im Triebschlag ist die ländliche Idylle noch erhalten – sogar die Kartoffeln werden hier noch direkt aus dem eigenen Garten geerntet. Foto: privat

Weitere Leser sind unserem Aufruf gefolgt und erzählen von ihrer Straße. Sigrid Rostan aus dem Triebschlag, Erwin Grieb und Walter Bartelmess von der Katzenbachstraße und Lilli Häfelin aus der Ifflandstraße.

Kaltental/Vaihingen - Die Resonanz auf unsere Serie, in der wir die Geschichten von Straßen erzählen, ist groß – viele Leser haben sich gemeldet und erzählt, was ihre Straße lebenswert und besonders macht. Berichten auch Sie uns kleine Anekdoten.

Immer eine Gelegenheit, Neuigkeiten auszutauschen

Zwar ist der Triebschlag in Kaltental nur eine kleine Durchgangsstraße zum Elsental, doch inzwischen hat uns von dort die dritte Rückmeldung zur Straßenserie erreicht. Sigrid Rostan freut sich am meisten, wenn in den Sommerferien die Kinder des Waldheims Sonnenwinkel munter und fröhlich durch die Straße in Richtung Dachswald ziehen. Vier Wochen lang laufen sie jeden Morgen und Abend lachend an den Häusern vorbei. „Für mich ist es dann so richtig Sommer geworden“, sagt Sigrid Rostan.

Sie hält sich am liebsten an ihrem Gartentörchen oder am Zaun auf. Denn dort bietet sich immer wieder eine Gelegenheit, um sich mit den Nachbarn zu unterhalten und Neuigkeiten auszutauschen. Ein Mitbewohner, der im Triebschlag aufgewachsen ist, erzähle immer kleine Geschichten aus der Vergangenheit. Unter anderem hatte er ihr auch von dem Viehtrieb durch den Triebschlag erzählt. Das Einzige, was Sigrid Rostan ärgert, ist der Hundekot, der vor den Gartentörchen und an den bewachsenen Straßenrändern liegt und von den Hundebesitzern nicht weg gemacht wird.

Der Name Katzenbach wurde 1297 erstmals erwähnt

Die beiden Ortshistoriker Erwin Grieb und Walter Bartelmess nehmen in ihrem Schreiben Bezug auf die Katzenbachstraße und sind der Frage nachgegangen, ob dort wirklich nur Fußballer gelebt haben, wie jüngst ein Leser meinte. Das Ergebnis ist eindeutig: die Geschichte der Straße ist vielseitiger. Die Vaihinger Kirche steht an der Ecke Pfarrhausgasse und Katzenbachstraße. Der Friedhof um die Kirche war bis 1874 in Betrieb und ging bis zur Mitte der Straße, schreiben die beiden. Im Jahr 1902 wurde sie dann bis zur Kirche zurückverlegt und ein Teil durch die Österfeldschule überbaut. Diese wurde zehn Jahre später nach Osten erweitert und die Turnhalle kam dazu.

Um die Jahrhundertwende war auf dem Gelände der Sporthalle ein Steinbruch, aus dem Pflastersteine – blaue Vaihinger – geklopft wurden. Oberhalb der Schule entstand 1884 ein Kindergarten – damals noch Kleinkinderbewahranstalt genannt. Das Gebäude wird seit 1901 von der Diakonie genutzt. Geht man die Katzenbachstraße weiter Richtung Westen, kommt man zu einem Grünstreifen, der auf Grund der Breite der Straße angelegt wurde. Heute wird er von den Jugendlichen als Spielplatz genutzt.

Nach der Kreuzung mit der Heerstraße wurden extra Wohnungen für Unteroffiziere des Panzerregiments erbaut. Der Weg führt an der amerikanischen Kaserne vorbei bis ins Katzenbachtal. Von dort aus führt ein Fußweg bis zum Katzenbacher Hof. In dessen Verkaufsurkunde wurde der Name Katzenbach im Jahr 1297 erstmals erwähnt. Der Bach, von dem die Straße vermutlich ihren Name hat, entspringt an Stuttgarts höchstem Punkt – der Bernhartshöhe – und fließt weiter Richtung Norden, am Schattengrund mündet er schließlich in die Glems.

„Hier ziehe ich nie weg, denn ich kann überall hingehen.“

Lilli Häfelin wohnt bereits seit 1939 in der Ifflandstraße und hat dort die Folgen des Zweiten Weltkriegs miterlebt. Eine ihrer Freundinnen, wurde – neben acht weiteren Personen – bei einem Bombenangriff verschüttet. Auch die Fenster und das Dach ihres Hauses wurden durch die Druckwellen der Bomben zerstört. In ihrem Haus fühlt sich Lilli Häfelin am wohlsten. Ihr Mann hat es komplett mit Efeu zuwachsen lassen. Dort nisten im Frühjahr die Vögel und im Winter klettern die Mäuse daran hinauf, um vom Vogelfutter zu naschen. Auf dem ehemaligen Garten ihrer Großmutter wurden drei Doppelhäuser erbaut, in denen Familien wohnen. Ihre Enkelin sagte einmal: „Hier ziehe ich nie weg, denn ich kann überall hingehen – Schule, Freibad, Hallenbad, Sport und zur S-Bahn und natürlich ins Stadtzentrum.“ Die Nachbarschaft findet sie sehr harmonisch, auch die amerikanischen Soldaten der Patch Barracks, die in Vaihingen stationiert sind, würden sich dort wohl fühlen .

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