Die Politik der Europäischen Zentralbank hat bisweilen erstaunliche Auswirkungen. Foto: dpa

Die EZB-Politik führt dazu, dass deutsche Banken Geld bei klammen Konkurrenten anlegen. Die kassieren dafür Verwahrentgelte. Ein interessantes Geschäftsmodell auch für Privatleute, meint Wirtschaftsredakteurin Barbara Schäder.

Frankfurt - Die Minuszinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) kosten die deutschen Banken jährlich rund zwei Milliarden Euro. Doch was des einen Leid, ist des anderen Freud: Einige Geldhäuser in Südeuropa verdienen sich offenbar ein Zubrot dadurch, dass sie den Kollegen aus Nordeuropa bei der Vermeidung von Strafzinsen helfen. Konkret: Sie bieten der Konkurrenz einen vergleichsweise günstigen Parkplatz für ihr Geld an.

Auf dieses Phänomen wies jetzt der Chefvolkswirt der Vermögensverwaltungsgesellschaft Assenagon, Martin Hüfner, hin. Die in der Eurokrise weitgehend versiegten Kapitalströme aus Deutschland gen Süden kämen wieder in Gang, schrieb Hüfner in seinem Wochenkommentar. Grund dafür sei die Flucht der deuschen Banken vor Strafzinsen.

Die Minuszinsen treffen vor allem Banken in Nordeuropa

Der Hintergrund: Die EZB verlangt auf Einlagen, die die Geschäftsbanken bei ihr parken, einen Strafzins von 0,5 Prozent. Dieser greift neuerdings allerdings erst oberhalb eines Freibetrags, der rund sechs Prozent der Kundeneinlagen eines jeden Instituts entspricht.

Für viele deutsche Banken reicht dieser Freibetrag nicht aus. Weil die Spareinlagen ihrer Kunden das Volumen der ausgereichten Kredite deutlich übertreffen, sitzen sie nämlich auf hohen Überschüssen.

Es gibt aber auch Kreditinstitute, die ihren Freibetrag gar nicht ausschöpfen – vornehmlich in Südeuropa. Die bieten die freien Parklücken auf ihrem EZB-Konto nun Banken aus Deutschland und anderen Eurostaaten an, die unter Anlagenotstand leiden. Kostenlos ist dieser Service natürlich nicht – aber immer noch günstiger als die Strafzinsen der EZB.

Ein Geschäftsmodell, das auch für Privatleute interessant sein könnte. Schließlich geben die meisten Banken und Sparkassen die Strafzinsen nur an Sparer mit großen Guthaben weiter, die Schwelle liegt je nach Institut bei 100 000 Euro oder höher. Auf Einlagen, die darüber hinausgehen, müssen die armen Reichen „Verwahrentgelte“ entrichten. Denen könnte man als Kleinsparer ja aushelfen. Auf meinem Konto wäre jedenfalls noch Platz.

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