Seite 2StN-Reihe „Über Kunst“ in Stuttgart Kraft der Vielfalt nutzen

Von Adrienne Braun 

Kraft der Vielfalt nutzen

Die Stuttgarter Akademie ist eine Mehrspartenhochschule, sie hat künstlerische, wissenschaftliche und gestalterisch-angewandte Fächer im Angebot. Diese möchte Barbara Bader stärker vernetzen, weil sie eine „interdisziplinäre Denkweise“ für wichtig hält. Bisher müssen sich die Studierenden früh für ein Fach entscheiden. „Das ist eine irreversible Entscheidung, man bekommt nicht die Chance, in andere Bereiche hineinzuschnuppern“, sagt die neue Rektorin und würde die Grundklassen gern öffnen, statt wie bisher strikt nach Disziplinen zu trennen.

Wenn es nach Bader geht, muss sich die Akademie für die Zukunft rüsten. Da die Künste sich immer weniger in klassische Sparten einordnen lassen, sind die Bildhauerklassen bereits breiter gefasst. Die Werkstätten sind dagegen noch an den Materialien ausgerichtet wie Holz, Metall, Keramik. „Die Werkstätten sind super“, sagt Bader. „Aber auch sie müssen ans 21. Jahrhundert angepasst werden“, schließlich gebe es neue Materialien und Technologien. Auch an der Schnittstelle zwischen Digitalem und Analogem habe die Akademie Nachholbedarf. „Wenn man davon ausgeht, dass Bildungsinstitutionen ihre Studierenden auf die Zukunft vorbereiten sollen, wäre das nicht ganz unwichtig.“

Studiengebühren als Standortnachteil

An der Akademie gibt es Studiengänge, die mit klassischem Diplom abgeschlossen werden. Solange man im deutschen System bleibe, sei das kein Problem, sagt Bader. Im Ausland werde das Diplom aber oft mit dem Bachelor gleichgesetzt, weshalb man bei einem Hochschulwechsel ins Ausland Jahre verliert. Bader ist der internationale Austausch wichtig, zumal die meisten Studierenden der Akademie aus der Region kämen. Deshalb bedauert sie auch die Studiengebühren für Studenten aus Nicht-EU-Ländern. „Wir erwarten einen Rückgang und einen Standortnachteil“, sagt Bader. „Warum soll jemand nach Baden-Württemberg kommen, wo die Lebenshaltungskosten ohnehin höher sind?“

Auch wenn Bader nichts von einer Residenzpflicht für die Professorenschaft hält, will sie in Stuttgart Präsenz zeigen. Sie hält es für wichtig, dass man „vor Ort ist und als Name wahrgenommen wird“. Für ihr Privatleben bedeutet das allerdings, ganz schweizerisch, einen Kompromiss. Ihr Mann lebt in Zürich, weshalb sie vorerst „ein Bein in Zürich, eines in Stuttgart“ haben wird.

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