Kraft der Vielfalt nutzen

Die Stuttgarter Akademie ist eine Mehrspartenhochschule, sie hat künstlerische, wissenschaftliche und gestalterisch-angewandte Fächer im Angebot. Diese möchte Barbara Bader stärker vernetzen, weil sie eine „interdisziplinäre Denkweise“ für wichtig hält. Bisher müssen sich die Studierenden früh für ein Fach entscheiden. „Das ist eine irreversible Entscheidung, man bekommt nicht die Chance, in andere Bereiche hineinzuschnuppern“, sagt die neue Rektorin und würde die Grundklassen gern öffnen, statt wie bisher strikt nach Disziplinen zu trennen.

Wenn es nach Bader geht, muss sich die Akademie für die Zukunft rüsten. Da die Künste sich immer weniger in klassische Sparten einordnen lassen, sind die Bildhauerklassen bereits breiter gefasst. Die Werkstätten sind dagegen noch an den Materialien ausgerichtet wie Holz, Metall, Keramik. „Die Werkstätten sind super“, sagt Bader. „Aber auch sie müssen ans 21. Jahrhundert angepasst werden“, schließlich gebe es neue Materialien und Technologien. Auch an der Schnittstelle zwischen Digitalem und Analogem habe die Akademie Nachholbedarf. „Wenn man davon ausgeht, dass Bildungsinstitutionen ihre Studierenden auf die Zukunft vorbereiten sollen, wäre das nicht ganz unwichtig.“

Studiengebühren als Standortnachteil

An der Akademie gibt es Studiengänge, die mit klassischem Diplom abgeschlossen werden. Solange man im deutschen System bleibe, sei das kein Problem, sagt Bader. Im Ausland werde das Diplom aber oft mit dem Bachelor gleichgesetzt, weshalb man bei einem Hochschulwechsel ins Ausland Jahre verliert. Bader ist der internationale Austausch wichtig, zumal die meisten Studierenden der Akademie aus der Region kämen. Deshalb bedauert sie auch die Studiengebühren für Studenten aus Nicht-EU-Ländern. „Wir erwarten einen Rückgang und einen Standortnachteil“, sagt Bader. „Warum soll jemand nach Baden-Württemberg kommen, wo die Lebenshaltungskosten ohnehin höher sind?“

Auch wenn Bader nichts von einer Residenzpflicht für die Professorenschaft hält, will sie in Stuttgart Präsenz zeigen. Sie hält es für wichtig, dass man „vor Ort ist und als Name wahrgenommen wird“. Für ihr Privatleben bedeutet das allerdings, ganz schweizerisch, einen Kompromiss. Ihr Mann lebt in Zürich, weshalb sie vorerst „ein Bein in Zürich, eines in Stuttgart“ haben wird.

nd Zürich ist sie seit dreieinhalb Jahren in Stuttgart Professorin für Kunstdidaktik und Bildungswissenschaften.

Neubesetzungen eröffnen Gestaltungsräume

„Eine Zickzackbiografie“ nennt sie diesen Weg, der ihr aber Einblicke in verschiedenste Hochschulen gegeben hat, wovon sie jetzt profitieren kann. Denn an der Akademie steht ein Generajavascript:void(null)tionswechsel an. In den kommenden Jahren wird ein gutes Drittel der Professorenschaft in den Ruhestand gehjavascript:void(null)en. Allein drei Malereistellen werden frei. „Diesen Fehler sollte man nicht noch mal machen, dass drei Professuren mit ungefähr gleich alten Menschen besetzt werden, die einen bestimmten Zeitgeist vertreten“, meint Bader, die eine klare Vision für die Akademie hat: „Insgesamt finde ich eine höhere Diversität, Männer, Frauen, Alter, Kunstauffassung sehr interessant.“ Wenn es nach ihr geht, sollte die scheidende Generation nicht einfach „durch eine nächste Generation, eine Kohorte ersetzt werden, die dann gemeinsam altert“.

Aber Barbara Bader kennt die Akademie gut genug, um zu wissen, dass sie Veränderungen nicht allein auf den Weg bringen kann. „Man muss Überzeugungsarbeit leisten. Letztlich entscheidet nicht die Rektorin, sondern das tun die zuständigen Studienkommissionen, Fachgruppen, der Senat.“ Sie hofft, dass dabei der „Blick fürs große Gesamte“ berücksichtigt wird, „Weitsicht über den Rand hinaus wäre schön“.

