Debatte - Streit bei SSB Vorstand verweigert Fahrern Dienstkleidung

Von Konstantin Schwarz 

Bei den SSB hängt der Haussegen schief. Der Betriebsrat hat Dienstpläne für 2016 nicht anerkannt. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Bei den SSB hängt der Haussegen schief. Der Betriebsrat hat Dienstpläne für 2016 nicht anerkannt. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Diskutieren Sie mit - Der Streit im Nahverkehrsbetrieb der Landeshauptstadt hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Der dreiköpfige SSB-Vorstand hat allen Fahrern die Dienstkleidung gestrichen.

Stuttgart - Die Stuttgarter Straßenbahnen AG gilt als beliebter, weil angeblich vorbildlicher Arbeitgeber mit großem Zusammenhalt der Belegschaft. In diesem Jahr hat das strahlende Image Kratzer bekommen. Der Betriebsrat und die Arbeitgeberseite haben sich in 70 Verfahren vor dem Arbeitsgericht zum Thema Dienstpläne beharkt. Dabei ging die Hälfte der Verfahren vom Unternehmen aus, weil es den Honoraranspruch des Arbeitnehmer-Anwalts bestreitet.

Obwohl zum Thema Dienstpläne und den für diese anzusetzenden Parameter eine Einigungsstelle installiert wurde, hat der Streit einem neuen Höhepunkt erreicht. Die Einigungsstelle hat am Mittwoch die Jahres-Dienstpläne für 2016 genehmigt. Allerdings saß dabei gar kein Arbeitnehmer-Vertreter mit am Tisch. Der Termin sei zu kurzfristig angesetzt worden, der Betriebsrat habe die Pläne nicht mehr prüfen können, sagt ein Mitglied der Mitarbeitervertretung. Die Dienstpläne beschreiben nicht nur den Personaleinsatz für den am 17. Mai 2016 in Kraft tretenden Regelfahrplan, sondern auch für rund 600 Sonderfahrpläne, die für Messen und andere Veranstaltungen oder einen Baustellenbetrieb gelten. Die Aktenordner füllen mehr als einen Schreibtisch.

Jahresfahrplan auf „wackeligen Beinen“

„Wir werden den Spruch der Einigungsstelle anfechten, denn er regelt Dinge, die ohne die Zustimmung des Betriebsrats nicht geregelt werden dürfen“, sagt dessen Vorsitzender Klaus Felsmann auf Anfrage. Felsmann sieht den Jahresfahrplan „auf sehr wackeligen Beinen“. Das Bahnprojekt Stuttgart 21 bringt für die SSB den Neubau ihrer Haltestelle Staatsgalerie und damit die knifflige Unterbrechung und Neukonzeption von Stadtbahnlinien.

Die Atmosphäre im Betrieb sieht Felsmann inzwischen als „nachhaltig gestört“ an. Mit dem Vorstand und den Bereichsleitern sei daher am Mittwoch beim Weihnachts-Kaffee eine Mediation vereinbart worden. Sie soll im Januar beginnen. Bisher, so Betriebsräte, habe der Vorstand den Dienstplan-Zwist, bei dem es um ausreichende Pausen und die Dauer von Fahrzeigen geht, „laufen lassen“.

Bundesarbeitsgericht hat entschieden

Vor wenigen Tagen kippten die Vorstände Wolfgang Arnold (Technik), Sabine Groner-Weber (Personal) und Stefanie Haaks (Finanzen) Öl ins Feuer. Sie kündigten eine Betriebsvereinbarung zur Dienstkleidung im Fahrdienst, die seit 2011 besteht. „Aufgrund der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts“ sehe man derzeit keine Möglichkeit „auch künftig Dienstkleidung als solche oder in der bisherigen Form zur Verfügung stellen zu können“, schrieben die Chefs an den Großteil der 3000 Beschäftigten.

Was sich anhört wie eine Posse hat einen ernsten Hintergrund. Die Vorstandsmitteilung 20/2015 enthalte „viel Potenzial zur Richtigstellung“, schrieb der Betriebsrat am 7. Dezember an die Belegschaft. Die Dienstkleidung sei nie Thema bei Gericht gewesen, sondern die seit 1996 unbezahlten Wegezeiten. Weil das Urteil erst in etwa sechs Wochen schriftlich vorliege, verbiete sich ein Schnellschuss. Der Betriebsrat sieht sich auf der Gewinnerseite und fordert eine Entlastung für die Mitarbeiter. Das würde in dem defizitären und auf eisernes Sparen ausgerichteten Betrieb zusätzliche Stellen nötig machen.

