Am Schlossplatz, im Herzen der Stadt, ist der Sommer so schön wie im Urlaub. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Wer jetzt verreist, verpasst viel. Der Sommer in Stuttgart ist wie Urlaub, hier kann man Lebensfreude tanken. Ein Streifzug durch die brummende City, von den Jazz Open bis zum Hamburger Fischmarkt.

Stuttgart - Im Sommer sind die Menschen anders als in düsteren Wintertagen. Sie sind offener, aktiver, geselliger und wollen Zeit für Dinge nutzen, die sonst im Alltag zu kurz kommen. Das Draußensein macht die Menschen lockerer, entschleunigt sie in einen anderen Lebensrhythmus hinein. In Stuttgart mögen Staus, Baustellen und schlechte Luft nerven – vor den Sommerferien aber häufen sich die Feste, die großen und kleinen Ereignisse, die Glücksgefühle intensivieren. Und mit jeder lauen Sommernacht wird die Heimatliebe in der brummenden City neu entfacht.

Wer muss schon noch wegfliegen und dem Klima schaden? Der Sommer in Stuttgart ist doch sowieso am schönsten!

Von den Jazz Open vor dem traumhaft illuminierten Neuen Schloss bis zum Hamburger Fischmarkt auf dem wogenden Karlsplatz, zwischen überfüllten Straßencafés und urbanen Picknickwonnen auf dem Grün des Schlossplatzes, aber auch an Stuttgarts Rändern bei Stadtteilfesten – derzeit ist so viel geboten, dass die Sehnsucht nach Ferne keine Chance hat.

Inge ist „erfrischend, scharf und sexy“

„Habt ihr wieder eure Oberknallertage?“, fragt ein Nordlicht auf dem Fischmarkt an dem Stand, an dem es Inge gibt. Inge ist „erfrischend, scharf und sexy“, so steht’s auf dem Schild. Der Sommercocktail mit diesem Namen besteht aus Prosecco, Basilikum und Ingwersirup. Inge ist die neue Freundin von Hugo, der als beliebtester Drink angeblich von Inge abgelöst wird. Die Schaustellerin, die von „Oberknallertagen“ spricht, kennt Stuttgarts Festfreude von den Vorjahren; sie weiß, dass sich Konzerte und Partys im Sommer hier ballen. Aus Hamburg kennt sie’s nicht, dass in einer Nacht gleichzeitig Weltstars wie Pink und Bob Dylan spielen, wie dies jüngst in Stuttgart in der Mercedes-Benz-Arena und auf dem Schlossplatz geschehen ist. Da wie dort waren die Besucher so begeistert, dass der Energieschub der guten Laune sie noch immer antreibt.

Während auf dem Festivalgelände 7000 zahlende Fans dem 78-jährigen Literaturnobelpreisträger lauschten und dessen Smiley-Ekstasen staunend verfolgten, saßen etwa 2000 „Zaunis“, wie Zaungäste sich selbst nennen, auf dem Rasen oder drückten sich an Absperrungen, um ohne Ausgaben für teure Karten Teil – im positiven Sinne – kollektiven Stadtgefühls zu werden.

Sting ist krank – aber sein Wein ist da

Was auf dem Karlsplatz Inge ist, ist auf der VIP-Tribüne der Jazz Open Sting. Krankheitsbedingt hat der britische Superstar („Roxanne“) absagen müssen, aber etwas von ihm ist doch da – sein Sommerweißwein Jahrgang 2018, der Message in a bottle heißt (bei ihm tragen alle Weine Songtitel). „Sehr frisch und leicht“, schwärmt Volksfestwirtin Sonja Merz. Die Runde ist angetan. Im Online-Handel kostet die Flasche übrigens um die 13 Euro.

In der Toskana besitzen Sting und seine Frau Trudie Styler einen Bauernhof, auf dem sie Biowein anbauen (oder anbauen lassen). Sponsoren des Festivals hatten sich auf eine Weinprobe mit Sting gefreut, zu der sie bei Feinkost Böhm eingeladen waren. Doch selbst in Stuttgart erfüllen sich nicht alle Sommerträume. Krankheiten durchkreuzen Pläne – man muss das Beste daraus machen.

Der US-Amerikaner Aloe Blacc und die Schottin Emeli Sandé haben als Krankheitsvertretung das Beste gegeben und vergessen lassen, dass von den 7000 Karten etwa 5000 zurückgegeben wurden und das begeisterte Publikum nur noch aus etwa 2000 Köpfen bestand. Blacc sang als Verneigung den Sting-Hit „Walking on the Moon“.

„Shut up and listen“ steht auf der VIP-Empore

Aus Österreich angereist war ein großer Sting-Fan: Die frühere Staatsministerin Claudia Hübner heißt nun Claudia Porsche, weil sie nach der Hochzeit im Februar den Familiennamen ihres Mannes, Wolfgang Porsche, des Aufsichtsratschefs, angenommen hat. Ihren Stuttgarter Wohnsitz hat sie inzwischen aufgegeben. Auch ohne Sting bereute die Professorin den Besuch der Jazz Open nicht – die Musik gefiel ihr sowie das Festivalambiente. Das bunt angestrahlte Schloss hat was von einem Märchenschloss. Nicht vergessen hat Claudia Porsche nach ihrem Umzug, wie heftig und fröhlich man in Stuttgart feiert.

„Shut up and listen“, steht groß auf der VIP-Etage der Festivaltribüne. Veranstalter Jürgen Schlensog hat sich im Vorjahr geärgert, dass Logengäste während des Konzertes zu laut waren. Bisher hat sich dies nicht wiederholt. Zu den VIP-Gästen zählten bisher: OB Fritz Kuhn, Minister Franz Untersteller, Autor Wolfgang Schorlau, Staatssekretärin Petra Olschowski,der frühere Moderator Wieland Backes u. v. a.

Mit Christina Aguilera und Parov Stelar geht es weiter

Nach dem Feiern ist vor dem Feiern: Die Jazz Open gehen weiter mit Christina Aguilera am Samstag und Parov Stelar am Sonntag. Am Samstag ist Lichterfest auf dem Killesberg, am Montag startet das Festival der Kulturen auf dem Marktplatz.

Noch haben wir keine Zeit zum Verreisen. Sonst entgeht uns viel. Der schönste Urlaub ist der Sommer in Stuttgart.

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