Spätestens wenn sich der Winter von seiner kalten Seite zeigt, neigen Naturfreunde dazu, Wildvögeln Futter anzubieten. Mitunter kann das aber auch zu einem Streit mit dem Nachbarn führen, wie ein Blick nach Leinfelden-Echterdingen zeigt.
Wenn die Temperaturen im Keller sind und der Boden gefroren ist, neigen viele Menschen dazu Vogelfutter zu kaufen, um das Vogelhäuschen im Garten zu füllen und so den heimischen Vögeln etwas Gutes zu tun. Familien basteln fleißig Meisenknödel, in Kindergärten werden ausgediente Kaffeetassen zu Vogeltassen umfunktioniert. „Wir empfehlen Wildvögel zu füttern, gerade in der kalten Jahreszeit, weil deren natürliche Futterquellen weniger werden“, sagt Bernd Mang, der Sprecher des Naturschutzbundes (Nabu), Ortsgruppe Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen. Körnerhaltiges Futter – am besten in Futtersilos – dürfe im eigenen Garten angeboten werden. „Die Futtersilos haben den Vorteil, dass die Vögel die Körner herauspicken können und das Futter dennoch hygienisch bleibt“, sagt er.
Vom Vogelhäuschen rät Mang eher ab. Denn darin liege das Futter offen herum. „Die Vögel laufen hinein. Nicht selten verunreinigen sie die Körner mit ihrem Kot“, sagt er. So ein Häuschen ziehe auch größere Vögel, etwa Tauben, an. In die Futtersilos dagegen kommen diese Vögel gar nicht erst hinein. Auch Ratten werden so nicht angelockt. Die Winterfütterung sollte, so rät Mang, generell nur eine Ergänzung sein. Ein naturnaher Garten, in denen Wildvögel beispielsweise Vogelbeeren, Sämereien von Stauden oder überwinternde Insekten finden können, könne den Tieren ebenfalls helfen, die kalte Jahreszeit gut zu überstehen.
Tauben dürfen nicht gefüttert werden
Auch eine Frau aus Leinfelden-Echterdingen will Wildvögeln und anderen Tieren offenbar Gutes tun. Sie hat auf einer öffentlicher Grünfläche „monatelang illegalerweise Futterstellen eingerichtet“, beklagt sich ein Nachbar darüber, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Das habe auch viele Tauben angelockt und zu einem Rattenaufkommen auf den anliegenden Grundstücken und auf einem öffentlichen Spielplatz geführt, ist sich der Mann sicher. Er habe für sein Grundstück einen professionellen Schädlingsbekämpfer beauftragt und sei auf den Kosten von etwa 1300 Euro sitzen geblieben. „Es handelt sich bei der illegalen Fütterung um einen Verstoß gegen die Umweltschutzverordnung“, stellt er klar.
Und tatsächlich: Thomas Krämer, Sprecher der Stadt Leinfelden-Echterdingen, erklärt dazu auf Anfrage: „Nach Paragraf 16 der städtischen Polizeiverordnung dürfen Tauben auf öffentlichen Straßen und Gehwegen sowie in Grün- und Erholungsanlagen nicht gefüttert werden.“ Dies stelle eine Ordnungswidrigkeit dar, die geahnet werden könne. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hat der Frau das Füttern von Tauben untersagt. Dieses Verbot wollte sie auch einhalten, betont der Sprecher. Das Aufstellen von Wasserschalen sei der Tierfreundin dagegen erlaubt worden, „da diese nicht störend sind“, wie es der Stadtsprecher formuliert. Bei Kontrollen hätten bisher keine Hinweise auf Ratten festgestellt werden können.
Der Nachbar der Grünfläche ärgert sich auch über die aufgestellten Wasserschalen. Denn wie ihm ein Schädlingsbekämpfer gesagt habe, könnten zwar Mäuse Flüssigkeit aus der Nahrung ziehen. Ratten allerdings benötigten eine Trinkquelle. Ob Pool, Wasser für Vögel oder ein kleines Gewässer in der Nähe – das alles begünstige die Ansiedlung von Ratten.
Der Sprecher der Nabu-Ortsgruppe kann das auf Nachfrage so nicht bestätigen. Er könne sich nicht vorstellen, dass diese Tiere durch Vogeltränken oder gefüllte Wasserschalen angelockt würden. „Das ist eher unwahrscheinlich“, sagt er.„Ratten sind Generalisten“, sagt er. Die Nager suchten eher andere Wasserquellen auf, beispielsweise Pfützen. Wegen einer Vogeltränke nehme eine Population von Ratten nicht zu. Die Tiere würden eher davon angezogen, wenn beispielsweise Mülltonnen überquellen, der Mensch zu viele Abfälle produziert und liegen lässt. Dass sich Ratten und Straßentauben immer mehr vermehren, sei eine Folge der Urbanisierung, betont er. „Diese Tiere werden also nicht ausbleiben.“ Zum Aufstellen von Vogeltränken rät der Nabu im Übrigen insbesondere in trockenen, heißen Phasen – also im Sommer.
Ratten und Tauben
Ratten
„Menschen und ihr Umgang mit Müll sind der Kern des Problems“, sagt der Nagetierforscher Bobby Corrigan über die weite Verbreitung der Nager in Städten. Wenn Müllkörbe nicht regelmäßig geleert würden, sei das für Ratten wie ein gedeckter Tisch, erklärt Corrigan. Ratten kommen überall dort vor, wo sich Menschen ansiedeln und Müll hinterlassen.
Tauben
Weil sie mit ihrem Kot Gebäude und Wege verschmutzen, sind Stadttauben oftmals keine gern gesehenen Gäste. Um dem Problem Herr zu werden, hatte die Stadt Leinfelden-Echterdingen an den S-Bahnhöfen schon vor längerer Zeit Netze gespannt. Außerdem wurde beschlossen in Kooperation mit dem Tierschutzverein Tierfreunde Filderstadt einen Taubenturm am Leinfelder Bahnhof zu errichten.