3 Kommentare

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  1. Kommentarregeln Registrieren Login

Es ist nicht verwunderlich. Die SSB hat sich da ja auch eine Verantwortliche fürs Personal ins Haus geholt. Frau Groner-Weber war zuvor bei den Leipziger Verkehrsbetrieben, was sie in 4 Jahren alles geschafft hat, erstaunlich. Die Unzufriedenheit im Fahrdienst hat Rekordhöhe erreicht. Ständige Umstrukturierungen, rotierendes Personalkarusell. Ihre Vorstellungen führten zu Arbeitskampfmaßnahmen, Gerichtsverfahren und etlichen anderen Probleme. Auch hier wurde in den Tagesmedien über die Unternehmensführung berichtet.

Ich bin nun 13 Jahren bei der SSB. Davor war ich bei einem anderen Verkehrsunternehmen in der Betriebsleitstelle und als Vertreter im Verkehrsausschuss der Stadt beschäftigt. Ich würde dann damals von der SSB abgeworben. Weil ich von der Struktur und von der Arbeitsweise der SSB überzeugt war, gab ich alles in der Heimat auf. Leider ist nun mein Fazit, das es sich alles verschlechter hat. Auf das Fahrpersonal ist der alles hektischer geworden. Das geht bei den Fahrzeiten los, bis hin zur kurz bemessen Wendezeit auf einigen Linien und der Pausenreglung. Und alles mit Genehmigung des BR. Und nun das mit der Kleiderordnung. Man sollte sich wirklich mal Gedanken machen, warum die Unfallzahlen, die Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern und der Krankenstand ständig steigt. In diesem Zusammenhang möchte ich hier noch ein anderes Beispiel aufzeigen, warum viele Mitarbeiter nicht mehr so hoch motiviert sind.Einen Zusammenhalt wie hier in diesem Artikel beschrieben wird, gibt es doch in der Firma schon lang nicht mehr! Und dies gilt in allen Bereichen. Ob Vorstand oder BR. Die beschriebenen Probleme in diesem Artikel sind doch nicht bei weitem der Höhepunkt. Ich sage da nur die massive Mieterhöhung von 19,8% für eine Betriebswohnung, die es von der Qualität und Lage überzogen ist! Dies wurde mit Ankündigung vom 23.12.14 ab dem 01.03.15 vollzogen. Weil man damit nicht einverstanden war, wird man von der eigenen Firma zur Unterschrift verklagt!!! Dann die massiven Kostenexplosion bei der Nebenkosten, obwohl man gespart hat. Weil man keinen kostengünstigen Hausmeisterservice wie versprochen, organisiert hat. Sondern die teuren Firmen, die für die SSB bereits tätig sind, beauftragt hat. Und diesem Monat war dann nochmals eine Ankündigung zur 100% Steigerung der Parkplatzgebühren zum 1.1.16. ! Und dann hat man noch nicht mal einen Caport. Und das alles mit Genehmigung des BR!Dann sucht man das Gespräch mit dem Ex Vorstand. Wird aber abgewiesen, da kein Redebedarf besteht! Nach Anfrage, ob man die Parkplatzgebühren nicht zu hoch angesetzt hat, bekommt man nur den Hinweis, das diese marktüblich sind. Und wenn man es nicht zustimmt, der Mietvertrag von Seiten der SSB innerhalb von 4 Wochen kündigen wird! Also, wo soll da noch ein Zusammenhalt bestehen???

Ich bin lange im Unternehmen Tätig und kann zu dem allem nur Sagen. Auf Kosten der Mitarbeiter werden hier Dinge ausgetragen die nicht sinnvoll für die Mitarbeiter sind. Zu lange Arbeitszeiten sowie die unbezahlten Wege führen zu immer mehr Belastung im Fahrdienst. Durch diese fehlt die Konzentration im Dinst, Müdigkeit und Stress ist eine der Folgen. Ruhezeiten sowie zu kurze Wendezeiten an den Endstationen belasten ebenfalls die Kollegen und Kolleginnen. Es gibt immer mehr Unfälle man sollte sich eher hier mal Gedanken machen an was das liegt liebes. Unternehmen.... MfG K.s

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