Beim Tram-Bowling in Santa Cruz de Tenerife auf der kanarischen Insel Teneriffa mussten die Fahrer viel Feingefühl beweisen. Foto: SSB

2018 wird die Europameisterschaft der Tramfahrer anlässlich des 150-jährigen Bestehens der SSB in Stuttgart ausgetragen. Beim jüngsten Wettbewerb auf Teneriffa landete das SSB-Team auf Platz 18.

Santa Cruz de Tenerife/Stuttgart - Die baden-württembergische Landeshauptstadt wird 2018 Austragungsort einer Europameisterschaft. In der Schwabenmetropole werden Anfang Mai die besten europäischen Tramfahrer ermittelt. Die EM, bei der unter anderem Wettbewerbe wie Tram-Bowling auf dem Programm stehen, fand zuletzt in Santa Cruz de Tenerife statt. Auch ein Stuttgarter SSB-Team war dort am Start. Es belegte am Ende den 18. Platz von 24.

Das Rammen eines Gegenstandes war schwer

Tram-Bowling ist kein einfaches Spiel. Davon kann die SSB-Stadtbahnfahrerin Stefanie Hiller ein Lied singen. „Das, was ich anfangs dachte, dass es am einfachsten wäre, erwies sich letztendlich als am schwierigsten“, sagt sie mit einem Ausdruck des Bedauerns. Die seit sieben Jahren für die SSB fahrende Tram-Führerin hat mit ihrem Kollegen Georg Gunesch (54) auf Teneriffa an der Europameisterschaft der Tramfahrer teilgenommen und dort erstmals Tram-Bowling gespielt. Die Hoffnung, am Ende alle auf der Strecke positionierten Kegel mit einem durch die Bahn angestoßenen Ball umzuschmeißen, löste sich für Hiller schnell in Wohlgefallen auf. „Wenn man durch den täglichen Einsatz in den Bahnen verinnerlicht hat, auf nichts aufzufahren, dann ist es einfach schwer, einen Gegenstand zu rammen – auch wenn es sich nur um eine Bowling-Kugel aus Kunststoff handelt“, sagt die Stadtbahnfahrerin. Sie habe beim Tram-Bowling auf einer für die Wettbewerbe genutzten Straßenbahnstrecke in Santa Cruz de Teneriffe stets zu früh gebremst, um eine Kollision mit dem riesigen Ball zu verhindern. Eine solche wäre aber nötig gewesen, um die Kugel auf die Kegel zu stoßen. „Da haben die Nerven einfach nicht mitgespielt“, sagt Hiller achselzuckend und lacht. Die stete Bremsbereitschaft, die im täglichen Einsatz auf den Stadtbahnstrecken hilft, Unfälle zu vermeiden, erwies sich für sie als Hemmschuh.

Anlässlich der zum sechsten Mal ausgetragenen Tramfahrer-Europameisterschaft waren Hiller und Gunesch als Vertreter der SSB auf die Kanareninsel gereist. Im Wettbewerb mit 23 Teams aus ganz Europa stellten sie dort ihr Können als Tramfahrer in der Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife unter Beweis. Dass das SSB-Team am Ende nur Platz 18 belegte, hatte nach der Einschätzung der beiden Stuttgarter Stadtbahnfahrer zwei Gründe: Die auf Teneriffa seit zehn Jahren eingesetzten Züge sind Niederflurbahnen mit für die SSB-Stadtbahnfahrer ungewohnter Steuerungstechnik.

Im Kurvenbereich verhalten sich spanischen Züge anders

Außerdem waren die bei den Wettbewerben auf der kanarischen Insel eingesetzten Schienengefährte – im Gegensatz zu den gelben Bahnen in der Landeshauptstadt – vierteilig. „Gerade im Kurvenbereich verhalten sie sich anders als unsere Bahnen“, sagt Georg Gunesch. Dies habe dazu geführt, dass es den Stuttgartern bei einem der Wettbewerbe schwer fiel, eine Figur im Kurvenbereich so an den Gleisen zu platzieren, dass es gelang, mit möglichst geringem Abstand an der Figur vorbeizufahren ohne diese zu berühren oder sogar umzustoßen.

In fünf Einzeldisziplinen waren die Straßenbahnfahrer gefordert. „Bei den Wettbewerben ging es nicht nur ums Können, da war auch immer viel Glück dabei“, sagt Georg Gunesch. Bereits seit 26 Jahren hat er seinen Platz im Führerstand der gelben SSB-Züge. Bei den Wettbewerben gelang es Gunesch und Hiller nicht immer perfekt, die Züge an individuell festgelegten Haltepunkten mit einer Tramtür zu stoppen oder die Züge bei Tempo 30 so abzubremsen, dass ein gewisser Punkt an der Strecke nicht überfahren wurde. Die Zeit, sich auf die Niederflurfahrzeuge einzustellen, sei zu kurz gewesen, sagt Gunesch. Im Gegensatz zu manch anderen Teams hatten die Stuttgarter im Vorfeld auch nicht „trainiert“. Das Team aus Paris holte sich schließlich den Europameistertitel 2017, vor den Teams aus Berlin und Frankfurt.

Im kommenden Jahr wird die Europameisterschaft der Tramfahrer am 5. Mai in Stuttgart ausgetragen. Die SSB richten diesen Wettbewerb anlässlich des 150-jährigen Firmenbestehens aus – wohl auf dem Möhringer SSB-Areal. Die Wettbewerbe sollen dann im Rahmen eines größeren Bürgerfestes stattfinden. Bei dem Wettbewerb in ihrer Heimatstadt könnte dann das Stuttgarter Team die Nase vorn haben, glaubt Gunesch. Denn die wenigsten Nahverkehrsgesellschaften in Europa setzten heute noch Fahrzeuge der Bauart ein, wie sie in der Landeshauptstadt verkehren. „Dann müssen die Anderen mit unseren Bahnen zurechtkommen“, so Gunesch.

Trotz des nicht gerade optimalen Ergebnisses, dass Stefanie Hiller und Georg Gunesch erzielten, fühlten sie sich auf Teneriffa bisweilen wie Stars. Der Wettbewerb sei von vielen Leuten verfolgt und von zahlreichen Medien begleitet worden. „Es war ein tolles Erlebnis“, sagen die beiden SSB-Vertreter. Begleitet wurden die Stuttgarter Tramfahrer von Wolfgang Arnold, dem Technischen Vorstand der SSB. Arnold war aber nicht nur als Zuschauer und zur Unterstützung des Stuttgarter Teams dabei. Der SSB-Vorstandssprecher übernahm auf der Kanareninsel am Ende des Wettbewerbs den Tram-EM-Staffelstab und brachte diesen nach Stuttgart – freilich nicht auf Schienen sondern per Flugzeug.

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