„Ortstermin“-Gäste: Götz Adriani und Staatsgalerie-Direktorin Christiane Lange Foto: Frank Kleinbach

Beifall und Pfiffe begleiten die Staatsgalerie-Schau „Baselitz.Richter.Polke.Kiefer – Die jungen Jahre der Alten Meister“. Wir fragen am 12. Juli nach – bei Kurator Götz Adriani und Museumschefin Christiane Lange.

Stuttgart - Wie sieht es hinter den Kulissen der Kultureinrichtungen in der Region Stuttgart aus? Unsere Reihe „Ortstermin“ gibt Antworten. Nächste Station ist am Freitag, 12. Juli, die Sonderschau „Baselitz.Richter.Polke.Kiefer – Die jungen Jahre der Alten Meister“ in der Staatsgalerie Stuttgart. Beginn ist um 16 Uhr. Kurator Götz Adriani und Staatsgalerie-Direktorin Christiane Lange beantworten Fragen, Führungen vertiefen im Anschluss den exklusiven Einblick in die viel beachtete Ausstellung. Eine Anmeldung ist notwendig.

Nationale Aufmerksamkeit

Die Staatsgalerie Stuttgart setzt aktuell auf Aufbrüche und Antritte ganz unterschied-licher Art: Fragt das Projekt „Weissenhof City“ zum 100. Geburtstag des Bauhauses nach Möglichkeiten aktueller künstlerischer Blicke auf die Stadt, auf urbane Strukturen generell, beleuchtet die große Sonderausstellung „Baselitz.Richter.Polke.Kiefer – Die jungen Jahre der Alten Meister“ das Frühwerk eines für die internationale Anerkennung deutscher Gegenwartskunst ungemein wichtigen Künstlerquartetts. Götz Adriani, Gründungsdirektor der Kunsthalle Tübingen, hat die Ausstellung erarbeitet – und seine Konzeption beschert der Staatsgalerie nationale Aufmerksamkeit. Es wird heftig diskutiert – es gibt viel Beifall, aber auch heftige Kritik.

Beifall und Kritik

Während etwa Peter Iden in der „Frankfurter Rundschau“ formuliert: „Sehr zu Recht war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Stuttgart gekommen, um durch seine Präsenz eine Ausstellung der dortigen Staatsgalerie auszuzeichnen, die mit seltener Intensität Kunst und Politik als einen Zusammenhang versteht und vor Augen führt“, kritisiert Hanno Rauterberg in der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“: „Sie (die Ausstellung) schwelgt in der eigenen, überschäumenden Bedeutsamkeit. Und verrät damit die Kunst, die sie rühmt.“

Kurator Götz Adriani: „Kunsthistorische Tatsache“

Was geschieht hier? Götz Adriani bleibt zurückhaltend. „Ich bin Kunsthistoriker“, sagt er, „und die Ausstellung dokumentiert eine kunsthistorische Tatsache“. Richtig ist: Die internationalen Ausstellungen von Georg Baselitz, Sigmar Polke, Gerhard Richter und Anselm Kiefer öffneten der deutschen Gegenwartskunst viele Türen.

Gottfried Knapp formuliert denn auch in der „Süddeutschen Zeitung“: „Man muss Götz Adriani recht geben, wenn er feststellt, dass ,der Malerei deutscher Provenienz’ in der Kunstgeschichte nie ein so hoher Stellenwert eingeräumt worden ist wie in den vergangenen zwei Jahrzehnten in den weltweit beachteten Retrospektiven von Georg Baselitz, Gerhard Richter, Sigmar Polke und Anselm Kiefer.“

Ironische Zwischenrufe

Elke Buhr, Autorin der Berliner Zeitschrift „Monopol“ bleibt kritisch: „Man sieht es geradezu vor sich: Vier Musketiere reiten herbei und retten ganz allein die deutsche Kunst aus jahrhundertealter Misere“, schreibt sie – und weist darauf hin, dass „es noch andere gab, die zeitgleich innovative, lustige, revolutionäre und herausragende Kunst in Deutschland gemacht haben. Zum Beispiel Katharina Sieverding, die aber schon damals selten bei den Wichtigausstellungen mitmachte; sie war ja eine Frau und kein Musketier.“

