Vorher lagen hier Wiesen, Weinberge und Wälder – heute trifft sich die Jugend am Wilhelmsplatz zu Pizza, Spritz und Bier. Foto: Lichtgut

Ob Kunst, gemütliche Cafés oder schicke Bars: Im Bohnen- und Leonhardsviertel gibt es einige Geheimtipps und Lieblingsorte, die nur darauf warten, entdeckt zu werden.

Im Leonhardsviertel treffen Partymeile, Wohngebiet, Rotlicht und Einzelhandel aufeinander. Zwischen diesen Häuserzeilen spürt man die Stadtgeschichte Stuttgarts in all ihrer Spannung und Reibung. Hier war schon immer viel los.

 

Die Sankt Leonhards Vorstadt entstand ab dem 14. Jahrhundert als erste Erweiterung der mittelalterlichen Kernstadt. Vorher lagen hier Wiesen, Weinberge und Wälder. Das neue Viertel bot Platz für Weingärtner und Handwerker, deren Feuerstätten im Stadtkern zu gefährlich gewesen wären.

Handwerksgeschichte und Straßennamen

Entlang der Hauptstätter Straße, einem frühen Güterumschlagsplatz, lebten Taglöhner, die beim Umräumen der Waren halfen – in einem Gebiet, das als „Gebiet der armen Tropfe“ bekannt war. Kleine Häuser mit Hinterhöfen, in denen Gemüse angebaut wurde, prägten das Viertel. Besonders Bohnen wuchsen überall und gaben dem Viertel seinen Namen.

Handwerksbetriebe wie Brenner, Wagner und Weber siedelten sich an, um Feuergefahren in der Innenstadt zu vermeiden. Noch heute erinnern Straßennamen wie Wagner-, Brenner- oder Weberstraße an die ersten Bewohnerinnen und Bewohner.

Historische Sehenswürdigkeiten im Viertel

Die wohlhabende Stadtbevölkerung hielt Abstand von der armen Vorstadt. In der Richtstraße lebte etwa der Scharfrichter nahe seines Arbeitsplatzes an der Stadtmauer. Das Henkersfest erinnert noch heute an diese blutige Vergangenheit am Wilhelmsplatz.

Beim Rundgang durch das Viertel lohnt sich ein Blick in die Hinterhöfe: Zwischen alten Mauern und Häuserzeilen verstecken sich immer wieder grüne Ruheoasen mitten in der Innenstadt.

Die Kiste

Sechs Abende in der Woche pulsiert hier die Musik. Foto: Martin Bernklau

Früher trug sie den Namen Rogers Kiste, später wurde daraus schlicht Kiste, dann zeitweise Box – und heute ist sie wieder die Kiste. Was sich jedoch nie verändert hat, ist der Jazz. Sechs Abende in der Woche pulsiert hier die Musik – und an Müdigkeit ist nicht zu denken. Der kleine Club gehört längst zu den festen Größen der Stuttgarter Kulturszene. Seit 1988 begeistert er sein Publikum in der Altstadt mit entspannter Live-Musik und spürbarem Rhythmus. Auf der kleinen Bühne treffen unterschiedlichste Stilrichtungen aufeinander und verschmelzen in lebendiger Improvisation.

Hommage Feinkostbar

Seit 2021 sorgt die „Hommage Feinkostbar“ für Genüsse kulinarischer Art. Foto: Bogen/cf

Seit 2021 gibt es im Leonhardsviertel die Hommage Feinkostbar. In den Räumen, in denen früher Spielautomaten standen, werden heute Lebensmittel und Getränke angeboten. Die Auswahl trägt teils ungewöhnliche, klangvolle Namen wie „Amore Ardente“, „Knofeliger Fang“ oder „Beschwipster Dusel“. Verzehrt werden kann vor Ort, zu Hause oder im Hinterhof, der mit Lichterketten ausgestattet ist.

Holzmaler

Zutritt gibt es nur per Klingel. Foto: Lichtgut

Die Bar Holzmaler im Leonhardsviertel funktioniert nach dem Speakeasy-Prinzip: Zutritt gibt es nur per Klingel am Schild „Johannes Mack“. Innen entführt das Interieur von den 1920er Jahren bis zu den „neuen Goldenen Zwanzigern“. Tropische und exotische Wandmalereien, darunter Elin Dokas „Tänzerin im Bananenrock“ als Josephine-Baker-Hommage, prägen den Raum. An der langen Bar werden kreative Cocktails aus besonderen Spirituosen serviert.

Schellenturm

Nach Kriegsschäden wurde der Turm wieder aufgebaut. Foto: Foto: Achim Zweygarth

In der Weberstraße steht der Schellenturm, der letzte erhaltene Turm der mittelalterlichen Stadtbefestigung Stuttgarts. 1564 als Kastkellereiturm erbaut, diente er zunächst als Lagerraum. Seinen Namen erhielt er 1811 nach dem Abbruch des ursprünglichen Schellenturms, benannt nach den Schellenwerkern – Gefangenen, die Glöckchen an ihrer Kleidung trugen.

Nach Kriegsschäden wurde der Turm wieder aufgebaut, 1980 nach einer Restaurierung der Öffentlichkeit übergeben. Heute lädt die Weinstube zum Schellenturm zu gemütlichen Stunden im Bohnenviertel ein.

