Viele Reisende müssen sich nach Alternativen zur geplanten Route erkundigen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Nach dem Chaos am Wochenende geht es am Montagmorgen vergleichsweise ruhig zu am Stuttgarter Hauptbahnhof. Jedoch fallen noch etliche Züge aus.

„Das hätte ich mir wilder vorgestellt“, sagt Denise Schacher. Sie ist auf dem Weg zur Arbeit, ein Auswärtstermin führt sie am frühen Montagmorgen nach Karlsruhe. Auf „gut Glück“ habe sie sich darauf verlassen, dass „schon irgendwas fahren“ werde. Nicht ihre beste Idee, räumt sie ein. Aber die Ruhe im Hauptbahnhof gegen halb sieben an diesem Montag lässt sie gelassen bleiben.

Am Stuttgarter Hauptbahnhof war der gesamte Verkehr am Wochenende aus dem Takt geraten, am Samstag ging zunächst gar nichts mehr: Nach einem Oberleitungsschaden im Bereich des Hauptbahnhofs kam der Regional- und Fernverkehr vorübergehend zum Erliegen. Der Schaden trat kurz nach 11 Uhr am Samstag ein.

Bahnsprecher nennt die Lage „stabil“

In der Tat: Nach Chaos sieht es nicht aus. Ein Sprecher der Bahn bezeichnet die Lage als „stabil“. Zwar blicken schätzungsweise 90 Prozent der Reisenden, die an den Gleisen und am Querbahnsteig warten, auf ihr Handy und warten auf Aktualisierungen in der Bahn-App – und mit Kontrollblicken wieder hoch zur großen Anzeigetafel. Die Lage ist aber vergleichsweise übersichtlich: Wegen des Oberleitungsschadens am Wochenende und der nun notwendigen Behebung der Schäden fällt ein großer Teil der Züge auch am ersten Werktag der Woche noch aus. Was fährt, steht klein unter der Anzeigetafel: Nur die angezeigten Züge. Das sind zwischen 7 und 8 Uhr zehn, die dort angeschrieben sind. Laut Fahrplan wären es fast doppelt so viele. Kurz und knapp stellen zwei Geschäftsreisende in legeren Kurzarmhemden fest: „Wir müssen nach Düsseldorf – das klappt.“

Nicht so einfach haben es zwei Schicksalsgenossen, die sich gegen halb acht an Gleis 9 treffen. „Auch nach Berlin?“ fragt der junge Mann. „Ja“; sagt die Frau mit dem riesigen Rollkoffer. Erst starrt sie noch ungläubig auf die Anzeige und bleibt seelenruhig stehen. Doch dann wird sie unruhig: „Mein Zug fährt nicht, ich muss mich informieren“, sagt die 28-Jährige – und schiebt ihren Koffer rumpelnd über den Bahnsteig.

Viele Mitarbeitende der Bahn müssen Auskunft geben

Am Querbahnsteig müssen sie und der ebenfalls gestrandete junge Berliner dann geduldig sein. Gefragt sind die Personen mit den Warnwesten – Helferinnen und Helfer der Deutschen Bahn – und in den weinroten Uniformjacken des Unternehmens. Sie helfen am Handy bei der Suche nach alternativen Verbindungen und beraten, welche Verbindung am besten ans Ziel führt. Ein Blick in die elektronische Fahrplanauskunft verrät dabei auch in dunkelrot: „Außergewöhnliche Auslastung erwartet.“ Eine Online-Fahrkarte kann man für diese Züge nicht mehr kaufen. Das Warenkorbsymbol ist durchgestrichen und mit dem Hinweis „Zug ist ausgebucht“ versehen.

Der S-Bahn-Verkehr ist von der Störung auch betroffen, doch dort ist es auch ungewöhnlich ruhig für einen Montagmorgen. Zwar fahren die S-Bahnen immer noch nur im Halbstundentakt, aber übermäßig voll ist es zwischen 6 und 8 Uhr nicht an der Station im Hauptbahnhof.