Straßenfest in Stuttgart Der Standortwechsel hat sich für den Vegan Street Day bewährt

Von Ralf Recklies 

Ob der vegane Markt seine Zelte auch in Zukunft zwischen Hauptbahnhof und Milaneo aufschlagen wird, ist noch offen. Die Organisatoren von Animal Rights Watch würden die Veranstaltung dennoch gerne bis zum Budapester Platz ausweiten.

Stuttgart - Der jüngste Vegan Street Day auf dem Pariser und Stockholmer Platz ist ein voller Erfolg gewesen. Tausende Interessierte kamen auf das Areal im Schatten der Stadtbibliothek. Für die Veranstalter ist dennoch völlig offen, wo die zehnte Auflage des veganen Marktes im kommenden Jahr stattfinden wird. „Die Meinungen dazu sind sehr kontrovers“, sagt Achim Stammberger von der Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch (Ariwa), die den Vegan Street Day seit 2010 in Stuttgart veranstaltet. Der Standortwechsel des Marktes mit großem Informationsangebot auf zwei Bühnen vom Schiller- und Marktplatz in das Viertel zwischen Hauptbahnhof und Milaneo sei nicht unumstritten gewesen, so Stammberger. Das habe sich auch nach dem jüngsten Erfolg an neuem Platz nicht geändert.

Die Meinungen zum Standort gingen auseinander, obwohl es auf dem am Pfingstsonntag bespielten Areal laut Stammberger „ein großes Entwicklungspotenzial“ gibt. So könnte der Markt nach seiner Einschätzung bis zum Budapester Platz erweitert werden, vorausgesetzt die Stadt schafft auch die erforderliche Infrastruktur für die Strom- und Wasserversorgung der Marktbeschicker. Hier hätten die Organisatoren des Vegan Street Day diesmal im Vorfeld vor „einer großen Herausforderung“ gestanden.

Mehr als 60 Aussteller waren bei der neunten Auflage des Vegan Street Day mit vertreten. Deren Angebot reichte von veganen Lebensmitteln und kosmetischen Artikeln bis hin zu Textilien. Und das Gros der Teilnehmer war mit dem Verlauf des veganen Marktes rundum zufrieden. Dies nicht zuletzt, da das Wetter entgegen vieler Befürchtungen mitspielte. Doch Wetterkapriolen sind die Vegan-Street-Day-Organisatoren von Ariwa längst gewohnt: „Das Wetter war wie im letzten Jahr: erst Regen beim Aufbau und dann trocken. Und wenn die Sonne rauskommt, dann kommen die Besucher wie von Zauberhand gelenkt“, so Stammberger zufrieden.

Bis zu 30 Meter lange Schlangen

Am frühen Nachmittag herrschte denn auch Hochbetrieb auf dem Areal. Wer hungrig gekommen war, um die veganen Speisen zu probieren, musste teilweise viel Geduld mitbringen. Bis zu 30 Meter lang waren die Schlangen vor den Ständen, an denen es ein großes Spektrum an Speisen gab, die ohne alle tierischen Inhaltsstoffe zubereitet wurden. Bei dem veganen Caterer Tasty Dishes aus Bad Cannstatt, der seinen Stand am Rande des Stockholmer Platzes stehen hatte, lief es sogar so gut, dass er schon deutlich vor dem Ende der Veranstaltung ein Schild mit der Aufschrift „ausverkauft“ anbringen musste.

Von einem Riesenerfolg sprach auch Tilo Hausmann vom Promoteam des Freiburger Tofuprodukte-Herstellers Tayfun. „Wir haben hier nur unsere Produkte vorgestellt und probieren lassen, und es war immer Betrieb“, so Hausmann. Mehr als 2000 Besucher, so sein Resümee, hätten diese über den Tag hinweg getestet.

Gute Geschäfte und gute Gespräche haben auch das Geschehen am Stand von Sandy P. Peng bestimmt, die mit ihren Textilien erstmals aus dem österreichischen Bregenz nach Stuttgart gekommen war. „Das war echt super hier“, so die Designerin, die noch am Morgen bei der Fahrt zum Vegan Street Day damit gerechnet hatte, dass die Veranstaltung wegen des Wetters „regelrecht ins Wasser fallen könnte“. Doch kaum stand der Stand, war es auch schon trocken und die Besucher strömten. „Ich hätte nicht mit so vielen Besuchern gerechnet“, so Peng.

Nicht alle für den Standortwechsel

So ähnlich auch die Einschätzung von Alexander Maniev vom veganen Kollektiv Roots of Compassion aus Münster: Vielleicht hätte man am Schiller- und Marktplatz zwar etwas mehr Laufkundschaft gehabt, „doch auch dieser Platz hier hat sich bewährt“, so Maniev. Angela Leone, die mit ihrem Mann unter dem Label Be Green pflanzliche Sportnahrung vertreibt, hätte sich etwas mehr Zuspruch gewünscht. Zwar seien „einige Kunden da gewesen, die uns schon kennen.“ Im Umfeld von Rathaus und Altem Schloss, so glaubt sie, hätte man vielleicht aber doch mehr Menschen erreicht.

Zufrieden indes war Sabine Holz mit dem Verlauf. Ihre Isamee-Duschseifen, die sie in Wiernsheim in einer kleinen Manufaktur fertigt, seien gut angekommen. Was sie positiv am neuen Standort fand: „Hier gibt es deutlich weniger Parkprobleme.“

Die Besucher waren aber nicht nur vom umfangreichen Warenangebot, sondern auch von den Darbietungen und Informationsangeboten auf den beiden Bühnen angetan. Sowie von der Möglichkeit, auf einer Malwand Bilder von glücklichen Tieren anzufertigen.

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