Tempo 30 auf immer mehr Straßen? Die Debatte zeigt, wie politisch Verkehr ist. Im Video ordnen wir die aktuelle Diskussion ums Tempolimit in Stuttgart ein.
Wie schnell darf der Verkehr durch Stuttgart rollen? An dieser scheinbar einfachen Frage entzündet sich derzeit eine politische Grundsatzdebatte. In dieser Woche ließ sich im Stuttgarter Rathaus beobachten, wie unterschiedlich der Blick auf ein und dieselbe Stadt ausfallen kann – je nach Standpunkt. Konkret geht es darum, ob weitere Straßen auf Tempo 30 begrenzt werden sollen. Der Bund hat den Kommunen dafür neue Spielräume eröffnet.
Auf den meisten Wohnstraßen ist Tempo 30 längst Realität: Auf rund 87 Prozent gilt das Limit bereits – und das aus guten Gründen. Weniger Lärm, mehr Sicherheit, gerade in engen Straßen mit parkenden Autos.
Ob dieses Prinzip aber auch auf die großen Verkehrsachsen übertragen werden sollte, ist eine andere Frage. Dort greift das Sicherheitsargument deutlich weniger. Und wer von der „menschengerechten Stadt“ spricht, sollte nicht vergessen: Auch im Auto sitzen Menschen.
Hinter der Debatte steht zudem der politische Wunsch, die Verkehrswende voranzubringen. Das ist legitim. Doch wer Autofahrer zum Umstieg bewegen will, muss vor allem den öffentlichen Nahverkehr stärken. Genau hier liegt das Problem: Der jüngst beschlossene Nahverkehrsplan bleibt ambitionslos und bremst den Ausbau von Bus und Bahn auf Jahre hinaus. Klar ist: Wer das Autofahren unattraktiver machen will, muss attraktive Alternativen bieten. Alles andere überzeugt nicht.