Streik bei der Stadt Ausgelaugt durch den Sozialdienst

Von Barbara Czimmer-Gauss 

Fordern bessere Eingruppierung: Sozialarbeiter auf dem Marktplatz Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Fordern bessere Eingruppierung: Sozialarbeiter auf dem Marktplatz Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Auf dem Stuttgarter Marktplatz forderte die Gewerkschaft Verdi am Dienstag eine höhere Eingruppierung für die städtischen Mitarbeiter im Sozialdienst. Davon betroffen sind die Mitarbeiter auf rund 250 Stellen. Sie fühlen sich durch hohe Verantwortung und hohe Fallzahlen ausgelaugt.  

Stuttgart - Mit einer Aktion vorm Rathaus hat die Gewerkschaft Verdi am Dienstag auf die Situation der Sozialarbeiter im kommunalen Dienst aufmerksam gemacht. „Für sie hat es während der Tarifauseinandersetzung im Sozial- und Erziehungsdienst noch kein Angebot gegeben“, stellte Gewerkschaftssekretär Eduard Hartmann klar.

Rund 30 Teilnehmer hatten sich eingefunden, die an Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle einen Strauß Vergissmeinnicht überreichen wollten. Wölfle, so Hartmann, habe weder zu- noch abgesagt, er erschien auch nicht. So waren die blauen Blümchen flugs welk, doch Hartmann entdeckte einen anderen symbolischen Wert ihn ihnen: „Wir fühlen uns wie die: ausgelaugt.“

Mehrere städtische Angestellte im Sozialdienst machten deutlich, was sie für die Stadt tun. „Ohne den Bürgerservice Leben im Alter vom Sozialamt würden viele Menschen nicht zuhause versorgt werden können“, sagte Peter Blum. „Ich gehe zu psychisch erkrankten erwachsenen Menschen, die akut selbstgefährdet sein können. Ich weiß nie, was mich erwartet“, sagt Karin Azza. „Ich organisiere die übergangslose gute Weiterversorgung von Neugeborenen, wenn Frauen sich in der Klinik zur Adoption entscheiden oder ihr Kind einfach zurück lassen“, schildert Uschi Peichl.

Neben rund 80 Beschäftigten im Sozialamt und 50 im Klinikum sind Sozialarbeiter auf 110 Stellen in den Beratungszentren des Jugendamts tätig. „Im Jahr 2013 haben wir in 1097 Fällen die Gefährdung von Kindern eingeschätzt und begleiteten 13 106 Familien. Greifen wir zu früh ein, werden wir kritisiert. Greifen wir zu spät ein, auch, aber am Ende tragen wir die Verantwortung“, so Monika Stark Murgia. Lena Engel vom Jugendamt sagt: „Wir stellen die psychosoziale Grundversorgung in den Stadtteilen sicher, es wird Zeit, dass wir dafür angemessen bezahlt. werden.“ Als Waltraud Fritschi eine Leitungsstelle übernahm, wurden ihre 30 Berufsjahre nicht angerechnet: „Das ist ungerecht und wirkt sich auf meine Rente aus.“

Zurzeit befinden sich Gewerkschaften und Kommunale Arbeitgeberverbände in der Schlichtung. Währenddessen herrscht Friedenspflicht. Das Ergebnis soll am 22. Juni vorliegen. Hartmann stellt klar: „Für uns kommt nur ein Ergebnis in Frage, das die Berufe deutlich aufwertet.“

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