Haltestelle Stadtmitte: Weil der Aufzug defekt war, musste Tatjana Kleiner mit dem Kinderwagen die Rolltreppe benutzen Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Rolltreppe kaputt. Aufzug außer Betrieb: Die Behindertenbeauftragte der Stadt, Ursula Marx, fürchtet, dass der Kirchentag im Juni durch solche Pannen getrübt wird. Die Bahn hält sich hingegen für gerüstet – auch wenn sich Defekte nicht ganz ausschließen lassen.

Stuttgart - Die meisten Rolltreppen der Haltestelle Stadtmitte in Stuttgart sind bereits ausgetauscht worden. Eigentlich sollte es dort nun keine Problem mehr geben. Dennoch steht Tatjana Kleiner mit ihrem Kinderwagen hilflos an der S-Bahn-Haltestelle. Nicht die Rolltreppe, der Aufzug ist außer Betrieb. „Mit Kinderwagen darf ich die Rolltreppen nicht benutzen“, sagt die 29-Jährige. Dann packt sie Töchterchen Anna in ein Tragetuch und beförderte den leeren Kinderwagen doch über die Rolltreppe nach oben.

 

Denn im Aufsichtsraum fürs Personal war keiner, um ihr zu helfen. Am nächsten Tag funktionierte der Aufzug wieder. „Der Schaden ging auf Vandalismus zurück und war schnell behoben“, so ein Sprecher der Bahn AG. In Stuttgart und der Region stehen laut Bahn täglich rund fünf von 100 Aufzügen und 4 von 70 Rolltreppen still.

Damit hat die Bahn nach eigenen Angaben in den ersten Wochen des Jahres die Störfälle seit vergangenem Jahr von zehn auf fünf Prozent reduziert und zieht mit Stadt und Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) gleich. Deren 110 Rolltreppen und 54 Aufzügen werden vom Tiefbauamt gewartet. Außer Betrieb sind mit täglich acht bis zehn Anlagen seit jeher etwa fünf Prozent.

Ursula Marx, Behindertenbeauftragte der Stadt Stuttgart, hat so ihre Zweifel, dass tatsächlich 95 Prozent der Anlagen der Bahn funktionieren. „Nach wie vor gehen rund ein Dutzend Beschwerden pro Monat bei mir ein“, stellt sie fest – und sieht dem Evangelischen Kirchtag „mit Schrecken“ entgegen: Zu dem Großereignis (3. bis 7. Juni) werden rund 100 000 Besucher erwartet, davon rund 2500 mit Behindertenausweis.

"Die SSB repariert Rolltreppen schneller"

Ihnen und allen mit Problemen beim Gehen rät Marx, mit den SSB zu fahren. „Deren Rolltreppen und Aufzüge werden bei Störungen schneller repariert, weil die Störungen per elektronischem Meldesystem ruck, zuck in der Zentrale eingehen.“ Sowohl bei Bahn und SSB kritisiert sie, dass die Fahrgäste nicht vor dem Aussteigen auf defekte Anlagen hingewiesen werden. „Dann bestünde die Chance, eine Station weiter zufahren, in die Gegenlinie umzusteigen, zurückzufahren und die Rolltreppe vis à vis zu nehmen.“

Marx’ Kritik will die Bahn so nicht stehen lassen. „Auch ohne automatisches Meldesystem sind wir schnell vor Ort, denn wir bekommen Störungen von Polizei und Kunden umgehend gemeldet“, versichert der Bahnsprecher und räumt ein, dass es „ bei der Bahn Überlegungen gibt, ein solches System zu installieren“. Um bei Störungen an der Haltestelle Stadtmitte künftig schneller handeln zu können, sei eine Servicefirma mit der Wartung beauftragt worden.

Die Anlagen sollen bis zum Kirchentag in Schuss sein

Und: Bis zum Kirchentag sollen die meisten Rolltreppen der Haltestelle Stadtmitte erneuert sein. „Auch die Rolltreppe zur Büchsenstraße wird noch vorher ersetzt, damit die Kirchentagsbesucher Veranstaltungen in der Hospitalkirche bequem erreichen können“, verspricht die Bahn. Die Rolltreppe zur Fritz-Elsaß-Straße wird nach dem Kirchentag erneuert, damit es dort wegen der Arbeiten nicht zu Behinderungen kommt. Insgesamt investiert die Bahn in den Austausch der 14 Rolltreppen bei der Haltestelle Stadtmitte rund vier Millionen Euro

Das Tiefbauamt tauscht seit Ende 2014 bis zum Kirchentag insgesamt neun Rolltreppen aus. Die Aktion schlägt mit rund 2,2 Millionen Euro zu Buche. Ausgetauscht werde nicht wegen des Kirchentags. Doch Anlagen, die erneuert werden müssten, sollen bis zum Kirchentag in Schuss sein, sagt Silvester Koci vom Tiefbauamt.

Bei Störungen von Aufzügen und Rolltreppen rät auch die Bahn eine Station weiter zu fahren. Doch was, wenn dann der Kontrolleur kommt? „Unten am Bahnsteig ist kein Ticketautomat und hoch komm ich ja nicht“, sagt Tatjana Kleiner, die auch diese Möglichkeit in Betracht gezogen hat, als sie hilflos an der Haltestelle Stadtmitte stand. „Das kapiert jeder Fahrscheinprüfer und hat Verständnis “, versichert der Bahnsprecher.