Schülerinnen und Schüler aus der Gustav-Werner-Schule erinnerten daran, dass jeder Mensch das Recht auf Leben hat. Foto: Winfried Schweikart (z)

In Zuffenhausen sind zum zwölften Mal Stolpersteine verlegt worden. Sie erinnern an Gertrud Schäfer und Julius Wertheimer, die von den Nazis ermordet wurden. Bei der Verlegung waren auch Kinder aus der Bertha-von-Suttner-Realschule und der Gustav-Werner-Schule dabei.

Zuffenhausen - Bei der zwölften Stolpersteinverlegung für Opfer des nationalsozialistischen Regimes waren vor kurzem Schülerinnen und Schüler der Bertha-von-Suttner-Realschule und der Gustav-Werner-Schule mit Beiträgen beteiligt. Ebenfalls anwesend waren Mitglieder der Geschäftsleitung und des Betriebsrats der Firma Porsche sowie viele Bürger. Verlegt wurden die Steine vom Kölner Künstler Gunter Demnig. Stolpersteine sind kleine Pflastersteine aus Messing. Mittlerweile gibt es sie in mehr als 1000 Orten Deutschlands und in 20 europäischen Ländern.

Ein Stolperstein wurde für Gertrud Schäfer, die als psychisch Kranke in Grafeneck ermordet worden war, in der Schützenbühlstraße vor einem Parkplatz der Firma Porsche gegenüber der Hausnummer 84 verlegt. Schäfers früheres Wohnhaus an der Schwieberdinger Straße hat als ehemaliges Bahnwärterhäuschen keinen richtigen Eingang mehr.

Schüler der Bertha-von-Suttner-Realschule berichteten über die Morde an psychisch Kranken und Behinderten in Grafeneck und später in psychiatrischen Anstalten. Ihren Vortrag illustrierten sie mit eindrücklichen Bildtafeln. Rike Kohlhepp trug den „Wegweiser“ und den „Leiermann“ aus der „Winterreise“ von Franz Schubert vor. Inge Möller von der Stolperstein-Initiative Zuffenhausen berichtete kurz über das Schicksal von Gertrud Schäfer. Schüler der Gustav-Werner-Schule, einer Förderschule für geistige Entwicklung, zeigten Plakate und erläuterten dazu, dass jeder Mensch lebenswert ist, jeder eine Familie und Menschen hat, die ihn liebten.

Von manchen Opfern ist heute kaum mehr etwas bekannt

Der zweite Stolperstein erinnert an Julius Wertheimer. Der Stein wurde in der Schwieberdinger Straße 142 am Eingang zum Porsche-Werk 1 verlegt. Wertheimer hatte an der Spitalwaldstraße 5, die sich mittlerweile auf dem Gelände der Firma Porsche befindet, eine Baumwollhandlung betrieben. 1941 wurde er mit dem ersten Transport Stuttgarter Juden nach Riga verschickt. Er starb bereits auf dem Transport, der unter unmenschlichen Bedingungen stattfand. Die Schüler der Bertha-von-Suttner-Realschule informierten mit Bildtafeln über die Transporte in die Vernichtungslager. Rike Kohlhepp sang die Lieder „Von guten Mächten treu und still umgeben“ von Dietrich Bonhoeffer und „Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht“. Inge Möller schilderte die wenigen Fakten, die es von Julius Wertheimer noch in den Archiven gibt. Möller berichtete auch über andere jüdische Firmeninhaber an der Schwieberdinger Straße, die alle von den Nationalsozialisten enteignet worden waren.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: