Mit einem Stolperstein wird in Schorndorf an Ludwig Guttenberger erinnert. Er und sieben weitere Mitglieder der Familie Guttenberger wurden als Sinti vom NS-Regime verfolgt und getötet.
Schorndorf - Sieben Stolpersteine erinnern in der Schorndorfer Römmelgasse seit einigen Jahren an das Schicksal der Familie Guttenberger: Vater, Mutter, einige der Kinder wurden wegen ihrer Sinti-Abstammung von den Nationalsozialisten verfolgt. Sie starben in den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald.
Am Montag wurde ein weiterer, ein achter Stein verlegt – für Ludwig Guttenberger, der am 3. Mai 1945 als Häftling auf dem von Briten bombardierten KZ-Schiff Cap Arkona zu Tode kam. Dass genau 76 Jahre später der Naturfreunde-Vorsitzende Klaus Reuster mit Blitzzement, Wasser und Spatel einen der quadratischen Gedenksteine für ihn einsetzen kann, die der Künstler Gunter Demnig gestaltet, ist der Beharrlichkeit des Heimathistorikers Eberhard Abele zu verdanken. „Er hat nicht locker gelassen, bis das Schicksal von Ludwig geklärt war“, erzählt Reuster.
Der frühe Tod eines begabten Musikers
Die Spur des zweitältesten Guttenberger-Sohns hatte sich nach einem letzten Vermerk auf einer Transportliste des Konzentrationslagers Ravensbrück verloren. Laut dieser sollte er nach Bergen-Belsen verlegt werden. „Viele Akten sind bei der Räumung der Lager vernichtet worden, um die Spuren der Verbrechen zu verwischen“, sagt Abele, der durch die Aussagen von Zeitzeugen aber zu dem Schluss kam, dass Ludwig Guttenbergers Leben auf der Cap Arkona endete. So hatten zum einen seine Geschwister davon berichtet. Zum anderen erinnerte sich der spätere KPD-Landtagsabgeordnete Julius Schätzle, der die Tragödie auf der Cap Arkona überlebt hatte, an den Schorndorfer, der gerade einmal 25 Jahre alt wurde.
Ludwig Guttenberger war mit seinen Eltern sowie den neun Brüdern und Schwestern im Herbst 1935 nach Schorndorf gezogen. Die Großfamilie war äußerst musikalisch, Verwandte von Ludwig waren 1906 mit dem Ensemble Guttenberger bei einem internationalen Musikwettbewerb aufgetreten. Ludwig wurde musikalisch ausgebildet. Er beherrschte Zimbal, Bratsche und Violine und war kurz in der Sparte Orchester- und Unterhaltungsmusiker Mitglied der Reichsmusikkammer.
Aus rassischen Gründen aus der Wehrmacht entlassen
Sein Traum vom Leben als Musiker endete jedoch 1939, als er zum Reichsarbeitsdienst eingezogen wurde und in Leonberg beim Bau der Reichsautobahn schuften musste. Er und seine Brüder Rudolf und Albert dienten in der Wehrmacht, bis sie 1941 aus rassischen Gründen entlassen wurden. Von der „Rassenhygienischen Forschungsstelle“ war die Familie bereits 1938 als Sinti und Roma erfasst worden. Ludwig gelang kurzzeitig die Flucht vor dem 1942 angeordneten Massenmord, dann jedoch wurde er am 27. Oktober 1943 verhaftet und zunächst nach Auschwitz transportiert.
„Was für eine Tragik, dass er fünf Tage vor Kriegsende sterben musste“, sagt Eberhard Abele, dem es als Lehrer wichtig ist, die Geschichte der Familie im Unterricht zu behandeln, zu zeigen, dass Verfolgung vor der Haustür stattgefunden hat. Es sei wichtig, die Menschen in den Blick zu nehmen, damit sich die Geschichte nicht wiederhole. „Es ist ein Signal, dass wir Interesse zeigen, dass wir die Hand reichen und nicht vergessen“, sagt der Oberbürgermeister Matthias Klopfer.
Für die Angehörigen ein besonderer Tag
Dieses Zeichen nehmen Angehörige der Familie Guttenberger sichtlich gerührt an. „Das ist ein besonderer Tag“, sagt ein Nachfahre. Er berichtet, dass er selbst, seine Kinder und Enkel immer noch Diskriminierung erleben würden, „obwohl wir seit dem 17. Jahrhundert in Deutschland leben“. Umso dankbarer sei er dafür, dass in Schorndorf Aufklärungsarbeit geleistet werde: „Wir können das Leid nicht ungeschehen machen. Aber wir können aufeinander zugehen.“