Am Wochenende wird gestreikt: Für viele wird die Zugfahrt ins Wasser fallen Foto: dpa

Zu Veranstaltungen an diesem Wochenende werden in Stuttgart Zigtausend Besucher erwartet. Ob die wirklich kommen, ist ungewiss. Denn die Lokführer streiken: Von Samstag früh 2 Uhr bis Montag, 4 Uhr, werden Züge und S-Bahnen lahmgelegt.

Stuttgart - Der Streik der Lokführer am Wochenende trifft Stuttgart ins Mark. Zur langen Stuttgartnacht am Samstag werden über 10 000 Besucher erwartet. Fürs VfB-Spiel gegen Leverkusen sind rund 50  000 Karten verkauft. Bei der Bäckerfachmesse Südback und dem Krautfest in Leinfelden-Echterdingen wird ebenfalls mit Andrang gerechnet. Zu den Konsequenzen des Streiks in Stuttgart wagen Deutsche Bahn, Verkehrsverbund Stuttgart und Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) keine Prognose.

Totalausfall bei der S-Bahn: Den gibt es nachts, am Sonntag sowie bereits am Samstag bei der Fahrt mit der S-Bahn zum Krautfest in Leinfelden-Echterdingen und zur Südback in der Messe Stuttgart. Besucher aus Richtung Esslingen, Ostfildern und Stuttgart-Plieningen kommen aber mit der Buslinie 122 direkt zur Messe. Ab Stuttgart-Plieningen fahren Busse der Linie 79.

Das Notfallkonzept von Bahn und SSB: Am Samstag fahren noch S 1, die S 4 bis Marbach und die S 6 bis Weil der Stadt jede halbe Stunde mit drei statt wie sonst mit zwei Einheiten. Der Nachtverkehr fällt von etwa 22 Uhr bis 6 Uhr allerdings flach. Eine exakte Vorhersage sei nicht möglich, sagt sie Bahn. Und auch am Sonntag fährt gar nichts. Die SSB setzen auf die Stadtbahnlinien U 6  (Fasanenhof–Gerlingen) und U 7 (Ostfildern, Nellingen–Mönchfeld ) mit 80-Meter-Zügen doppelt so lange Züge ein wie sonst abends und sonntags. Außerdem werden Stadtbahnen in Reserve gehalten und auf stark genutzten Strecken eingesetzt.

Die lange Stuttgart-Nacht: Daniela Raab hofft, dass das Publikum Alternativen zur Anreise mit der S-Bahn findet. Raab ist Projektleiterin des Kulturereignisses, bei dem es Schauspiel, Kabarett, Musik in der Nacht von Samstag auf Sonntag von 19 bis 2 Uhr gibt. Im vergangenen Jahr strömten 13 000 Menschen hin. Wie viele sich durch den Streik abschrecken lassen, mag sie nicht voraussagen.

Alternativen: Taxis werden knapp doppelt so viele wie sonst unterwegs sein. „Wir haben alle Fahrer informiert, dass gestreikt wird. Ich rechne damit, dass am Samstag und Sonntag jeweils 400 Fahrer Dienst machen“, sagt Antonio Tridico von der Taxizentrale in Stuttgart.

Reisende, die vom Zug auf einen Fernbus umsteigen wollen, dürften Pech haben. „Wir sind ausgebucht“, sagt eine Mitarbeiterin der Agentur Gotowala. Bei anderen Anbietern ist telefonisch kein Durchkommen. Der Bahn-Sprecher in Stuttgart ist ratlos: „Wir wissen ja nicht, welche Züge wo ausfallen.“

Nutznießer: Nicht traurig über den Streik sind Gegner des Projekts Stuttgart 21. Sie fahren am Samstag um 6 Uhr mit einem historischen Sonderzug nach Bonn. Dort wollen sie auf dem Marktplatz demonstrieren. In Bonn hat das Eisenbahn-Bundesamt seinen Sitz. Die Behörde hat den S-21-Bau genehmigt. Die Gegner werfen ihr „unverantwortliches Handeln“ vor. „Unser Sonderzug fährt auf jeden Fall“, sagt Wolfgang Kuebart, einer der Veranstalter. Zug und Lokführer, der seinen Dienst versprochen habe, kämen von der Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen. Weil die Strecken am Samstag streikbedingt frei sein dürfte, werde man schneller in Bonn sein. Einziges Problem der Protestler ist die Fahrt zum und gegen 21 Uhr die Rückkehr vom Hauptbahnhof nach Hause.

Stuttgart-Marketing: Dort fürchtet man, dass viele Gruppen von auswärts Stadt- und Sonderführungen absagen. Von Hotelstornierungen wegen des Streiks ist nichts bekannt.

Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL): „Wir haben den Streik nicht absichtlich auf ein Wochenende mit vielen Veranstaltungen gelegt“, sagt der GDL-Bezirksvorsitzender Südwest, Lutz Dächert. Ein Streik werktags würde die Bevölkerung mehr treffen. Und getroffen werden solle ja die Bahn.

Tipp: Infos gibt es bei der Hotline der Bahn unter Telefon 0 80 00 99 66 33 und unter www.bahn.de/streik.

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