Kaputte Straßen findet man allerorten. Und allerorten fehlt es am Geld, am Personal – und manchmal auch an der Abstimmung, um sie zu reparieren.
Ob man durch die Wagnerstraße in Reichenbach fährt, durch die Plochinger Straße in Wernau oder die Johanniterstraße in Plochingen: Es hoppelt und holpert. Diese Beispiele könnten mühelos um viele weitere ergänzt werden, denn der Straßenzustand ist generell nicht der beste.
„Von sehr gut bis zum Gegenteil“ stuft der Reichenbacher Hauptamtsleiter Siegfried Häußermann die Gemeindestraßen ein. Das weiß man ziemlich genau, denn in Reichenbach ist ein neues Tool namens Vialytics im Einsatz, mit dem der Straßenzustand im Drüberfahren erfasst wird. Das System besteht aus einem speziellen Handy und einer Software, die die Schäden automatisch dokumentiert und klassifiziert und somit das Management erleichtert. „Damit machen wir sehr schnell eine Bestandsaufnahme aller Straßen in Reichenbach“, sagt Reinhard Metz, der seit Jahresanfang neuer Reichenbacher Bauamtsleiter ist. „Das spart uns unglaublich viel Zeit.“ Geld herbeizaubern kann das neue System allerdings nicht. Und Geld ist knapp. So muss die Gemeinde nicht nur im Straßenbau selbst Prioritäten setzen, sondern auch in der Abwägung mit anderen Aufgaben. Das hat Bürgermeister Bernhard Richter angedeutet, als er bei seiner Amtseinsetzung über das Freibad im Grünen sprach. Dieses sei den Menschen wichtig, aber es koste eben auch Jahr für Jahr Geld, das an anderer Stelle fehlt.
Auf Provisorien wird möglichst verzichtet
Provisorisches Flicken versuchen die Kommunen zu vermeiden, stattdessen sollen Straßen möglichst grundlegend erneuert werden, wenn dort ohnehin wegen Leitungs- oder Kanalarbeiten aufgegraben wird. Das erfordert die Abstimmung mit den verschiedenen Beteiligten wie der Netze BW oder der Telekom. Wobei vor allem Letztere nicht zuverlässig kooperiere, wie aus verschiedenen Bauämtern zu hören ist. Da könne schon mal vorkommen, dass eine erst kurz zuvor komplett sanierte Straße oder ein Gehweg wieder aufgebaggert werde.
Auch in Plochingen versuche man Maßnahmen zu bündeln und dort anzusetzen, wo neue Kabel gebraucht werden oder Schäden an Gas- oder Wasserleitungen vorliegen, sagt Joachim Kohler, der Leiter des Tiefbauamts. Der Mühlhaldenweg wird derzeit grundlegend erneuert, die Neugestaltung und Sanierung der Bahnhofstraße soll demnächst beginnen. Dass nur oberflächlich repariert wird, wie in der unteren Marquardtstraße, ist die Ausnahme und hat damit zu tun, dass dort die grundlegende Sanierung im Zusammenhang mit dem Burgplatz erfolgen soll – was voraussichtlich noch länger dauert. Die Plochinger Straßen seien „nicht besser und nicht schlechter als anderswo“, sagt Kohler diplomatisch auf die Frage, welche Schulnote er für ihren Zustand vergeben würde. Jedenfalls sei man in Sachen Straßensanierungen die nächsten 20 Jahre sicher „noch gut ausgelastet“. Zudem spielt auch die Personalknappheit eine Rolle, teilweise bleiben Stellen in den Bauämtern längere Zeit unbesetzt.
Der Stadtbaumeister Patrick Klein vergibt für die Wernauer Straßen eine Durchschnittsnote von befriedigend. Sie seien nicht alle im Top-Zustand, aber alles in allem „gut aufgestellt“. In diesem und in den kommenden zwei Jahren stehen die Marienstraße und die Junkerstraße zur Sanierung an. Die Bergstraße, die Johannesstraße und die Ulrichstraße wurden bereits grundlegend erneuert. Auch hier ist KI im Einsatz, um den Straßenzustand zu ermitteln und ein neues Sanierungskonzept auf die Beine zu stellen.