BIX Jazzclub

Das Bix zählt zu den etablierten Spielstätten der Stuttgarter Musikszene. Foto: Lichtgut

Der Jazzclub befindet sich im Anbau des Gustav-Siegle-Hauses und wurde im Dezember 2006 eröffnet. Er zählt zu den etablierten Spielstätten der Stuttgarter Musikszene. Das Magazin DownBeat führt den Club unter den 50 besten Jazzclubs weltweit. Das musikalische Programm reicht von international besetzten Jazzkonzerten bis hin zu Soul und Funk und spricht damit ein breiteres Publikum an. Ergänzt wird das Angebot durch eine gehobene Gastronomie mit kleinen Tischen sowie einer Auswahl an Weinen und Whiskys.

Galerie Kunstbezirk Stuttgart im Gustav-Siegle-Haus

Das Gustav-Siegle-Haus. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Galerie Kunstbezirk im Gustav-Siegle-Haus wird vom Förderkreis Bildende Künstler Württemberg getragen und bietet auf rund 450 Quadratmetern vor allem jüngeren Künstlern aus Stuttgart und der Region eine Ausstellungsfläche.

Gezeigt werden – auch dank der hohen Räume – großformatige Arbeiten, Installationen und Medienprojekte. Das Programm verbindet verschiedene Disziplinen wie Bildende Kunst, Film, Musik und Performance und wird von einem Kuratorium mit Beteiligung regionaler Kunstinstitutionen mitgestaltet.

Fumes and Perfumes im Züblin Parkhaus

Ives Noir, Monica Menez, Frank Bayh und Steff Rosenberger-Ochs im Züblin Parkhaus. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Im Züblin-Parkhaus trifft Alltägliches auf Kultur: Ein Flyer mit QR-Code am Kassenautomaten führt per Podcast durch die im Gebäude verteilte Fotoausstellung „Fumes and Perfumes“. Die Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern wie Frank Bayh, Steff Ochs, Monica Menez und Yves Noir sind direkt an den Betonwänden zu sehen – auch ohne Parkticket und zu Fuß zugänglich.

Auf dem obersten Deck befindet sich zudem ein Gemeinschaftsgarten mit Hochbeeten. Gelegentlich wird die Fläche auch für kleinere Veranstaltungen wie Konzerte oder Yoga genutzt.

Weißes Ross

Hinter der Bar stehen bekannte Gesichter aus Stuttgarter Cocktail-Lokalen. Foto: Ferdinando Iannone

Christoph Kuttner und Henri Scharnofske haben mit ihrer Bar ein Highlight für kreative Cocktails geschaffen. Klassiker, Neuinterpretationen und eigene Kreationen werden hier handwerklich perfekt als frische, leichte Drinks serviert. Das Interieur fällt mit Fensterbögen, stilvoller Beleuchtung und der langen Theke sofort ins Auge. Hinter der Bar stehen bekannte Gesichter aus Stuttgarter Cocktail-Lokalen und mixen hochwertige Spirituosen. Das namensgebende Tier taucht als kleines Gimmick immer wieder auf, etwa auf Bierdeckeln, auf denen Gäste eigene Interpretationen verewigen können.

Nachtwächterbrunnen

Die Statue zeigt einen Mann mit Pelerine, Laterne, Rufhorn und Hellebarde. Foto: StZN

Der Nachtwächterbrunnen hinter der Leonhardskirche erinnert an die Nachtwächter, die bis 1862 für Ruhe in Stuttgart sorgten – im lebhaften Bohnenviertel sicher keine leichte Aufgabe. Die Statue zeigt einen Mann mit Pelerine, Laterne, Rufhorn und Hellebarde, begleitet von einem Hund. Die Säule ist mit nachtaktiven Tieren wie Eulen und Fledermäusen geschmückt. Die Laterne in seiner Hand war zudem Stuttgarts erste elektrische Straßenbeleuchtung.

Café Da

Wem es mehr nach Kuchen gelüstet, der ist beim Café Da an der richtigen Adresse. Hier werden die Kuchen, Torten und Co. jeden Tag frisch gebacken und noch dazu vegane sowie glutenfreie Varianten angeboten.

Wunderkammer

Mittags und abends gibt es eine Bistro-Karte. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Wunderkammer im Bohnenviertel setzt auf selbstgemachte Speisen ohne Zusatzstoffe, zubereitet aus frischen Zutaten. Gemütliche Sofas, Sessel und die offene Küche schaffen eine entspannte Atmosphäre. Im Winter sorgt ein Kamin für Wärme, im Sommer lädt die Terrasse zum Verweilen ein.

Frühstück wird bis 14 Uhr serviert (sonntags bis 15 Uhr). Mittags und abends gibt es eine Bistro-Karte. Die Wunderkammer lässt sich zudem für private Feiern oder Kochkurse buchen.

High Fidelity

Bernd Kreis (links), Inhaber des Restaurants, mit seinem Küchenchef Alfio Zamorra Maldonado. Foto: Lichtgut

Das High Fidelity, von Roxana und Bernd Kreis gegründet, kombiniert peruanische Küche, erlesene Weine und Jazz zu einem einzigartigen Erlebnis. Das Küchenteam bringt authentische Gerichte wie Ceviche oder Lomo Saltado auf den Teller, präzise und mit Liebe zum Detail.

Bernd Kreis, ausgezeichneter Sommelier, sorgt mit einer Weinkarte aus Klassikern und Raritäten für perfekte Begleitung. Ein besonderes Highlight ist seine selbstgebaute High-End-Musikanlage, die Jazz von Vinyl in außergewöhnlicher Qualität erklingen lässt.