China schlägt im Handelsstreit mit den USA zurück. Statt einer Zollsenkung wird es höhere Zölle auf US-Importe geben. Foto: dpa

Im Wettstreit der Strafzölle geht China gegen die USA wohl als Sieger hervor, was die Autobranche angeht. Die einheimischen Hersteller könnten ebenso profitieren wie die deutschen Premiummarken.

Peking/Stuttgart - Der Handelskrieg, den Donald Trump derzeit mit China anfängt, droht den Interessen der US-Autobranche in China massiv zu schaden. Denn zu den Produkten, auf die China nun im Gegenschlag Zölle verhängt, gehören auch bestimmte Fahrzeuge wie Elektroautos sowie Autoteile. In der nächsten Runde könnte die Belastung dann auf breiter Front steigen. Dazu kommt ein möglicher Image-Verlust für amerikanische Marken.

China hatte Ende Mai zwar eine Senkung von Auto-Zöllen ab 1. Juli angekündigt. Doch damals hatten sich Unterhändler aus Peking und Washington gerade auf einen Kompromiss geeinigt, der Präsident Xi Jinping zu mehreren Zeichen guten Willens motiviert hat. Doch Trump hat das Abkommen in der vergangenen Woche aus chinesischer Sicht gebrochen, indem er eine Liste von neuen Zöllen bekanntgegeben hat. Derzeit eskaliert er den Konflikt noch, indem er von weiteren Strafen spricht. Aus Pekinger Sicht ist das Angebot einer Zollsenkung damit vom Tisch. Im Gegenteil: China muss jetzt Vergeltung üben, um nicht schwach dazustehen.

China ist der größte Automobilmarkt der Welt

Die Handelsbeziehungen zwischen den USA und China in der Autoindustrie sind stark unsymmetrisch. Während China insgesamt mehr nach Amerika ausführt, als es einführt, sieht die Lage bei den Kraftfahrzeugen umgekehrt aus. China ist hier der größte Markt der Welt, während chinesische Marken in den entwickelten Ländern bisher kaum eine Rolle spielen. In China finden jährlich knapp 30 Millionen Autos einen Käufer, in den USA sind es 17 Millionen.

Amerikanische Anbieter lieferten dementsprechend im vergangenen Jahr knapp 300 000 Autos nach China, umgekehrt waren es nur 55 000. Da die ausländischen Hersteller vor allem hochpreisige Modelle auf den chinesischen Markt einführen, liegt die Statistik nach Wert noch weiter auseinander. Den Löwenanteil der in China verkauften US-Marken produzieren die Firmen wie GM und Ford allerdings vor Ort – genau wie die deutschen Hersteller. Viele Modelle enthalten allerdings noch importierte Teile.

Eine Eskalation des Handelskriegs würde also die Amerikaner stärker treffen, indem ihre Produkte auf dem wichtigsten Markt der Welt teurer werden. Davon wiederum würden deutsche Marken potenziell profitieren. So richtig freuen will sich darüber bei den Anbietern allerdings niemand. Die Lage sei zu unübersichtlich, klagt ein Manager. Trump könne den deutschen Interessen in Nordamerika noch empfindlich schaden. Klar sei dagegen, dass deutsche Modelle in China weiterhin schwer beliebt seien. Mit chinesischen Sanktionen gegen deutsche Autofirmen sei derzeit nicht zu rechnen. Im Gegenteil: Die Zollsenkung für Autos gilt für europäische Anbieter weiter. Der wahrscheinliche Rückzieher betrifft nur die Amerikaner.

Die deutsche Automobilbranche gibt sich kämpferisch

Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), zeigte sich am Mittwoch bei der Eröffnung des Handelskongresses Global Connect in Stuttgart bei einer Podiumsdiskussion auch bezüglich der Chancen der deutschen Autoindustrie in den USA kämpferisch. Nur wegen Strafzöllen schreiben wir den US-amerikanischen Markt nicht ab“, so Mattes. „Ich bin sicher, dass sich die deutsche Automobilindustrie auch in Zukunft behaupten wird. Wir treten für einen barrierefreien, fairen Handel ein.“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann betonte auch die Bedeutung des heimischen Marktes. Von den USA verhängte Strafzölle auf deutsche Automobile würden gerade Baden-Württemberg treffen, daher sei es umso wichtiger, dass verspieltes Vertrauen auch im Inland aktiv zurückgewonnen und noch stärker in Innovation, Forschung und Entwicklung investiert werde, so Kretschmann.

Die Hauptprofiteure im US-chinesischen Handelskrieg sind damit chinesische Hersteller wie Chery, BYD, Geely oder SAIC, die schon lange darauf aus sind, die Ausländer in ihrem Heimatmarkt zurückzudrängen. Zuletzt haben sie technisch schnell aufgeholt und vor allem im Wachstumssegment der Elektromobilität große Sprünge gemacht. Zuletzt hat ihnen auch der chinesische Patriotismus genützt: Immer mehr Verbraucher sind stolz darauf, wie gut die Autos „Made in China“ geworden sind und wählen ein einheimisches Modell. Wenn Trump die Chinesen ernsthaft verärgert, könnte es ihnen neben den Zöllen auch der Nationalstolz schwerer machen, ein amerikanisches Auto zu wählen.

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