Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo und die Vereinigung Cockpit zwingen die Flugzeuge zum Stillstand. Betroffen sind alle Flüge, die von 0.01 Uhr bis 23.59 Uhr an deutschen Flughäfen starten. Foto: Sven Hoppe/dpa

Cockpit und Ufo rufen am Donnerstag zum ganztägigen Streik bei der Lufthansa auf – auch weil das Management die Gewerkschaften seit etlichen Monaten abblitzen lässt, meint unser Autor.

Aus Kundensicht kommen die konkreten Streikankündigungen bei der Lufthansa unverschämt kurzfristig. Lediglich ein voller Tag liegt zwischen den Kampfansagen von Cockpit und Ufo sowie den tatsächlichen Arbeitsniederlegungen an diesem Donnerstag. Da dürfte den meisten Flugticketinhabern das Umplanen sehr schwer fallen.

 

Völlig konträre Streikziele der Gewerkschaften

Dass in dem konfliktgewohnten Konzern, in dem theoretisch diverse Belegschaftsteile streiken können, nach längerer Friedensphase mal wieder Unruhe ausbricht, ist aber keine Überraschung. Immerhin hatte die Pilotengewerkschaft schon mit ihrer Urabstimmung im September 2025 ein Zeichen gesetzt, dass sie es im Streit um die betriebliche Altersversorgung ernst meint. Bis 2017 haben die Piloten eine klassische Betriebsrente erhalten – nun dominiert ein kapitalmarktbasiertes Modell mit geringeren Leistungen. Geklagt wird auf relativ hohem Niveau. Für das Kabinenpersonal geht es um einen tariflichen Sozialplan für 800 Jobs, die durch die Schließung der Regionaltochter Cityline bedroht sind – mithin um eine Absicherung nach unten.

Beiden Konfliktherden ist gemein, dass das Management die Gewerkschaften über etliche Monate abblitzen lässt, weil es sich am längeren Hebel wähnt. Die große Krise ist vergessen, die Aussichten sind günstig. Am Ziel der strikten Kosteneffizienz und des kapitalmarktgetriebenen Gewinnstrebens lässt Vorstandschef Carsten Spohr nicht mehr rütteln – komme, was da wolle.