Bis auf Weiteres fahren keine Züge mehr auf der Schönbuchbahn. Foto: Stefanie Schlecht

Stillstand auf der Schönbuchbahn: Der Zweckverband hat nach Monaten der Pannen und Ausfälle die Reißleine gezogen. Landrat Bernhard sieht die Verantwortung beim Zughersteller CAF.

Der Betrieb der Schönbuchbahn zwischen Böblingen und Dettenhausen (Kreis Tübingen) steht still. Der Zweckverband Schönbuchbahn hat als Betreiber die Notbremse gezogen und die verbleibenden Züge außer Betrieb gesetzt. Es gibt einen Schienenersatzverkehr (SEV), doch eine Baustelle droht ihn auszubremsen. Der Böblinger Landrat und Zweckverbandsvorsitzende Roland Bernhard (parteilos) will den Konflikt mit dem Hersteller der Triebwagen jetzt weiter eskalieren.

 

„Das Maß ist voll“, sagt Bernhard. „Wir lassen uns und vor allem die vielen tausend Pendler und Fahrgäste in unserem Landkreis nicht länger von der Firma CAF hinhalten. Was hier abgeliefert wurde, ist eines führenden Schienenfahrzeugherstellers unwürdig und für eine wirtschaftsstarke Hightech-Region wie unsere schlicht inakzeptabel. Die ständigen Pannen, die kurzfristigen Ausfälle und die gebrochenen Versprechen haben das Vertrauen in den Hersteller fundamental zerstört.“ Bernhard will darum sämtliche Kosten für den Schienenersatzverkehr sowie eventuelle Schäden CAF in Rechnung stellen.

Schönbuchbahn lahmgelegt: CAF liefert nicht genug Züge

Der Bahnbetrieb auf der Schönbuchbahn ist bis auf Weiteres vollständig eingestellt. Grund sind die vier bereits gelieferten Elektrotriebwagen der spanischen Firma CAF, die ein Problem mit den oft feuchten Schienen haben. Mal seien vier, zuletzt nur noch zwei Wagen einsatzbereit gewesen, heißt es vom Landkreis. Den Rest der bestellten Triebwagen habe CAF noch nicht geliefert. Neun Wagen brauche es mindestens, um den Zugbetrieb auf der Schönbuchbahn zu sichern, erklärt Landkreissprecher Benjamin Lutsch.

CAF hatte im Auftrag des Zweckverbands Schönbuchbahn, der die Nebenbahn betreibt, neue elektrisch betriebene Triebwagen gebaut. Der Zweckverband ist seit Jahren sowohl mit CAF als auch mit dem Land Baden-Württemberg im Streit. Bei CAF kritisiert er den langen Weg bis zur Auslieferung der ersten Triebwagen, beim Land die seiner Meinung nach zu geringen Zuschüsse für den Betrieb der Bahn.

Stabiler Schienenersatzverkehr als „ehrliche Lösung“

Der Zweckverband hatte mehrfach versucht, den Betrieb mit den neuen, elektrischen Zügen aufzunehmen. Diese Versuche scheiterten immer wieder – laut Landkreis an technischen Mängeln und Softwareproblemen der Neufahrzeuge. Zuletzt war der Betrieb selbst mit einer Minimalzahl an Zügen nicht mehr verlässlich aufrechtzuerhalten. Mal waren vier, dann nur zwei Züge verfügbar. Der Schienenersatzverkehr soll jetzt wenigstens Verlässlichkeit schaffen. „Wir werden den stabilen und planbaren Schienenersatzverkehr mit Bussen den ganzen Februar beibehalten, auf den sich die Menschen verlassen können. Das ist eine ehrliche Lösung, auch wenn sie nicht so komfortabel ist wie ein reibungsloser Zugverkehr“, sagt Bernhard.

Er schiebt den schwarzen Peter von sich und dem Zweckverband weg: „Der Zweckverband hat seine Hausaufgaben gemacht. Wir haben für fast 200 Millionen Euro die Strecke für die Zukunft ertüchtigt und nagelneue Fahrzeuge eingekauft. Der Hersteller CAF hat es bis heute nicht geschafft, uns funktionierende Züge zu liefern.“ Der Bahnbetrieb auf der Schönbuchbahn werde erst dann wieder aufgenommen, wenn der Hersteller mindestens sechs voll funktionsfähige Fahrzeuge für den Dauerbetrieb bereitstellt.

Bernhard setzt ein Ultimatum: Die Züge müssen bis Montag, 23. Februar, geliefert worden sein, „sonst kollabiert der öffentliche Nahverkehr längs der Schönbuchbahn komplett“, sagt er. Dann nämlich beginnt eine Baustelle in Weil im Schönbuch, der den SEV behindern werde.

Bis in den Sommer hinein wird dann die Straße zwischen Weil im Schönbuch und Dettenhausen gesperrt, erklärt der Geschäftsführer der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft (WEG), die die Schönbuchbahn operativ betreibt. Vorsorglich stimme man mit dem Busunternehmen ein Konzept für den Schienenersatzverkehr ab. „Es ist jedoch klar, dass es für Reisende von/nach Dettenhausen zu Fahrzeitverlängerungen kommen dürfte“, sagt der WEG-Geschäftsführer Jan Schillinger.