Ein Schilderwald, jede Menge Absperrungen und Auto an Auto: In der Schwieberdinger Straße staut es sich besonders schlimm. Foto: factum

Aufgerissene Straßen und verstopfte Umleitungen: In diesem Sommer wurden in Ludwigsburg neue Staurekorde aufgestellt. Die Gründe dafür klingen eigentlich unglaublich. Das hat auch die Stadt erkannt und gelobt Besserung.

Ludwigsburg - Auf das Wort Sommerbaustelle reagieren Autofahrer allergisch. In der Regel bedeutet das lange Staus vor allem in den Morgen- und Abendstunden. Immer häufiger aber heißt das auch: Die Plage dauert von Ostern bis weit in den Herbst. Denn die Ferienwochen reichen schon lange nicht mehr aus, für die vielen Arbeiten, die erledigt werden müssen. In diesem Jahr kam es in Ludwigsburg außerdem zu einer unglücklichen Häufung. Das räumen Stadtverwaltung und Stadtwerke ein – und versprechen, dass 2020 alles besser wird. Auch dann werden zwar wieder Straßen aufgerissen, aber zumindest das Timing werde autofahrer- und anwohnerfreundlicher sein.

 

Hat das Rathaus keinen Überblick?

Anwohner und Pendler haben immer wieder über „das schlechte Baustellenmanagement“ geschimpft. „Ja, wir sind viel kritisiert worden“, sagt Bürgermeister Michael Ilk und räumt ein, dass der Umfang der Arbeiten als auch die vielen Überschneidungen unglücklich gewesen seien: „Aber wir bauen für die Bürger.“ Das Verzeichnis aller Sommerbaustellen 2019 in Ludwigsburg füllt vier DIN A 4-Seiten, aktuell sind noch immer 15 große und größere Baustellen offen – Tagesbaustellen nicht mitgezählt.

Ilk spricht von „Sondereffekten“: In diesem Sommer sind zu den üblichen Straßen- und Kanalsanierungsarbeiten noch die forcierte Verlegung von Glasfaserkabel, die digitale Umrüstung der 120 Ampelanlagen sowie aufwendige Arbeiten am Fernwärmenetz (Ursache ist die neue neue Solarthermieanlage, die am Römerhügel gebaut wird) hinzugekommen. „Die eigentlichen Straßenbauarbeiten machen den geringsten Teil aus“, sagt Achim Leban, Abteilungsleiter Straßenbau und Brücken in der Stadtverwaltung, „das meiste passiert unter der Erde.“

Wo ist es am schlimmsten?

Die längsten Staus hat die Baustelle in der Schwieberdinger Straße verursacht. Die Hauptverkehrsachse ist seit Mai nur noch einspurig befahrbar und das wird auch noch bis Mitte November so bleiben. Auch bei dieser Baumaßnahme stand die Erneuerung der Gasleitungen und des Kanalnetzes im Mittelpunkt. Die Gasleitungen seien in die Jahre gekommen, sagt Peter Danylak, der technische Leiter bei den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB). „Wenn es ein Leck gibt, müssen wir sofort die Straße aufreißen.“ Was in den letzten Jahren häufig passiert ist. Sobald alle Leitungen saniert seien, habe man aber Jahrzehnte lang Ruhe.

Wie sind die Aussichten?

Genau deshalb aber drohen schon 2020 und 2021 neue Großbaustellen: Dann nämlich wollen die Stadtwerke den Abschnitt der Schwieberdinger Straße zwischen MHP-Arena und B 27 sanieren. Vor allem im Teilstück zwischen Keplerbrücke und Kreuzung Stuttgarter Straße wird es wohl knifflig, die Experten rechnen mit sehr aufwendigen – also langwierigen – Arbeiten. Im ersten Jahr ist die Nordseite, im zweiten die Südseite dran.

Was ist mit Zusatzschichten?

Die Ludwigsburger Stadträte hatten sich bereits im Frühsommer mit dem Problem Langzeitbaustellen beschäftigt und vorgeschlagen, Arbeiten an den Hauptachsen zu beschleunigen, indem man sie im Mehrschichtbetrieb abwickelt. Die Verwaltung ist skeptisch, weil zu viele gesetzliche Verordnungen in Bezug auf Arbeits- und Ruhezeiten zumindest der Nachtarbeit im Wege stünden. Der Gemeinderat aber besteht darauf, dass im nächsten Jahr zumindest eine Baumaßnahme im Zweischichtbetrieb – also von 6 Uhr bis 22 Uhr – erledigt wird. „Wir haben dafür die nächste Etappe der Schwieberdinger Straße ausgesucht“, sagt Leban.

Was kann man noch verbessern?

„In Zukunft werden wir uns das Leben erleichtern“, sagt Ilk. Dank moderner Digitaltechnik. „Künftig muss jeder Antrag auf einen Straßenbau schon in elektronischer Form im Rathaus eingereicht werden.“ Damit ließe sich ausschließen, dass just an einer Umleitungsstrecke eine zweite Baustelle aufgerissen werde.