StN-Reihe „Über Kunst“ mit Klaus Gerrit Friese „Kunst muss wirken wollen“

Von Nikolai B. Forstbauer 

 Foto: Frank Kleinbach
Foto: Frank Kleinbach

Näher dran an herausragenden Persönlichkeiten der Kunstszene. Die Gesprächsreihe „Über Kunst“ der „Stuttgarter Nachrichten“ macht es möglich. Nächster Gast ist am 21. März um 19.30 Uhr der Berliner Galerist Klaus Gerrit Friese. „Über Kunst“ findet statt in der Galerie Parrotta in Stuttgart.

Stuttgart - Klaus Gerrit Friese schaut gerne genau hin. Zieht es ihn ­vielleicht auch deshalb immer wieder zur Zeichnung, zur Malerei? Er sieht die Arbeit der Privatgalerien und deren Beitrag zur Positionierung von Gegenwartskunst mit „einigen falschen Vorstellungen verbunden“. Engagiert sich Friese vielleicht auch deshalb immer wieder in übergeordneten Interessenvertretungen seines Berufsstandes?

Seit 1993 führender Interessensvertreter

Von 1993 bis 2007 leitete Friese den Bundesverband Deutscher Kunstverleger, dann den ­Bundesverband Deutscher Galerien (bis 2013) und aktuell das Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels (Zadik). ­Dessen Aufgabe? „Den Kunsthandel aus dem blinden Fleck der Kunstgeschichte in ihr Wahrnehmungsfeld zu rücken und seine ­Geschichte in die Kunstgeschichte zu ­integrieren.“

Am 5. Mai 1992 gründet der Bundesverband Deutscher Galerien den Verein „Zentralarchiv des deutschen und internationalen Kunsthandels“. Der Kölner Galerist ­Gerhard F. Reinz, damals Vorsitzender des Bundesverbandes, erläuterte seinerzeit: Angesichts der zunehmenden Abwanderung wichtiger deutscher Kunsthandelsarchive ins Ausland wolle man verhindern, „dass weitere Bestände durch Ignoranz verloren zu gehen drohen, weil es an einem Ort der Bewahrung für sie fehlt“.

Anders als etwa in Amerika, wo die Archives of American Art seit ihrer Gründung (1954) das Sammeln von „gallery records“ als nationale Aufgabe ­betrachteten, fehlt in Deutschland – wie auch bei den meisten europäischen Nachbarn – bis 1992 ein Bewusstsein für die kunsthistorische Bedeutung von Kunsthandelsarchiven. „Fairerweise“, sagt Klaus Gerrit Friese, „muss man allerdings ein­räumen, dass ein solches Archiv schwerlich entstehen konnte, solange kaum jemand wusste, woraus diese Archive überhaupt ­bestehen, weil man sie bei ihren ursprünglichen Besitzern in der Regel nicht einsehen konnte.“

Und wie ist der Stand heute? „Zusammen mit weiteren, einigen noch nach ihm gegründeten internationalen Kunstarchiven“, sagt Friese, „hat das Zadik der Kunstgeschichte die neuen Sammlungs- und Forschungs­gebiete erschlossen, die aus den Paradigmenwechseln der Moderne mit der Ausbildung neuer bürgerlicher Patronagesysteme erwachsen sind, in deren Zentrum der freie Kunstmarkt steht.“

Das Archiv zeigt Wirkung

Und auch Günter Herzog, wissenschaftlicher Leiter des Zentralarchivs, ist sicher, dass das Archiv Wirkung zeigt. „Die Arbeit der Archive, die mit digitaler Erschließung und Publikationen zunehmend an internationaler Wahrnehmung und Wirksamkeit gewann, setzte neue Impulse für die Kunstwissenschaft“, sagt Herzog – „unter anderen für das inzwischen an einigen Universitäten etablierte und dynamisch wachsende Gebiet der Kunstmarktforschung, und auch für die Ausstellungspraxis“.

Ein Erfolg mit Folgen: Gibt es seit Dezember 2014 einen Kooperationsvertrag mit der Universität Köln, der das Zadik zum „Forschungsarchiv an der Universität zu Köln“ macht, firmiert das Zentralarchiv seit wenigen Wochen per Mitgliederbeschluss als „Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung“.

