Youtuber Marvin hat Creme-Tiegel mit Gleitgel befüllt, mit einem falschen Produktnamen beklebt und als Gesichtscreme von Influencern bewerben lassen. Foto: Youtube

Mit einer falschen Creme wollte Youtuber Marvin Wildhage wissen, ob Influencer für Geld zweifelhafte Produkte bewerben. Einige sind auf das Fake-Produkt reingefallen – und waren nicht glücklich über die Auflösung.

Stuttgart - Bewerben Influencer für Geld wirklich alles? Dem Vorurteil wollte der Berliner Youtuber Marvin Wildhage nachgehen. Unter dem Namen „Hydrohype“ drehte er Influencern Gleitgel statt Anti-Aging-Creme an. Wie es wohl ausging?

Geplant hat Wildhage den Streich seit Mitte vergangenes Jahr. Bereits da befüllte er kleine Döschen mit der angeblich hochwirksamen „veganen Bio-Hautcreme“. Mit gekauften Likes, Fake-Kommentaren und mehreren Stories auf falschen Accounts baute er ein Instagram-Profil für seine ausgedachte Marke „Hydrohype“ auf. Für glaubhafte Bilder platzierte er die Creme sogar in den Regalen von bekannten Biomärkten. Untermauert hat er die Marke mit einer Website voller bearbeiteter Agenturfotos von angeblichen Produkten und einer erfundenen PR-Agentur.

Asbest und Uran: Die angeblichen Inhalte machen stutzig

Nach kurzer Zeit – und für entsprechend viel Geld - rührten Influencer dann fleißig die Werbetrommel für das Produkt, darunter die bekannte Influencerin Enisa Bukvic. Auf ihrem Account schwärmte diese ihren 762.000 Instagram-Followern von dem Anti-Aging-Effekt der Creme vor und postete sogar ein Vorher-Nachher-Bild, welches den angeblichen Effekt der Creme zeigen soll. Ganz wie vom Kunden gewünscht, hielt sie sich bei der Produktpräsentation an das von Wildhage geforderte Protokoll. Zum Beispiel präsentierte sie die Zutaten der vermeintlichen Gesichtscreme als „durch Urangestein gefiltertes Wasser“, ohne sich bewusst zu sein, dass Uran nicht in Kosmetikprodukten verwendet wird, sondern in Bomben.

Hätten die betroffenen Influencer allerdings einen genaueren Blick auf die Inhaltsstoffe geworfen, hätten sie eigentlich aufmerksam werden müssen. Denn unter den angegebenen Zutaten befanden sich auch Asbest, Uran und frei erfundenes „Pipikaka-Seed-Oil“. Zur Ehrenrettung der Berufsgruppe muss man aber auch sagen, dass nicht alle auf das Produkt hereingefallen sind. Es gab auch Influencer, die die Creme zum Probieren angefordert haben und eine Zusammenarbeit dann einfach abgelehnt haben.

Enisa Bukvic hat der Bio-Kennzeichnung vertraut

Die Ergebnisse seines Tests hat Wildhage in bisher zwei Videos veröffentlicht. Ein drittes hat er bereits angekündigt. Viele User feiern den Youtuber im Netz für seinen Streich. Aber besonders die Reingelegten waren nach Erscheinen des Videos alles andere als glücklich. Bukvic hatte auch als Folge Kritik und einige Hasskommentare bekommen. Sie nahm vor wenigen Tagen auf ihrem Kanal Stellung zu der Bewerbung des Fake-Produkts. Ihr damaliges Management habe das Produkt abgesegnet, sie habe nie mit Absicht jemanden täuschen wollen, so die Influencerin.

Die Creme fühlte sich für sie feuchtigkeitsspendend an, durch die Bio-Kennzeichnung habe sie den Inhaltsstoffen außerdem vertraut und habe auch nicht alles ganz verstanden, da Deutsch nicht ihre Muttersprache sei. Sie verurteilt das Vorgehen Wildhages und sagt dazu: „Das Video ist für mich ein Video, das menschliche Grausamkeit zeigt. Sich so viel Mühe zu geben, um zu testen und zu sehen, wer darauf hereinfällt, und es so perfekt zu planen, ist für mich wahnsinnig.“ Sie wolle in Zukunft nur noch mit bekannten Marken kooperieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass Wildhage Influencer reinlegt. Im vergangenen Jahr hatte er Big-Brother-Coach Dominic Harrison mit einem vermeintlich 150 Millionen Jahre alten Dinosaurierknochen hinters Licht geführt. Dieser hatte den falschen Konchen ganz stolz seiner Community präsentiert, ohne zu wissen, dass der Knochen lediglich ein schön verpacktes Überbleibsel von Wildhages Besuch bei der Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken war.

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