Solche Graffiti werden in Stuttgart und Umgebung bald häufiger zu sehen sein. Foto: Deutsche Bahn

Immer wieder hat die Deutsche Bahn Probleme mit illegalen Graffiti. Dem möchte Bahnhofmanager Nikolaus Hebding in Stuttgart und Umgebung nun entgegenwirken, indem er den Sprayern Flächen zur Verfügung stellt. Das zeige Wirkung.

Stuttgart - Bei Graffiti ist es ähnlich wie bei Stuttgart 21 – die einen sind davon total begeistert, die anderen verabscheuen es. Mittlerweile scheint es jedoch so, dass Erstgenanntes beim Großteil der Gesellschaft akzeptiert wird. Sogar in Museen werden Kunstwerke von Street-Art-Künstlern – wie aktuell Banksy in der Staatsgalerie, ausgestellt. „Wenn er auf Flächen der Deutschen Bahn sprayen würde, würde ich dieses Schild darunter hängen: ‚We are proud about Banksy visiting our station’ – ‚Wir sind stolz über Banksys Besuch an einer unsere Haltestellen’“, sagt Bahnhofsmanager Nikolaus Hebding.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der britische Street-Art Künstler im Kessel vorbeischaut, ist eher gering. Aber auch in Stuttgart gibt es einige Künstler. Ein Beispiel ist Chris Ganter alias Jeroo. Er und andere Künstler dürfen nun an ausgewählten Stellen der Deutschen Bahn legal sprühen. Das Projekt heißt „Bahnhof.Wand.Kunst“, die Idee dazu stammt von Hebding. „Für mich ist es aber wichtig, nicht von Graffiti zu sprechen, das ist Sachbeschädigung, sondern von Auftragskunst.“ Der Sprayer habe alle Freiheiten und werde bezahlt, müsse aber seine Entwürfe vorher absprechen. Das geschehe immer in enger Zusammenarbeit mit den Bezirken und Kommunen. Denn auch vor Ort soll eine Akzeptanz für das Kunstwerk entstehen.

Vorbild ist ein Street-Art Projekt in Mannheim

Vorbild für Nikolaus Hebdings Idee ist die Open Art Gallery „Stadt.Wand.Kunst“ in Mannheim. Dort bemalen seit 2013 nationale und internationale Street-Art-Künstler Häuserflächen. Diese Wandflächen werden in der Graffiti-Szene als „Murals“ bezeichnet. Einige sind auch an Haltestellen in Stuttgart und Umgebung zu sehen – wie zum Beispiel in der Weinstadt Endersbach. Vögel und Blumen auf grünem Hintergrund machen die Unterführung dort nun freundlicher. Das Thema für das Kunstwerk sei in Anlehnung an die kommunale Gartenschau 2019 im Auftrag der Kommune Weinstadt entstanden.

Die Kunstwerke am Stuttgarter Bahnhof Nord und an der Haltestelle Sommerrain sind von dem Stuttgarter Künstler Jeroo gestaltet. Weitere Bahnhofsverschönerungen gibt es in der Unterführung in Waiblingen, bei der Nürnberger Straße und in Beutelsbach.

Hebding plant weitere Flächen freizugeben. „Ich will gerne weitermachen und habe daraus ein Projekt für unsere Azubis gemacht.“ Kaufleute in der Ausbildung für den Verkehrsservice sollen Infotafeln über die Künstler aufsetzen und Sponsoren für die Wände suchen.

Bunte Wandgemälde sollen Schmierereien verhindern

Nicht nur mit Institutionen möchte der Bahnhofsmanager zusammenarbeiten, Anregungen für neue Flächen bekommt er auch von dem Stuttgarter Graffiti-Beauftragten Florian Schupp. Über ihn laufe zudem die Koordination der Sprayer. „Unser Ziel ist durch unterschiedliche Künstler, Vielfalt zu erreichen“, sagt Hebding. Bisher habe er positive Resonanz von den Menschen bekommen. Auch seien die Wände nicht mehr großflächig beschmiert worden.

Die Kosten für die Graffitibeseitigung liegen laut der Deutschen Bahn im Jahr 2018 bei 13 Millionen Euro. Der Bahnhofmanager wisse zwar, dass er dieser Beschädigung nicht komplett entgegenwirken kann. Aber nach seiner These werden aufwendig gestaltete Kunstwerke weniger verunstaltet. Sie seien nicht nur ein Mehrwert für die Menschen, sondern auch positiv für das Image der Stadt. Wer weiß, vielleicht verewigt sich Banksy doch noch im Kessel.

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