Seite 2StN-Reihe „Über Kunst“ mit Klaus Gerrit Friese Galerien müssen stärker gemeinam agieren

Von Thomas Morawitzky 

Galerien müssen stärker gemeinsam agieren

Ganz anders steht er zur Mehrwertsteuer. Friese engagierte sich persönlich, war in die Formulierung des Gesetzestextes involviert. „Das war ziemlich frustrierend“, sagt er. „Zuletzt dachte ich: Hier gibt es auch ein großes Problem bei der Selbstorganisation der Galerien.“ Er zieht Vergleiche zum Buchhandel. Dort habe man verstanden, wie wichtig eine nicht nach Rang orientiert, sondern auf Wirkungsmacht zielende Interessensvertretung sei. Und Friese ist sich sicher: „Wenn wir das unglaubliche Erregungsgeschrei um das ­Kulturgutschutzgesetz bei der Mehrwertsteuer gehabt hätten, dann hätten wir ganz andere Chancen gehabt.“

Galerien schreiben Kunstgeschichte mit

Die Bedeutung der Galerien für die Entwicklung der Kunst versucht Friese mit dem Zentralarchiv für internationale Kunstmarktforschung (Zadik) in Köln besser darzustellen. „Dem Publikum“, sagt er, „wird immer deutlicher, dass sehr viel Kunstgeschichte eben auch über die Galerien geschrieben wurde, nicht erst in der Nachkriegszeit.“ Das Zadik sei ein publizierendes Archiv, keines, in dem Dinge nur verschwänden. „Wir stellen eine Öffentlichkeit her. Das ist kein Abschied vom bloßen Kunsthandel, sondern eine Erweiterung in alle Möglichkeiten hinein.“ Jedoch: Das Zadik steht auf mehreren finanziellen Beinen, und einige von ihnen wackeln. Köln ist nicht nur das Zentrum des deutschen Kunsthandels, sondern auch eine Stadt des Karnevals – mit entsprechenden Sponsorenvorlieben. ­Friese wünscht sich eine ruhigere Perspektive für das Archiv – „gerade weil inzwischen klar ist, welche Chancen sich mit einer solchen Einrichtung verbinden“..

Der Einstieg der großen Auktionshäuser in den Handel mit zeitgenössischer Kunst im Jahr 1999 ist für den Galeristen ein entscheidendes Datum. „Die Galeriearbeit“, sagt er, „ist zur einen Seite mit dem unfassbaren Privileg verbunden, mit Künstlern zusammenarbeiten zu dürfen, ihnen eine Form zu geben. Aber man muss auch ganz klar sehen, dass sich diese Tätigkeit seit meinem Start 1985 grundlegend verändert hat.“ Der Kunstmarkt früher sei kleiner, auch vorurteilsfreier gewesen, sagt Friese.

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