Aktuellen Studien zufolge ist der Anstieg der tödlichen Unfälle im Straßenverkehr auf die Ablenkung durch Smartphones zurückzuführen. Foto: dpa

Smartphones sind in Verdacht geraten, hinter dem jüngsten Anstieg tödlicher Unfälle im Straßenverkehr zu stecken. Die Polizei geht nun gegen das Liken, Sharen, Simsen, Filmen und Lesen am Steuer vor - mit Aufklärung.

Düsseldorf - Der 14 Meter lange, schwarze Teppich markiert die Todeszone. In ihr sind - als Pappkameraden - eine alte Dame mit Rollator, ein Skater, ein kleines Kind und ein Hund platziert. 14 Meter - so viel legt ein Auto bei Tempo 50 pro Sekunde zurück. So lange dauert ein kurzer Blick auf das Smartphone. Und bei dieser Geschwindigkeit sind Kollisionen für Fußgänger in aller Regel tödlich. Des Autofahrers Griff zum Smartphone ist ins Visier der Polizei geraten. Experten machen die digitalen Verführer sogar für den Anstieg der Verkehrstoten verantwortlich.

Die Polizei hat am Freitag in Düsseldorf zusammen mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat eine Aufklärungskampagne gestartet. Auf Bildschirmen werden Unfallwracks gezeigt, denen eines gemein ist: Unfallursache Ablenkung durch Smartphone am Steuer.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) berichtet von einer jungen Autofahrerin, die unlängst mit ihrem Wagen auf einer Landstraße in den Gegenverkehr geriet: Die Kollision mit einem schweren Geländewagen überlebte sie nicht. Im Wrack findet die Polizei ein Smartphone mit einer angefangenen Text-Nachricht.

Jüngste Studien zeigen, dass Smartphones Suchtpotenzial haben - am Steuer ist das ein echtes Problem. Der Verkehrsforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen warnt vor einem deutlichen Anstieg der Unfallzahlen.

300.000 der 2,4 Millionen Unfälle jährlich gingen bereits auf das Konto internetfähiger Handys, schätzt er: Besonders das Schreiben oder Lesen von WhatsApp-Nachrichten am Steuer sei ein großes Problem. Ähnlich sieht es der ADAC: Bei jedem zehnten Verkehrsunfall spiele Ablenkung inzwischen eine entscheidende Rolle.

Gefährdet sind vor allem junge Fahrer

Das Lesen und Texten am Steuer sei noch gefährlicher als das Telefonieren, sagt der NRW-Innenminister. In diesem Jahr seien allein im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen bereits etwa 100 000 Handy-Verstöße am Steuer von der Polizei geahndet worden.

Einer Dekra-Studie zufolge sind ständig drei Prozent aller Autofahrer von ihren digitalen Geräten abgelenkt. „Das ist wie eine Seuche“, sagt Jäger. Bei 234 Verkehrsunfällen stellten die Beamten Smartphones sicher, weil der Verdacht bestand, dass der Fahrer damit abgelenkt war. „Viele unterschätzen den kurzen Blick aufs Display. Keine Nachricht, kein Anruf ist so wichtig, dass man dafür ein Leben aufs Spiel setzt.“ Wer eine SMS am Steuer schreibe, reagiere wie ein Fahrer mit 1,1 Promille im Blut.

US-Studien lassen nach Angaben des Verkehrssicherheitsrates den Schluss zu, dass das Schreiben oder Lesen von Textnachrichten beim Autofahren das Unfallrisiko um mehr als das 20-Fache erhöht, Telefonieren „nur“ um das Sechsfache. Gefährdet sind vor allem junge Fahrer, die es gewohnt sind, über soziale Medien wie WhatsApp, Twitter oder Facebook zu kommunizieren.

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