Silvia S. fehlte ein Jahrzehnt lang bei der Arbeit ohne aufzufallen - Nun droht ihr eine Strafe.

Bologna - Der Spitzname von Silvia S. ist inzwischen in ganz Italien bekannt: das Gespenst von Sankt Ursula. Die 44-Jährige hält einen zweifelhaften Rekord. In neun Jahren war sie nur sechs Tage an ihrem Arbeitsplatz. Die übrige Zeit war Silvia S. daheim oder beim Einkaufen oder in den Ferien oder sonst wo. An ihrem Arbeitsplatz, dem städtischen Krankenhaus Sant'Orsola in Bologna, war sie fast nie.

Die meisten ihrer Kollegen können sich nicht daran erinnern, die Frau jemals gesehen zu haben. Und doch war sie offiziell präsent, jedenfalls in den Listen der fest angestellten Krankenhausmitarbeiter. Ein Gespenst eben. Die Polizei deckte den Fall auf.

Silvia S. hat seit 2002 in dem Krankenhaus gearbeitet, zumindest offiziell

Silvia S., verheiratet und Mutter einer zehnjährigen Tochter, erhielt im Jahr 2002 im Krankenhaus Sant'Orsola einen Arbeitsplatz als sozio-sanitäre Hilfskraft. Im gleichen Jahr war sie nur zwei Tage an ihrem Arbeitsplatz anwesend. Im Jahr 2004 waren es vier Tage. Die übrige Zeit war sie abwesend. Offiziell hieß es: "krankgeschrieben".

Die Verwaltung des Krankenhauses störte sich bis jetzt nicht am chronischen Krankfeiern ihrer Angestellten. Silvia S. ließ sich immer neue Gründe für ihre Abwesenheit einfallen. "Eine wahre Lügenmeisterin", sagte ein Sprecher der Polizei. Im Krankenhaus ging man bis vor kurzem davon aus, dass Silvia S. Mutter dreier Kinder sei. Denn während ihrer Arbeitszeit war sie in zwei Fällen wegen Schwangerschaft von der Arbeit freigestellt. Auch legte die Frau immer wieder ärztliche Gutachten vor. Permanent war sie wegen Krankheiten als arbeitsunfähig eingestuft worden.

Behörden wollen ermitteln, wer mit der Frau unter einer Decke steckte

Silvia S. log auch in anderen Fällen. Sie gab bei Behörden immer wieder an, in dem Krankenhaus als Psychologin zu arbeiten und einen akademischen Titel in Psychologie zu besitzen. Inzwischen steht sie unter Hausarrest. Die Polizei stieß beim Durchsuchen ihrer Wohnung auf viele gefälschte Dokumente.

Jetzt wollen die ermittelnden Behörden herausfinden, wer mit Silvia S. unter einer Decke steckte. Denn auch wenn sie zahlreiche ärztliche Bescheinigungen fälschte, ist die Polizei davon überzeugt, dass einige Mediziner der Frau halfen.

Auch das Verhalten der Krankenhausverwaltung wirft Fragen auf. Etwa, wie es sein kann, dass dort erst nach neun Jahren das lange Fehlen der Hilfskraft auffiel. Silvia S. wird wohl ein hohes Strafgeld für ihr unerlaubtes Fernbleiben vom Arbeitsplatz zahlen müssen. Von über 100.000 Euro ist die Rede. Dazu kommt eine Geld- oder Haftstrafe.

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