Pendler verlieren Jahr für Jahr 50 bis 60 Stunden im Straßenverkehr. Besonders hoch ist die Verkehrsbelastung laut Tomtom in Stuttgart mittwochs von 17 bis 18 Uhr. Foto: dpa/Marijan Murat

Zwei Auswertungen sehen Stuttgart in der Stau-Belastung deutschlandweit ziemlich weit vorn. Es kommt aber darauf an, was man misst.

Die Stau-Belastung in Stuttgart hat sich 2024 im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. Das ergeben zwei neu erschienene Datenauswertungen der Firmen Inrix und Tomtom. Demnach stieg der Zeitverlust für Autofahrer im Vergleich zum Vorjahr von 61 auf 65 Stunden (Tomtom) beziehungsweise von 53 auf 58 Stunden (Inrix).

 

Die Unterschiede ergeben sich unter anderem, weil der Wert nicht für dieselben Straßen ermittelt wird und weil die Systeme von Inrix und Tomtom in unterschiedlichen Fahrzeugen verbaut sind. Der Zeitverlust im Straßenverkehr wird typischerweise ermittelt, indem man freie Fahrt mit den real gemessenen Zeiten und Geschwindigkeiten vergleicht.

Zehn Städte im Ranking

Aufschlussreich sind die Werte von Inrix und Tomtom im Jahresvergleich. Beide ergeben, dass der Zeitverlust auf Stuttgarts Straßen seit 2022 spürbar zugenommen hat – laut Inrix um 13 Prozent.

Den Auswertungen ist außerdem zu entnehmen, dass Autofahrer in Stuttgart im Schnitt mit 25 (Tomtom) beziehungsweise 27 Stundenkilometern (Inrix) unterwegs sind. Auf einer Strecke von zehn Kilometern bedeutet dies eine Fahrzeit von 23:30 Minuten, was laut Tomtom unter den 29 untersuchten deutschen Städten Platz acht bedeutet. Inrix sieht Stuttgart sogar auf Platz zwei. Am staureichsten Tag, dem 18. April (ein Donnerstag), brauchte man für die zehn Kilometer im Schnitt 29 Minuten.

Der Durchschnittswert ist für einzelne Autofahrer womöglich schwer greifbar. Im Vergleich mit anderen Städten weltweit wirkt es dennoch tröstlich, dass man laut Inrix etwa im italienischen Palermo nur mit knapp 15 km/h unterwegs ist. Unwesentlich schneller geht es laut Tomtom in London mit 18 km/h voran.

Was die Rankings sagen – und was nicht

Die Staurankings sind für Datenanbieter ein beliebtes Mittel, um in die Schlagzeilen zu kommen – und ein Anlass, um über Straßeninfrastruktur zu diskutieren. An sich seien die Straßen in Deutschland gut, sagte der Stauexperte Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen der dpa. Doch „wir haben nichts dafür getan, sie zu erhalten. Und das fällt uns jetzt auf die Füße.“ Laut ADAC sind „zu viele Fahrzeuge gleichzeitig unterwegs“. Es werde mehr gefahren, und Baustellen seien meistens der Grund für langsameres Vorankommen.

Der VCD Nordrhein-Westfalen kritisierte, die jährliche Staustatistik werde „gerne von interessierten Gruppen benutzt, um mehr Straßen zu fordern“. Auf den Zeitverlust an einzelnen Tagen heruntergerechnet seien 50 oder 60 Stunden pro Jahr gar nicht so viel.

Wann die Rushhour am schlimmsten ist

Die im realen Straßenverkehr ermittelten Daten werden auch von Verkehrsplanern in den Verwaltungen genutzt. Aus der Stadtverwaltung heißt es allerdings, die Verkehrsleitzentrale errechne keine Verkehrs- oder Stauanalysen auf Jahresbasis. Man habe daher keine offiziellen Vergleichswerte. Für die Verkehrssteuerung in Stuttgart nutze man neben Livedaten auch Verkehrskameras. Tomtom stellt umfangreiche Daten auch Medien zur Verfügung, darunter unserer Zeitung. Daraus lassen sich nicht zuletzt die typischen Rushhour-Zeiten ermitteln: dienstags bis donnerstags in den Morgenstunden und von 16 bis 18 Uhr sowie zusätzlich am Montagmorgen. „Besonders hoch ist die Verkehrsbelastung mittwochs zwischen 17 und 18 Uhr“, heißt es von Tomtom.

Zu einer der am meisten belasteten und staureichsten Straßen Deutschlands zählt laut Inrix die B 10 zwischen der A-81-Abfahrt und der Heilbronner Straße. Pendler verlieren hier während der Rushhour im Mittel fünf Minuten.

Weitere Daten gibt es bei Tomtom und Inrix online unter: https://www.tomtom.com/Traffic-Index und https://inrix.com/scorecard/