacht“. Auch nutzt sie die Stelle vor dem Schaufenster, um ein paar Verkaufsartikel zu drapieren und Kunden in die Mittlere Straße, eine Seitenstraße, zu locken. Nun steht die Einzäunung davor. „Die kleinen Läden habe es eh schon schwer, auf sich aufmerksam zu machen“, sagt Irmgard Cölle.

Die Trennwand ist der Gipfel eines Nachbarschaftsstreits. Sie steht da, wo das eine Grundstück endet und das andere beginnt. Der Mann, der den Grenzzaun errichten ließ, sagt, er habe keine andere Wahl gehabt. Immer wieder habe die Frau von nebenan dort mittig geparkt, ebenso ihre Besucher und Gäste ihrer Ferienwohnung in dem Haus. In der Konsequenz habe die Müllabfuhr Tonnen nicht geleert. „Irgendwo hört der Spaß auf“, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, und wirft seinem Gegenüber vor, unkooperativ gewesen zu sein. „Man hätte es vermeiden können, man hat es oft genug gesagt.“

Endlich klare Verhältnisse geschaffen

Nun seien klare Verhältnisse geschaffen, und das „völlig legal“. Dass dort geparkt wurde, räumt Irmgard Cölle ein, dem habe der Eigentümer von nebenan aber irgendwann mit einem Poller ein Ende bereitet, „damit war es in Ordnung“, findet sie. Der Poller habe gewackelt, sagt indes der Mann, etwas Festes habe hergemusst.

Irmgard Cölle hat beim Baurechtsamt Einspruch eingelegt. Die Antwort steht aus. Derweil ist sie zum stillen Protest übergegangen. „Dies ist nicht mein Zaun“, steht auf einem Zettel, den sie prominent im Fenster platziert. „Es ist besser Brücken zu bauen, als Zäune zu errichten“, liest man daneben. Bilder und weitere Sprüche hängen dort, manches hätten Kunden mitgebracht. „Ich bekomme ganz viel Zuspruch von den Degerlochern“, sagt Irmgard Cölle. Gleiches sagt aber auch der Mann von nebenan. Von den Schildern lässt er sich nicht beeindrucken, „für mich ist das erledigt und abgehakt“. Er betont: „Ich leben mit allen Nachbarn in Frieden.“

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