In der zweiten Reihe an der Lailensäckerstraße in Plattenhardt stehen Schwarzbauten. Unter anderem sind dort Pferde untergebracht. Foto: Caroline Holowiecki

Seit Jahren werden Ställe und Scheunen in Filderstadt-Plattenhardt als unrechtmäßig erbaut beanstandet. Die Stadt ist längst den juristischen Weg gegangen. Getan hat sich bisher nichts.

Plattenhardt - Es ist zeitig am Morgen, doch es ist schon sommerlich warm. Der Rollladen am Balkon einer Familie in Filderstadt-Plattenhardt ist runtergelassen, die Tür ist zu. Das sei sie häufig. Es wimmle vor Fliegen, und wo die herkommen, das ist für den Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, klar. Von seinem Grundstück blickt er auf ein Konglomerat aus Ställen und Scheunen. Das Gebäudeensemble steht an der Lailensäckerstraße in zweiter Reihe auf einer Streuobstwiese. Dahinter: ein Misthaufen. Es sind die Hinterlassenschaften zweier Pferde in dem Stall. „Auf den Misthaufen regnet es drauf, dann kommt die Hitze. Klar, dass sich Fliegen entwickeln“, sagt er.

Das ist halt so im ländlichen Raum, könnte man sagen. Doch die Gebäude, die dürften gar nicht da sein. Es sind laut der Stadt zu großen Teilen Schwarzbauten. Die Geschichte hat längst mehr als zehn Jahre auf dem Buckel.

Die Geschichte hat mehr als zehn Jahre auf dem Buckel

Bereits Mitte 2010 hatte ein CDU-Stadtrat den Abriss der Gebäude gefordert. Unsere Zeitung berichtete im Januar 2012. Damals hatte das Baurechtsamt den Abbruch der meisten Gebäude verfügt. Dann legte der Besitzer Widerspruch ein. Es ging hin und her, unter anderem wegen der Frage, welches Bauwerk wie alt ist und Bestandschutz genießt, und ob eine Privilegierung aus landwirtschaftlichen Gründen vorliegt. Im Sommer 2016 landete das Ganze schließlich vor dem Verwaltungsgericht. Ergebnis eines Vergleichs zwischen der Stadt und dem Eigentümer: Bis auf ein Gebäude, das aufgrund seines Alters Bestandsschutz genießt, müssen die Schwarzbauten bis Ende 2017 wegkommen. Passiert ist das allerdings nicht.

Dem Nachbarn stinkt es – im tatsächlichen Wortsinn. Der Mist rieche, schlimmer seien aber die Fliegen. „Am meisten stört mich, dass die Stadt nicht handelt“, wettert er. Auch andere Anwohner hätten sich schon beklagt. Der Eigentümer der fraglichen Bauten wiederum, der stellt die Sache anders dar. „Ich hatte nie Probleme“, sagt er über das Miteinander im Viertel – nur eben mit dem einen Nachbarn. Mit dem habe er sich überworfen, als der ein Stück öffentlichen Feldweg hinter seinem Haus gekauft und damit die Zufahrt zu den Gebäuden gekappt habe. Der Mann fühlt sich ungerecht behandelt. Wo solle er denn hin mit den Pferden? Der Stall sei ein „Gnadenbrothof“.

Ein Zwangsgeld habe die Stadt Filderstadt bereits verhängt

Der Leiter des Baurechtsamts, Wolfgang Kaiser, wiederum würde die Sache gern abschließen. Schwarzbauten gebe es immer wieder, „oft aus Unwissenheit, aber auch aus Ignoranz“, der vorliegende Fall sei aber extrem, weil sich alles schon so lang ziehe und wegen der eher großen Menge an Bauten. Gleichwohl sagt er: „Das kann dauern.“

Ein Zwangsgeld habe die Verwaltung bereits verhängt, „das zweite wird in nächster Zeit kommen“. Zunächst gelte es aber, ein solches Zwangsgeld anzukündigen und Fristen einzuhalten. Dabei verstreiche Zeit. „Abreißen wäre theoretisch möglich“, sagt der Amtsleiter über die Handhabe der Stadt, doch dann wäre die Verwaltung verpflichtet, die Pferde artgerecht unterzubringen, „das ist tatsächlich schwierig“. Dennoch kündigt Wolfgang Kaiser an, dass sich alsbald etwas tun muss. „Wir können nicht die Verfügung ignorieren. Dann würde uns das Regierungspräsidium auf die Finger hauen.“

Der Eigentümer der beanstandeten Gebäude wiederum spricht von neuen Erkenntnissen. Unlängst seien notarielle Unterlagen aufgetaucht, die belegten, dass sein Vater dort einst sehr wohl eine Landwirtschaft angemeldet gehabt habe. Damit seien die Gebäude doch privilegiert. „Mein Anwalt hat das eingereicht, dann war Ruhe“, sagt er Mann. Geschlagen geben werde er sich jedenfalls nicht. Er sagt: „Die sind nicht im Recht.“