Kraft der Vielfalt nutzen

Kraft der Vielfalt nutzen

Die Stuttgarter Akademie ist eine Mehrspartenhochschule, sie hat künstlerische, wissenschaftliche und gestalterisch-angewandte Fächer im Angebot. Diese möchte Barbara Bader stärker vernetzen, weil sie eine „interdisziplinäre Denkweise“ für wichtig hält. Bisher müssen sich die Studierenden früh für ein Fach entscheiden. „Das ist eine irreversible Entscheidung, man bekommt nicht die Chance, in andere Bereiche hineinzuschnuppern“, sagt die neue Rektorin und würde die Grundklassen gern öffnen, statt wie bisher strikt nach Disziplinen zu trennen.

Wenn es nach Bader geht, muss sich die Akademie für die Zukunft rüsten. Da die Künste sich immer weniger in klassische Sparten einordnen lassen, sind die Bildhauerklassen bereits breiter gefasst. Die Werkstätten sind dagegen noch an den Materialien ausgerichtet wie Holz, Metall, Keramik. „Die Werkstätten sind super“, sagt Bader. „Aber auch sie müssen ans 21. Jahrhundert angepasst werden“, schließlich gebe es neue Materialien und Technologien. Auch an der Schnittstelle zwischen Digitalem und Analogem habe die Akademie Nachholbedarf. „Wenn man davon ausgeht, dass Bildungsinstitutionen ihre Studierenden auf die Zukunft vorbereiten sollen, wäre das nicht ganz unwichtig.“

Studiengebühren als Standortnachteil

An der Akademie gibt es Studiengänge, die mit klassischem Diplom abgeschlossen werden. Solange man im deutschen System bleibe, sei das kein Problem, sagt Bader. Im Ausland werde das Diplom aber oft mit dem Bachelor gleichgesetzt, weshalb man bei einem Hochschulwechsel ins Ausland Jahre verliert. Bader ist der internationale Austausch wichtig, zumal die meisten Studierenden der Akademie aus der Region kämen. Deshalb bedauert sie auch die Studiengebühren für Studenten aus Nicht-EU-Ländern. „Wir erwarten einen Rückgang und einen Standortnachteil“, sagt Bader. „Warum soll jemand nach Baden-Württemberg kommen, wo die Lebenshaltungskosten ohnehin höher sind?“

Auch wenn Bader nichts von einer Residenzpflicht für die Professorenschaft hält, will sie in Stuttgart Präsenz zeigen. Sie hält es für wichtig, dass man „vor Ort ist und als Name wahrgenommen wird“. Für ihr Privatleben bedeutet das allerdings, ganz schweizerisch, einen Kompromiss. Ihr Mann lebt in Zürich, weshalb sie vorerst „ein Bein in Zürich, eines in Stuttgart“ haben wird.

So können Sie dabei sein

So können Sie dabei sein

„Über Kunst“ mit Barbara Bader, neue Rektorin der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, am ­Mittwoch, 26. April.

„Über Kunst“ findet statt in den Räumen der Galerie Parrotta in Stuttgart (Augusten­straße 87, www.parrotta.de). Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Moderiert wird der Abend von Nikolai B. Forstbauer, Titelautor unserer Zeitung. 100 Leserinnen und Leser können dabei sein.

Wir freuen uns über Ihre Anmeldung unter Telefon 07 11 / 72 05 - 75 00 (Mo, 3. April, 11 bis 13 Uhr) oder online unter www.stn.de/galerie .

Haben Sie Fragen an Barbara Bader? Wir nehmen diese gerne für unsere Veranstaltung auf. Fragen ­bitte ­senden an: nikolai.forstbauer@stuttgarter-nachrichten.de.

Mit öffentlichem Nahverkehr ist die „Über Kunst“-Bühne Galerie Parrotta (Augusten­straße 87) über die S-Bahn-Haltestelle Schwabstraße sowie über die Buslinien 42 (Haltestelle Schwabstraße und Schwab­straße/Reinsburgstraße) und 44 (Haltestelle Schwabstraße) zu erreichen. (StN)

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