Bürgermeister Delakos verspricht sich von den Verhandlungen vor allem Antworten. Foto:  

Holzgerlingen und Ehningen beginnen zu verhandeln – ohne Böblingen. In die Richtung des größeren Nachbarn hat Holzgerlingens Bürgermeister Ioannis Delakos eine klare Botschaft.

Die Planungen für einen möglichen interkommunalen Windpark zwischen Maurener Tal und B464 schreiten voran. Allerdings längst nicht mehr so einig, wie es zumindest eine Zeit lang aussah. Böblingen hat sich im November vorerst aus dem Prozess ausgeklinkt. In Ehningen fand die Entscheidung, weiterzumachen, nur eine knappe Mehrheit. Ganz anders in Holzgerlingen. Dort war der Gemeinderat einstimmig dafür, Pachtverhandlungen mit dem Bieterkonsortium aufzunehmen. Auch von großen Protesten ist dort nichts bekannt.

 

Eine Erklärung, wieso es in seiner Stadt so ruhig bleibt, hat Bürgermeister Ioannis Delakos (parteilos) nicht. Er versteht aber auch die Aufregung nicht so recht. „Denn wir haben bislang noch gar nichts beschlossen.“ Stattdessen habe man sich Mitte 2023 auf ein transparentes Verfahren geeinigt und bislang alle angekündigten Vereinbarungen eingehalten. „Ich bin froh, dass wir in Holzgerlingen den Weg so geschlossen gehen.“ Er sieht die Einigkeit im Rat als wichtiges Zeichen an die Bürgerinnen und Bürger.

Delakos verteidigt den Prozess Den eingeschlagenen Weg verteidigt er, obwohl ihm kritischen Stimmen, warum im dicht besiedelten Kreis Böblingen und dann auch noch im Wald, Windräder stehen sollen, natürlich bekannt sind. „Wir haben von Bund und Land eine Aufgabe bekommen und müssen sie erledigen.“ Außerdem finde er es nicht fair, zu sagen, die Windräder sollten woanders hin. Den Standort zumindest zu prüfen, hält er deshalb für geboten. „Wer braucht denn die Energie?“, fragt er mit Blick auf den wirtschaftsstarken Kreis Böblingen. „Es ist gerechtfertigt, die Energie, die wir brauchen, auch bei uns zu erzeugen.“

Noch vor Beginn des Prozesses habe er den Holzgerlinger Förster gebeten, die Waldflächen anzuschauen. Das Ergebnis: „Wir haben dort nicht den hochwertigsten Baumbestand, das ist ein Wirtschaftswald“, sagt Delakos. Zwar gebe es Bereiche, die geschont werden sollten, aber das sei Aufgabe der Projektierer, genau so etwas zu berücksichtigen.

Die Entscheidung, Pachtverhandlungen aufzunehmen, sieht Delakos vor allem als Chance, alle Fragen zu beantworten: „Wie viel Strom produzieren die Windräder? Wie viel Waldfläche wird benötigt? Welche Waldfläche? Wie sieht es mit der Zuwegung aus und wie mit dem konkreten Layout?“, zählt er als Beispiele auf. „Vielleicht entscheiden wir dann am Ende auch, die Fläche nicht zu verpachten.“

Dialoggruppe gebildet Diesen Donnerstag trifft sich zum ersten Mal eine Dialoggruppe. Ziel soll sein, verschiedenen Positionen und Sachverhalte vertraulich zu diskutieren. Sie setzt sich aus Ehninger und Holzgerlinger Gemeinderäten sowie befürwortenden und kritischen Bürgerinitiativen aus beiden Kommunen zusammen.

Einen Sitz habe man in Holzgerlingen dem Jugendgemeinderat überlassen, sagt Delakos. „Das ist ein Projekt, das in die Zukunft wirken soll und da ist es mehr als gerechtfertigt, die Jugend anzuhören.“ Insgesamt seien vier Treffen der Dialoggruppe und auch ein Waldspaziergang zu den möglichen Windradstandorten geplant. „Es ist mir wichtig, meine Gemeinderäte in die Lage zu versetzen, eine wirklich fundierte Entscheidung zu treffen.“ Parallel zur Dialoggruppe starten laut Delakos die Vertragsverhandlungen mit dem Bieterkonsortium.

Böblingens Ausstieg und die Folgen Der Böblinger Gemeinderat hatte im November entschieden, die Verhandlungen erst aufzunehmen, wenn bestimmte Dinge geklärt sind. Dazu zählt unter anderem die Frage, ob der Verband Region Stuttgart die Fläche BB-14 als Vorranggebiet ausweist. Eine Entscheidung darüber trifft die Regionalversammlung voraussichtlich im Frühjahr.

Mit dem vorläufigen Rückzug Böblingens mussten die Projektierer die Karten neu mischen. Auf die Teilnahme der Stadtwerke Böblingen, die zum Bieterkonsortium gehören, wirkt ich der Rückzug zwar nicht aus, wohl aber auf das Layout des Windparks. Die Projektierer hätten es entsprechend angepasst und die Böblinger Gemarkung herausgenommen, so Delakos. Dadurch könnte sich auch die Anzahl der möglichen Windräder verringern. Denn ob ohne Böblingens Anteil Platz für sechs Windräder ist, sei zweifelhaft.

Irgendwann ist die Tür zu So sehr Delakos den gemeinsamen Weg mit allen drei Kommunen bevorzugt, stellt er für Holzgerlingen klar: „Wir haben gesagt, notfalls lassen wir auch nur unsere Fläche prüfen.“ In Richtung Böblingen verliert er klare Worte. „Böblingen steht die Tür offen. Allerdings schließt sie sich mit jeder Verhandlungsrunde weiter.“ Man werde in drei Monaten nicht wieder von ganz vorne anfangen, sollte Böblingen doch bereit sein.

Dann könnte es laut Delakos sogar schon zu spät sein. „Wenn wir den Zeitplan, Stand heute, so einhalten, werden wir kurz vor der Sommerpause einen Entschluss fassen – vorbehaltlich der Entscheidung des Regionalverbands.“ Bis es soweit ist, soll es – unterstützt von der Dialoggruppe – erneut Informationsveranstaltungen in Holzgerlingen und Ehningen geben. Die sich auch an Bürger umliegender Kommunen richten. Ein erster Termin ist für März geplant.

Zum Windpark-Projekt

Das Gebiet
 Die Fläche BB-14, die der Regionalverband Stuttgart als mögliches Vorranggebiet vorgeschlagen hat, ist 179 Hektar groß, knapp die Hälfte davon befinden sich auf Böblinger Gemarkungen. Die Fläche liegt zwischen Maurener Tal und B 464 und gehört den Kommunen.

Das Bieterkonsortium
 Die Stadtwerke Stuttgart, die Stadtwerke Böblingen und die Firma Sowitec aus Sonnenbühl (Kreis Reutlingen) konnten mit ihrem Konzept am meisten überzeugen. Mit diesen führen Holzgerlingen und Ehningen nun die Verhandlungen. Mehr im Internet unter www.windenergie-bb14.de