Tausende Zuschauer haben es sich an den drei Festivaltagen vor den zwölf Bühnen im Blühenden Barock gemütlich gemacht. Klicken Sie sich durch die Bilder. Foto:  

40 Teilnehmer, 136 Musiker und 33 000 Stimmzettel des Publikums: Auch 2019 war das Ludwigsburger Straßenmusikfestival eine bunte Mixtur aus Musik, Unterhaltung und Atmosphäre im Blühenden Barock. Am Ende gab es einen völlig unerwarteten Sieger.

Ludwigsburg - Einen überraschenderen Sieger hat das Ludwigsburger Straßenmusikfestival in den 18 Jahren seines Bestehens wohl nicht erlebt: Nicht, weil die Band mit dem ungewöhnlichen Namen Der Katze und die Hund musikalisch gesehen im Teilnehmerfeld hinten dran gewesen wäre. Eher deshalb, weil die fünfköpfige Combo, die mit Gitarre, Geige, Kontrabass, Schlagzeug und Akkordeon unterwegs ist, eigentlich gar nicht als Teilnehmer vorgesehen war.

„Wir wollten uns über Pfingsten im Keller einschließen“, sagt der Sänger Fabian Müller – „zum Proben“. Doch der krankheitsbedingte Ausfall einer anderen Band brachte Der Katze und die Hund dann ganz spontan nach Ludwigsburg – und auf Platz eins der Zuschauergunst. Ein Preisgeld und die Möglichkeit, beim Lichterzauber im August zu einem Konzert wiederzukommen, waren der Lohn.

Ein Sieger, der eigentlich gar nicht teilnehmen sollte

Mehr als 33 000 Stimmen hatten die Zuschauer in diesem Jahr abgegeben, in dem, wohl auch wegen des nicht optimalen Wetters, nicht ganz so viele den Weg ins Blüba fanden. Die, die es sich auf Picknickdecken, Isomatten oder auf dem Rasen bequem gemacht hatten, erlebten aber ein abwechslungsreicheres Festivals als je zuvor, standen in diesem Jahr doch besonders viele Bands und Künstler auf den zwölf Bühnen im Park rund um das Schloss, die noch nie in Ludwigsburg aufgetreten waren. Ausgewählt wurden sie aus mehr als 400 Bewerbungen.

Die weiteste Anreise der Newcomer dürfte dabei die Band Kallidad hingelegt haben. Die drei Jungs aus Australien spielen eine Mischung aus Mariachi, Flamenco, Rock und Metal auf zwei spanischen Gitarren und einer Cajon. Das unübersehbare Markenzeichen des Trios, das in seiner Heimat bereits eine beachtliche Fanbasis hat, sind seine weiß geschminkten Gesichter. Aufgemalte Totenköpfe neben dem Barockschloss: auch das macht das Straßenmusikfest möglich. Dass auch leisere Töne gut ankommen, beweist der Mann, der ein beachtliches Gepäck zwischen seinen Auftritten hin- und herwuchten musste: „Schraubenyeti“ hat „Räder ans Klavier geschraubt, um dort Lieder singen zu können, wo andere den Grill an machen“, wie er auf seiner Homepage verkündet. Und tatsächlich zerrte der Leipziger Martin Lischke ein akustisches Klavier zu den verschiedenen Bühnen quer durchs Blüba – wenn auch mit tatkräftiger Unterstützung der Veranstalter. Mit seiner Folk-Musik und deutschen Texten schaffte er es am Ende auf Platz drei im Zuschauer-Ranking.

Viele Zuschauer kommen schon seit Jahren

Im Laufe der Jahre hat sich das Straßenmusikfestival längst zu einem Art Klassentreffen an Pfingsten entwickelt, viele der Besucher sind Stammgäste und rücken entsprechend ausgerüstet mit Schirmen, Klappstühlen und Proviant an. Wesentlicher Unterschied zwischen den Profis und jenen, die spontan auf das Fest kommen: Während die einen es sich vor den besonders beliebten Bühnen bequem machen und die Künstler an sich vorüberziehen lassen, versuchen die anderen, so viele Auftritte wie möglich zu erwischen und eilen mit schnellem Schritt durch den Park. So oder so: Allein an einem Abend die ganze Vielfalt zu erfassen, ist kaum möglich. Doch im kommenden Jahr gibt es die nächste Gelegenheit.

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