Diskussionen auch um das Begleitbuch

„Baselitz.Richter.Polke.Kiefer“ sorgt jedoch nicht nur mit der Ausstellung selbst für Debatten – gegensätzliche Bewertungen erfährt auch das durch umfassende Interviews geprägte Begleitbuch. Zu lang finden dies die einen. Doch Peter Iden ist sich in der „Frankfurter Rundschau“ sicher: „In aller Regel werden Ausstellungen dieses Formats, hilfreich für das Verständnis, von Katalogen begleitet. Jetzt in Stuttgart hat der Besucher es jedoch zu tun mit sehr viel mehr.“

Nämlich? „Was Götz Adriani mit dem 350 Seiten starken Band erstellt hat, kann hinfort als das Standardwerk nicht nur für die Entwicklung der Kunst in Deutschland zwischen den späten 1950er Jahren und heute, sondern auch für die zeitgleichen gesellschaftspolitischen Realitäten gelten.“

„Vier kontrastierende Monologe“

Starke Worte hier wie da. Ein Hinweis zugleich, dass die Ausstellung gerade in ihrer völligen Konzentration auf die Kunstwerke selbst etwas hat, das wohl Reibung erzeugt, diese aber auch aushält. Götz Adriani setzt in der Ausstellungshalle des Stirlingbaus auf „vier kontrastierende Monologe“.

Das Ergebnis? Jeder Block eine Welt für sich, das Ganze ein Qualitätsgewitter. Ein Beben schon zum Auftakt: Georg Baselitz’ „Hommage à Wrubel“ (1963, aus der Stuttgarter Sammlung Froehlich), dessen wüster Gnom auch durch das „Geschlecht mit Klößen“ und die „Große Nacht im Eimer“ geistert. „Hommage à Wrubel“ ist ein Bild, das die Westabstraktion ebenso hinwegfegt wie den durch Wolfgang Mattheuers „Jahrhundertschritt“ von 1988 auch offiziell auf das Abstellgleis geschobenen Ost-Realismus.

Es ist, scheinbar gänzlich unpolitisch, das Signal für offene Identitäten. Ist also „Hommage à Wrubel“ gerade in unserer Gegenwart ein gesellschaftlich wie politisch hochaktuelles Bild? Auch diese Diskussion ist eröffnet.

So können Sie dabei sein

Was? Mit unserer Veranstaltungsreihe „Ortstermin“ sind Sie näher dran an der Kultur und ihren Machern.

Wann? Nächste Station ist am Freitag, 12. Juli, die Sonderausstellung „Baselitz. Richter. Polke. Kiefer – Die jungen Jahre der Alten Meister“ in der Staatsgalerie Stuttgart. Beginn ist um 16 Uhr im Vortragssaal der Staatsgalerie.

Wer? Die von Götz Adriani, Gründungsdirektor der Kunsthalle Tübingen, erarbeitet, sorgt die Schau mit Werken von Georg Baselitz, Gerhard Richter, Sigmar Polke und Anselm Kiefer für viele Diskussionen. Was fasziniert das Publikum und die Fachkritik, welche Einwände gibt es? Diese und andere Fragen beantworten im „Ortstermin“-Gespräch Götz Adriani und Staatsgalerie-Direktorin Christiane Lange. Mehr noch aber: Exklusive Führungen durch die viel beachtete Ausstellung schließen sich an.

Wieviel? Der Eintritt in die Ausstellung kostet inklusive Führung für „Ortstermin“-Teilnehmer 10 Euro. Die Tickets erhalten Sie vor Beginn an der Kasse. Bitte beachten Sie: Dieser „Ortstermin“ ist ein besonderes Angebot der „Stuttgarter Nachrichten“ und der Staatsgalerie Stuttgart. Anderweitige Vergünstigungen haben keine Gültigkeit.

Wie? 100 Leserinnen und Leser können bei unserem „Ortstermin“ am Freitag, 12. Juli, um 16 Uhr in der Staatsgalerie Stuttgart dabei sein. Ihre Anmeldungen nehmen wir gerne entgegen – unter www.stn.de/staga. Informationen zu unseren Datenschutzbestimmungen erhalten Sie unter www.stn.de/datenschutz.

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