Auch die Frage, wie überhaupt jemand Galerist wird, ist Untersuchungsgegenstand. Klaus Gerrit Friese, 1958 in Wertheim ­geboren, entscheidet sich nach seinem ­Studium der Philosophie in Berlin für den Einstieg in die Kunstvermittlung. Über die Geschäftsleitung der Galerie und Edition Manus Presse in Stuttgart führt er das Unternehmen von 2008 an unter dem Namen Galerie Klaus Gerrit Friese. Die hallen­artigen Räume in der Rotebühlstraße 87 werden bald auch als erste Bühne unserer Veranstaltungsreihe „Über Kunst“ bekannt.

2015 zieht der Galerist von Stuttgart nach Berlin

Seit 2015 hat die Galerie Klaus Gerrit Friese ihren Sitz in Berlin. Was ihn lockt? „Die Konkurrenz der Galerien“, sagte Friese seinerzeit unserer Zeitung, „die Lebendigkeit der Szenen, der Wunsch der Künstler, dort repräsentiert zu sein, die Realität, dass ich viele Sammler dort öfter sehen werde, weil sie nun mal öfter in ­Berlin als in Stuttgart sind. Und nicht zuletzt die Tatsache, dass ich mit meiner ­Galerie Umsatz nicht verlieren kann: Ich habe schon oft gesagt, dass ich hier in der Stadt Stuttgart vier bis fünf Prozent ­meines Jahresumsatzes mache.“ Friese warnt: „Zu wenig wird das Vorhandene geschätzt, gefördert und gelebt. Die Stuttgarter Galerienszene verdient Respekt. Erstaunlich, wie wenige begreifen, dass sich das auch durch Geld ausdrückt.“

Messepräsenz auch in New York

Jüngst mit seinem Galerieprogramm auf der Kunstmesse Armory Show in New York präsent – zu den bekanntesten aktuellen Künstlern zählen die Malerin Karin Kneffel, der Installationskünstler Thomas Grünfeld und der Maler Karl Horst Hödicke –, zeigt Friese in Berlin noch bis einschließlich diesen Samstag Bilder des Finnen Jari Kylli – „ein Werk“, so Friese, „voller (un)gelöster Rätsel: Tiere, Menschen, Alltagsgegenstände auf Papier oder als Skulptur, eindringlich und unergründlich. Das ist Kunst, die sich behauptet und wirken will“.

Ein Satz, der wohl auch für die nächste Schau in den Räumen in der Meierottostraße 1 unweit der Hochschule der Künste gelten könnte. Am 17. März wird eine auf Bilder der 1970er Jahre konzentrierte Schau zum Werk des Malers Walter Stöhrer eröffnet. Wenige Tage später ist Klaus Gerrit Friese Gast unserer Gesprächsreihe „Über Kunst“ – als Galerist, als kunstpolitischer Vordenker, als Impulsgeber nun auch für die Erforschung des Kunsthandels.

So können sie dabei sein

Über Kunst“ mit Klaus Gerrit Friese, Vorsitzender des Zentralarchivs des internationalen Kunsthandels, am Dienstag, 21. März. „Über Kunst“ findet statt in den Räumen der Galerie Parrotta in Stuttgart (Augusten­straße 87, www.parrotta.de). Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Moderiert wird der Abend von Nikolai B. Forstbauer, Titelautor unserer Zeitung. 100 Leserinnen und Leser können dabei sein.

Wir freuen uns über Ihre Anmeldung unter www.stn.de/galerie.

Haben Sie Fragen an Klaus Gerrit Friese? Wir nehmen diese gerne für unsere Veranstaltung auf. Fragen ­bitte ­senden an: nikolai.forstbauer@stuttgarter-nachrichten.de.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist die „Über Kunst“-Bühne Galerie Parrotta (Augustenstraße 87) über die S-Bahn-Haltestelle Schwabstraße sowie über die Bus­linien 42 (Haltestelle Schwabstraße und Schwabstraße/Reinsburgstraße) und 44 (Haltestelle Schwabstraße) zu erreichen. Mehr über die Reihe „Über Kunst“ gibt es unter www.parrotta.de/talks.

 

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