Im Oktober 2018 wurde Frank Stäbler bei der WM in Budapest zum dritten Mal Ringer-Weltmeister. Foto: Baumann

Der TSV Musberg hat die Belegungsrechte des Ringerraumes, aber kaum Ringer. Der KSV Musberg hat zahlreiche Ringer, aber keinen Raum. Nun steht die Stadtverwaltung in Leinfelden-Echterdingen in der Pflicht, zum Wohle einer Sportart zu entscheiden, meint unser Kommentator Jürgen Löhle.

Stuttgart - Dass sich die Stadt Leinfelden-Echterdingen eine Regel bei der Vergabe von Trainingszeiten in ihren Stadien und Hallen gegeben hat, ist löblich. Der Grundsatz, Altvereine vor Neugründungen zu begünstigen, ist durchaus vernünftig – um Vereinen, die sich jahrelang für eine Sportart engagiert haben, einen Bestandschutz zu geben. Diese Regel kann funktionieren, allerdings müssen dabei alle Parteien verantwortlich und vor allem im Sinne des Sports miteinander reden, wenn es um Verteilungskonflikte geht.

Das ist in Musberg schon lange nicht mehr möglich, und das weiß die Stadt längst. Der TSV Musberg und sein Vorstand Joachim Beckmann lehnen seit der Gründung des KSV jegliche Form der Koexistenz mit dem neuen Verein hartleibig ab und beharren auf ihrem Vertretungsrecht für Ringer, die der TSV auf Wettkampfebene aber gar nicht mehr hat. Das geht soweit, dass der TSV nun seine eigenen Mitglieder aus dem städtischen Ringerraum aussperren will, wenn sie gleichzeitig Mitglied im KSV sind, was juristisch zumindest fragwürdig erscheint.

Lesen Sie hier: die neue Posse um das Ringen ins Musberg

Die Stadt sollte sich nicht hinter ihrer Regel Alt vor Neu verstecken, weil sie über die Zukunft einer Sportart entscheiden muss, die in Musberg über 100 Jahre alt ist und den dreifachen Weltmeister Frank Stäbler hervorgebracht hat. Aktuell hat sich Leinfelden-Echterdingen gegen die olympische Sportart entschieden, dabei wäre ein Votum für den Sport fair und gerecht machbar. Der TSV müsste als Altverein ein Konzept und vor allem Menschen präsentieren, die unter seinem Dach den Ringkampfsport ausüben. Dann wäre die Neugründung KSV zu Recht außen vor. Gelingt dem TSV das nicht, sollte die Verwaltung die Trainingsmöglichkeiten dem Verein zugestehen, der sich um die Disziplin vom Kindergarten bis zum Leistungssport kümmern will.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: