Bei Stuttgart Street Art war auf der Königstraße richtig was los. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Beim „Stuttgart Street Art“-Festival wurde am Samstag die Königstraße inklusive Schlossplatz mit Musik, Artistik, Tanz, Magie und Kleinkunst bespielt. Dass die Sonne bei 28 Grad herabgebrutzelt hat, hat niemanden gestört – im Gegenteil.

„Make Königstraße great again“, so könnte man das Motto des am Samstag schon zum fünften Mal stattfindenden „Stuttgart Street Art“-Festivals beschreiben. Bei bestem Wetter und Höchsttemperaturen von 28 Grad konnten an zehn Stationen Klein- und Straßenkunst unterschiedlichster Couleur bestaunt und an unterschiedlichen Food-Ständen entlang der Route Dinge wie etwa Baumstriezel gefuttert werden. Und der Plan ist aufgegangen. Dass die bekannteste Einkaufsmeile der Stadt gerade eine kleine Leerstandkrise durchlebt, wurde diesen Samstag jedenfalls nicht augenscheinlich. Massen an Menschen spazierten durch die Fußgängerzone, stellten sich vor Bubble-Tea-Läden in Schlangen an, sonnten sich auf den Außenplätzen der Cafés und blieben vor den Stationen der Künstler stehen, hörten zu, applaudierten.

 

Musiker sind begeistert vom Zulauf

Jochen Vogt von „Little Acoustic Jukebox“, der mit seinem Musikpartner Tobias Scheck Spot Nummer zwei in der Unteren Königstraße bespielte, zeigt sich zufrieden: „Wir sind zum ersten Mal bei ‚Stuttgart Street Art‘ dabei und super zufrieden – es war tolles Publikum da, das Wetter ist perfekt.“ Der plötzliche Temperaturanstieg hat die Stuttgarter also nicht abgeschreckt sich in die Innenstadt zu begeben. An ein Highlight des Tages erinnert sich das Fellbacher Duo, das quasi eine lebende Jukebox betriebt, bei der das Publikum die Songauswahl trifft, besonders: „Es kam ein Junggesellinnenabschied mit bester Laune vorbei, bei dem die künftige Braut die Aufgabe von ihren Brautjungfern bekommen hatte, sich einen Song von einem Straßenmusiker zu wünschen.“

Das passte wie die Faust aufs Auge. „Sie hat sich ‚Wonderwall‘ von Oasis gewünscht und die ganze Gruppe hat’s gefeiert und mitgesungen“, erinnert sich Vogt schmunzelnd.

Auch Ben Reichert, Singer-Songwriter aus Freiburg, der für die vierte Station am Herzog-Christoph-Denkmal am Rande des Schlossplatzes verantwortlich war, hat nur Gutes zu berichten: „Der Platz hier am Rande des Schlossplatzes ist natürlich super für viel Laufpublikum gewesen, ich bin auch sehr zufrieden mit der Organisation des Festes“, lobt er die City Initiative Stuttgart, die hinter dem Festival steckt. Anlässlich des Weindorfs wird der Musiker wieder in Stuttgart sein und freut sich, den Kessel dann wieder sehen und entertainen zu können. Ein Publikumsgrüppchen ist ihm übrigens besonders in Erinnerung geblieben: „Es war ein Junggesellinnenabschied bei mir, der getanzt und gefeiert hat!“

Alles Gute zur Hochzeit

Auf und um den Schlossplatz haben die Organisatoren insbesondere Showacts platziert, die zum Staunen anregen. So etwa die Breakdance-Truppe „Floor Legendz“, um die sich – kaum war der erste Beat angespielt – eine große Menschenmenge bildete. Die jungen Tänzer animierten das Publikum lauthals, Beine flogen gekonnt durch die Luft, Smartphonekameras wurden gezückt.

Nebenan zeigte das Duo von „Feuerwer“ (ohne H), umringt von viel jungem wie altem Publikum an einem ausrangierten Feuerwehrauto Akrobatik und Artistik in schwindelerregender Höhe. „Das war ein toller Saisonauftakt“, freut sich Showkünstlerin Malina Kraft. Seit 2019 tourt die „Feuerwer“ bereits quer durch Land, hat schon im Circus Roncalli und Krystallpalast Varieté Leipzig performt. „Nur, dass hier auf dem Schlossplatz so viel gleichzeitig los war, war für unsere Konzentration bei den artistischen Darbietungen ein wenig herausfordernd“, gibt sie zu und spielt damit vermutlich auf den Bühnenwagen der Freien Christen Gemeinde Joschua direkt nebenan an. Der gehörte zwar nicht zum „Stuttgart Street Art“-Festival, überschallte aber dafür lauthals mit „Jesus wird dich finden“-Rufen die Nummer von Malina Kraft und ihrem Compagnon Christian Stern.

Hip-Hop und Rap auf dem Schlossplatz

Wer sich am Abend noch auf dem Schlossplatz aufhält, wird außerdem Zeuge eines besonderen Projekts aus Stuttgart, über das wir in der Vergangenheit bereits berichtet haben: 0711benztownstorys. Das von Brian Lauer ins Leben gerufene Kollektiv aus jungen Menschen veranstaltet regelmäßig offene Rap-Sessions auf dem Schlossplatz, bei denen sie die Musikbox, Moderation und Social-Media-Support stellen und Menschen aus dem Publikum Freestyle singen oder rappen dürfen. So auch diesen Samstag von 19 bis 22 Uhr im Rahmen von „Stuttgart Street Art“ bei den Treppen neben dem Kunstmuseum.