Bis zu 500 Stellen sollen bis Ende 2028 in der Stuttgarter Stadtverwaltung wegfallen – ohne Kündigungen. Ob das zur Konsolidierung ausreicht, ist unklar.
In der Stuttgarter Stadtverwaltung soll die Zahl der Beschäftigten in den nächsten Jahren deutlich zurückgehen. „Nach einer vorläufigen Bewertung“, so der Erste Bürgermeister Fabian Mayer (CDU), könnten bis Ende 2028 bis zu 500 Stellen wegfallen. Da die Haushalte voraussichtlich auch nach 2028 in extremer Schieflage bleiben werden und die Verschuldung in den Milliardenbereich steigt, könnten die 500 Stellen nur der Anfang sein.
Bei der Personalvertretung schrillen angesichts dieser Ansage die Alarmglocken. Sie fordert von OB Frank Nopper (CDU) eine Vereinbarung zur Stellensicherung. „Personal kann nur dann reduziert werden, wenn auch Aufgaben wegfallen“, sagt der Gesamtpersonalratsvorsitzende Tomas Brause. Der Gemeinderat soll den Stellenabbau mit dem Haushaltssicherungskonzept „2030+“ am 23. April absegnen. Darin stehen Einsparungen von 400 Millionen Euro im nächsten Doppeletat 2028/2029.
1850 Stellen sind nicht besetzt
Ende 2024 zählte die Verwaltung laut dem jüngsten Personalbericht 17.594 Köpfe. Eigentlich müssten es fast 19.500 sein, denn 1850 Stellen seien zurzeit nicht besetzt, sagt Brause. Die Zahl von 500 Streichungen sei daher „bereits überfüllt“.
Die Personalvertretung hat Nopper und Mayer in dieser Woche einen Forderungskatalog übergeben. Hauptpunkte sind der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen, verbindliche Qualifizierungsangebote und die Schaffung einer Stellenvermittlungsbörse. Man wolle „Beschäftigung nachhaltig sichern und soziale Härten vermeiden“. Rund 1000 Stellen für Tarifbeschäftigte waren Ende 2024 bei der Stadt befristet. Nur 23 davon, weil Beschäftigte nach ihrem Renteneintritt weiterarbeiteten. Mit der Vereinbarung sollen auch befristete Stellen gesichert werden, so Brause, der die zur Haushaltssanierung im Dezember beschlossene Kürzung der Fortbildungsbudgets um 20 Prozent beklagt.
Kündigungen sind ausgeschlossen
Kündigungen haben Nopper und Mayer im Gespräch mit unserer Zeitung ausgeschlossen. Kommunen im Osten Deutschlands würden zu diesem letzten Mittel greifen, sagt Brause, zum Beispiel, wenn ein Bad geschlossen werde. Mit der Vereinbarung zur Stellensicherung will der Personalrat ein Signal der Beruhigung nach innen senden. Nach außen soll sich die Verwaltung als attraktive Arbeitgeberin präsentieren, die Sicherheit verspricht. Nur so könne man mit Blick auf den demografischen Wandel attraktiv bleiben, sagt der Vorsitzende.
Immer mehr gehen in Ruhestand
Von 2028 an wird die altersbedingte Fluktuation in der Verwaltung von rund 280 Beschäftigen im Jahr deutlich zunehmen. Am Hochpunkt 2032 wechseln 520 Beschäftigte in den Ruhestand. Danach, das weist der jüngste Personalbericht aus, bleibt sie mit rund 400 Abgängen pro Jahr auf hohem Niveau. Das Durchschnittsalter beim Eintritt in die Rente oder Pension lag 2024 in der Verwaltung bei 64,6 Jahren. Rechnet man Beschäftigte in Altersteilzeit hinzu, sinkt der Schnitt auf 63,8 Jahre. Die Altersteilzeit hat die Gewerkschaft Verdi bei den Tarifverhandlungen vor Jahren auslaufen lassen. Der Stuttgarter Personalrat würde sie gern wiederbeleben.
Die Stuttgart-Zulage sinkt am 1. Mai
Brause fordert, dass die Vereinbarung „nicht auf die lange Bank geschoben wird“, schließlich wolle die Verwaltung noch vor der Sommerpause Ergebnisse ihrer Aufgabenkritik zur Zielzahl von bis zu 500 Stellen liefern. „Bisher gibt es keine Organisation, die diese Stellen identifizieren soll“, so der Personalratsvorsitzende. Allerdings existiert eine Kommission, die derzeit prüft, welche Stellen bei freiwilligen Aufgaben der Stadt befristet nicht mehr besetzt werden können. Beispiele sind die Schuldnerberatung oder das Frauenhaus. Der Kommission gehören Mayer, Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU), OB-Büroleiter Winfried Klein und der Leiter des Haupt- und Personalamts, Bernd Reichert, an. Auch Brause sitzt mit am Tisch.
Die bisher sicheren Arbeitsplätze bei der Stadt sieht Brause im Vergleich zur freien Wirtschaft „teuer erkauft“. In den Amtsstuben werden 39, in der Wirtschaft oft nur 35 Stunden pro Woche gearbeitet, dazu kommen Bonuszahlungen, der die Stadt im Werben um Fachkräfte die Stuttgart-Zulage entgegenstellt. Die aber wird zur Haushaltskonsolidierung gesenkt, zum 1. Mai von bisher 150 auf 70 Euro pro Monat.