Luke Littler (links) wurde zum zweiten Mal Weltmeister – auch in der „Sportsbar Max & Moritz 5“ wurde geschaut und gespielt. Foto: Imago/Action Plus, Felix Mahler

Die Gäste in der „Sportsbar Max & Moritz 5“ holten für sich bei familiärer Atmosphäre mehr aus dem Abend heraus, als der dominante WM-Sieg Littlers hergab. Ein Stimmungsbericht.

Dass an diesem Samstagabend der erst 18-jährige Luke Littler seinen Weltmeisterschafts-Titel im Darts verteidigt, ist nicht das, was den Abend in der „Sportsbar Max & Moritz 5“ im Stuttgarter Westen bestimmen sollte. Vielmehr die familiäre Atmosphäre und offene Arme. Langeweile gab es nur am TV, Kontrahent Gian van Veen verlor deutlich mit 7:1 nach Sätzen.

 

Familiäres Ambiente im Vordergrund

Schon beim Hereinkommen ist die Darts-Prägung der Bar erkennbar. „Dart League“ und „Dart Turniere“ steht an der raumtrennenden, aber offenen Wand, begleitet von Bildern von Dartscheiben. Die echten Dartscheiben hängen beziehungsweise stehen im hinteren Raum. Drei Dartautomaten im Stile des E-Darts, also elektronische Boards. Anders als bei der Darts-WM, wirft man hier mit Pfeilen, deren Spitzen aus Plastik sind. Die Scheibe hat vorgefertigte Löcher, über die die Punktzahl automatisch erkannt wird. Selbst geworfen wurde aber erst später.

Das Max & Moritz 5 ist eine von zwei Sportsbars in Stuttgart unter dem selben Namen. Foto: Felix Mahler

Zehn Minuten vor dem offiziellen Beginn des Finals um 21 Uhr wird der Ton eines Bildschirms angemacht. Zwei hängen davon in der Sportsbar, eine Übertragung pro Raum. Stammkundschaft ist gekommen. Es wird Bier oder Wein getrunken, geraucht und auch sein Glück am Spielautomaten versucht. Ob an der Bar, am Tisch oder im Rollstuhl. Das familiäre Ambiente ist sofort zu spüren, man kennt sich hier. Es ist genau das, was man sich unter einem Kneipen-Besuch vorstellt. Dafür sorgt Monika hinter der Bar und eigentlich überall. Sie ist schon seit 15 Jahren bei Max & Moritz.

Littler als Hoffnungs-Killer für Gegner und Gäste

„Ja kein schlechtes Wort über die Stewardess“ wird es später scherzend von den Gästen heißen. Stewardess wegen des krawattenähnlichen Kleidungsstücks, das „Monikus“, wie sie auch untereinander genannt wird, anhat. Gegen 21:15 Uhr geht es los, beide Finalisten kommen mit ihren Walk-Ons auf die Bühne. Insgesamt sind nun neun Gäste in der Bar. Nicht alle verfolgen das Spiel aufmerksam, es ist aber im Fokus. Das Publikum ist eher für den Underdog im jüngsten Finale der Darts-WM-Geschichte, den 23-jährigen Gian van Veen. Es ist ein Spiel auf Top-Niveau, das zu Beginn auch noch auf Spannung hoffen lässt.

Gian van Veen (links) und Luke Littler (rechts) spielten um die WM-Trophäe. Foto: IMAGO/Action Plus

Man kommt ins Gespräch, Gäste gehen mal ein und aus zum Rauchen oder Telefonieren und es dauert nicht lange, bis die erste Einladung folgt, doch mal mit zu Darten. Als Littler kurz nach 22 Uhr auf 4:1-Führung nach Sätzen stellte, ist man noch zu sechst in der Seyfferstraße 46. Das 18-jährige Ausnahmetalent macht nicht nur seinen niederländischen Gegner fix und fertig, sondern auch die Hoffnung aller in der Sportsbar. „Nächstes Mal, wenn wir spielen, lächel’ ich auch nicht, Moni“, sagt Alen in Bezug auf den Tunnelblick des Engländers, mit dem er sich dann nach nur etwa 80 Minuten – Pausen und Werbeunterbrechungen inklusive – den Titel sichert.

Volle Bar bei den Halbfinal-Partien

Monika hilft „Raketovic“, wie ein im Rollstuhl sitzender Gast liebevoll genannt wird, gut aus der Bar und nach Hause zu kommen. Und: sie kommt mit dem Rollstuhl wieder, er scheint also zum Inventar zu gehören. Es ist wie Familie, wie die Stammkunden auch bestätigen. Viele sind in Stuttgart-West aufgewachsen.

Vielleicht nicht unbedingt spezifisch von diesem Spiel angestachelt, aber vom Darts-Sport als solchem, ging es dann an die Scheibe. Man hätte wohl am Abend zuvor da sein müssen, heißt es. Über 30 Gäste sollen da gewesen sein bei den beiden Halbfinals, von denen vor allem die Begegnung van Veen gegen Anderson die Finalpartie vom Unterhaltungs- und Spannungswert um Meilen schlug. Man kann also sagen, dass dieser Final-Abend in der Menge an Gästen durchaus etwas aus der Reihe fällt. Darts ist hier schon lange angekommen.

Training, Teams und Spieltage

Alen, Monika und Alex berichten von Teams, in denen gespielt wird, es gibt E-Darts-Spieltage in Ligensystemen und ein Bekannter aus der Bar habe sogar schon an einer WM teilgenommen. Jede Mannschaft hat Training, erzählt Monika. Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Die Teams sind etwa bis zu acht, neun Spieler groß. Am Abend vor dem Wochenende gibt es auch das Angebot, kostenlos Dart zu spielen. Normalerweise kostet ein Durchlauf in einem Spielmodi an der Dartsmaschine für vier Personen zwei Euro.

Im Max & Moritz kann man sich an der Scheibe messen. Foto: Felix Mahler

Und an eben jener klingt der Abend in der Sportsbar Max & Moritz 5 aus. Zu viert wird sich in verschiedenen Spielmodi an der Scheibe gemessen. Die Pfeile fliegen, so auch die Zeit. Gegen 0:30 Uhr werden per Anruf zwei der drei Automaten angefragt, die Bar füllt sich zu später Stunde nochmal, was wohl so üblich sei. Geöffnet hat sie offiziell bis 5 Uhr. Gegen 1:15 Uhr ist weitere Stammkundschaft vor Ort und wer sich noch nicht auf den Heimweg macht, gesellt sich gemeinsam an den Tisch. Darum, wie hoch Littler seinen zweiten WM-Titel in Folge gewonnen hat, geht es da schon lange nicht mehr.