Zahlreiche Beschäftigte gingen in Berlin auf die Straße. Foto: dpa

Es ist der erste größere Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben seit sieben Jahren. Er dauert ungewöhnlich lang. Und auch danach wird es nicht gleich wieder rund laufen.

Berlin - Ein Warnstreik hat am Freitag große Teile des Berliner Nahverkehrs lahmgelegt. Busse und Straßenbahnen blieben am frühen Morgen in den Depots, U-Bahnhöfe verschlossen. Hunderttausende stiegen auf die S-Bahn, Autos und Fahrräder um oder gingen zu Fuß. Es gab Staus und volle Züge, aber kein größeres Chaos. Von 12.00 Uhr an sollten Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen wieder fahren.

„Der Warnstreik ist top angelaufen“, sagte Jeremy Arndt, der Verdi-Verhandlungsführer im Tarifkonflikt bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Die Gewerkschaft will mehr Geld und Freizeit für die 14 000 beschäftigten herausholen. Nach seinen Angaben liegen sie bei der Bezahlung im Bundesvergleich an vorletzter Stelle.

Weitere Warnstreiks sind möglich: In der nächsten Runde der Tarifverhandlungen müsse ein verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeber auf den Tisch, sagte Arndt bei einer Kundgebung vor der BVG-Zentrale: „Sonst müssen wir die nächsten Schritte machen.“

Größter Warnstreik seit sieben Jahren

Die BVG ist das größte kommunale Verkehrsunternehmen Deutschlands. Mit 2,9 Millionen Kundenfahrten ist sie das Rückgrat des Berliner Nahverkehrs. Zum Vergleich: Die S-Bahn zählt 1,4 Millionen Fahrgäste täglich. Sie gehört zur Deutschen Bahn und ist von dem Tarifkonflikt bei der landeseigenen BVG nicht betroffen. Zum Teil setzte die S-Bahn zusätzliche Züge ein. Auch die Regionalzüge fuhren nach Plan.

Das Unternehmen teilte mit, dass der Verkehr nach dem Ende Warnstreiks noch einige Stunden unregelmäßig sein könne. In Betrieb bleiben die Fähren und einige Buslinien am Stadtrand, auf denen Subunternehmer fahren.

Es war der erste größere Warnstreik bei dem Landesunternehmen seit sieben Jahren. Vorab gab es Kritik, dass Verdi schon nach der zweiten Verhandlungsrunde dazu aufgerufen hat und dass die Beschäftigten gleich für mehr als acht Stunden die Arbeit niederlegen.

„Wir streiken nicht gegen die Fahrgäste, sondern für die Fahrgäste“, sagte Verdi-Landeschefin Susanne Stumpenhusen. Nur mit höheren Löhnen könne die BVG das nötige Personal finden, um das gute Angebot in der wachsenden Hauptstadt zu erhalten.

Verdi und der Beamtenbund verlangen, dass für alle rund 14 000 Beschäftigten die 36,5-Stunden-Woche gilt - knapp die Hälfte muss heute 39 Stunden ran. Gefordert wird auch Weihnachtsgeld für Neulinge, ein Wegfall der unteren Lohngruppen und schnellere Gehaltssprünge, zudem für Gewerkschaftsmitglieder einmalig 500 Euro. Am 5. März soll wieder verhandelt werden.

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