Mehr als nur ein belegtes Brot: das Pastrami Sandwich. In unserer Bildergalerie stellen wir Street-Food-Spezialitäten vor. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Street Food wie Pastrami, Bánh Mís, Burritos und Poffers gibt es auch in Stuttgart. Man muss nur wissen wo. Wir haben uns umgeschaut und verraten die besten Adressen.

Stuttgart - Es gibt da diese sehr bekannte Szene in dem Film „Harry and Sally“, in der Sally (Meg Ryan) Harry (Billy Crystal) einen Orgasmus vorspielt. Sie sitzen in Katz’s Delicatessen, einer New Yorker Lokalität mit einer langen Tradition und jüdisch-koscherem Essen. Sie isst ein Truthahn-Sandwich, er ein Pastrami.

Und genau auf Letzterem liegt schon seit geraumer Zeit die Aufmerksamkeit von Essens-Fans. Was es seit über hundert Jahren in der amerikanischen Metropole gibt, wird in Berlin im Mogg & Melzer in der jüdischen Mädchenschule angeboten. Jetzt kommt Pastrami auch in Stuttgart an. Das neue Street Food wird nicht nur in Metropolen wie Berlin oder London als das nächste große Ding gehandelt. In Stuttgart gibt es das Essen auf die Hand zumindest vereinzelt – von einem Essensmarkt, wie es ihn etwa in der Markthalle Neun in Berlin gibt, kann man bisweilen nur träumen. Doch hier und da kann man in Stuttgart aber probieren, was andernorts schon mehr als bloßer Trend ist: Pastramis beispielsweise. In Tattis Laden in der Calwer Passage oder auch im Martha’s im Königsbau gibt es die belegten Brote. Dabei ist der Begriff „belegte Brote“ glatt untertrieben. Das Herzstück eines Pastramibrotes ist das Fleisch: Das ist meist Rind, manchmal Ochse, es wird gepökelt. Jeder hat so sein Geheimrezept. Die Tatti-Macher Marcus Philipp, Basti Sommer und Benni Scheibe haben lange gesucht, um den richtigen Lieferanten zu finden. Jetzt kommt ihr Fleisch mit einer Pfeffernote von der Schwäbisch-Hällischen Erzeugergemeinschaft. Serviert wird es auf einem frischen Bauernbrot mit Gurke, Senf und Mayo. Auf dem Vesper-Brettchen gibt es Coleslaw, also Krautsalat, dazu. Für alle, die es vor Ort verkosten und nicht mitnehmen.

Das neue Street-Food heißt Pastrami oder Burrito

Das ist das Tolle an den neuen Street-Food-Kreationen wie beispielsweise Pastrami, Bánh Mìs oder Burritos. Essen kann man sie direkt vor Ort – oder man kann sie mitnehmen. Und die Street-Food-Kreationen rücken die kulinarische Welt noch enger zusammen. Rumänen brachten Pastrami nach Amerika, jetzt kommt es wieder nach Europa. Franzosen brachten während des Kolonialismus Baguette nach Asien, Vietnamesen belegten es mit tollen, frischen Zutaten. Sie nannten es Bánh Mìs („fremder Kuchen“), entwickelten den Teig weiter, beschmierten die neuen Brote mit Mayonnaise und Leberpastete, belegten sie mit Gurken, Koriander und Gemüse – dazu kamen je nach Wahl Schweinefleisch, Tofu, Hühnerbrust oder Rindfleisch. Dafür muss man nicht verreisen, sondern einfach im Good Morning Saigon oder im Do’s in Stuttgart vorbeischauen.

Das alles ist natürlich auch irgendwie Fast Food, weil es – wie der Name nahe legt – schnell geht. Ist aber weit entfernt von dem, was man sonst vor allem heiß und fettig an Imbiss-Ständen serviert bekommt. Eine weitere Alternative zum schnellen Snack sind Burritos, gefüllte Tortillas. Die mexikanische Spezialität gibt es im Burreatos am Hospitalplatz. Modern ist das Schnellrestaurant eingerichtet. Und wenn man so vor der Glasvitrine steht, hat man die Qual der Wahl: Welche Bohnen dürfen’s sein? Koriander- oder Vollkornreis? Dazu Mais, Salat, Gemüse, Guacamole, diese tolle Avocado-Creme? Soll Fleisch draufkommen, oder mag es der Kunde vegetarisch? Zum Schluss wird der Tortilla-Fladen zu einem kompakten Päckchen gefaltet, und fertig ist der Mittags-Snack aus Mexiko.

Poffertjes - ein Import aus Holland

Den Import einer niederländischen Spezialität kann man im Stuttgarter Osten beobachten. Wasiliki Fotiadou und Yvonne Möbius haben in einem Hollandurlaub Poffertjes entdeckt – und sich in die kleinen, süßen Pfannkuchen schockverliebt. Von den Crêpes in Deutschland waren sie oft enttäuscht und sagten sich: „Das muss besser gehen.“

Mehr als ein Jahr feilten sie an der Konsistenz ihres Teigs, der ein flüssiger Hefeteig mit einem Anteil an Buchweizenmehl ist. Ab 2010 standen sie mit ihrem Poffers-Wagen – einer fahrenden Backstube – auf dem Marienplatz, bei Adventsmärkten und Messen und überzeugten die Schwaben von ihren Poffers, die es klassisch mit Butter und Puderzucker, Ahornsirup, Apfelmus, Schokosoße aus Kinderschokolade, Karamell mit Meersalz oder auch als deftige Variante mit Sahne-Joghurt-Soße, Käse und frischem Schnittlauch gibt. Dann aber wurden die beiden Frauen im Herbst 2014 am Kernerplatz in einem ehemaligen Pelzgeschäft sesshaft, das sie in ein helles, gemütliches Café verwandelt haben. Eine neue Kreation der beiden Quereinsteigerinnen steht auch schon auf der Karte: Fladini heißt sie, ist eine Mischung aus Fladenbrot und Panini. Der Bestseller ist mit Serranoschinken und gebratenem Gemüse belegt.

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