Martin Hertfelder gestaltet Grabdenkmäler, die Charaktereigenschaften oder Lebensinhalte der Verstorbenen widerspiegeln sollen. Foto: Horst Rudel

Der Steinmetz Martin Hertfelder aus Urbach gestaltet Grabdenkmäler und ist schon mehrfach für seine Arbeiten ausgezeichnet worden. Er ist davon überzeugt, dass Menschen Orte zum Gedenken für ihre Trauerarbeit brauchen.

Urbach - Der Stein ist geformt wie der Tank eines Motorrads, die keltischen Muster weisen auf das letzte Ziel seiner Fahrerin hin – vor ihrem Tod war sie noch einmal nach Schottland gereist. Ein anderer Stein ist geöffnet wie eine aufgesprungene Kastanienfrucht. Er erzählt von einer geflüchteten Frau, die nach dem Zweiten Weltkrieg drei Kinder alleine aufziehen musste. Die gerundete Kugel im Inneren soll zeigen, dass sie trotzdem voll Liebe und Fürsorge war. Berührend ist schließlich der Stein in Form einer Muschel. In die obere Schale sind Engelsflügel hineingearbeitet, die eine Perle im Inneren beschützend zudecken. Das Denkmal steht auf dem Grab eines verstorbenen Kindes.

Wer diese Kunstwerke sieht, bringt sie erst einmal nicht mit einem gewöhnlichen Grabstein in Verbindung. Einen solchen wird man bei Martin Hertfelder nicht finden – obwohl der mehrfach von der Landesinnung beim Gestaltungswettbewerb „Grabzeichen“ ausgezeichnete Steinmetz- und Steinbildhauermeister durchaus auch schon klassische, stehende Varianten gestaltet hat. Immer aber mit dem Anspruch, dass sie nicht einfach nur zeigen sollen, wer an dieser Stelle seine letzte Ruhe gefunden hat, sondern dass sie auch von demjenigen erzählen sollen: „Ich möchte, dass der Mensch, seine Art zu leben, vielleicht auch sein Witz, gespiegelt wird.“

Steine sind mehr als kaltes Material

Nicht zufällig hat Hertfelder seine Werkstatt „Steinleben“ genannt, als er sich vor drei Jahren in Urbach selbstständig gemacht hat. „Steine sind mehr als kaltes, statisches Material, sie können viel mehr zum Ausdruck bringen“, erzählt der 39-Jährige. Niemals könnte er in einem Betrieb arbeiten, bei dem Grabsteine nur Handelsware seien. Bevor überhaupt ein Stein ausgesucht wird, geht es erst einmal um den Verstorbenen. „Ich höre den Angehörigen zu und versuche, die richtigen Fragen zu stellen“, sagt Martin Hertfelder. Er lässt diese von ihren verstorbenen Familienmitgliedern erzählen, versucht Eigenschaften und Lebensinhalte herauszufinden und herauszuhören, was für einen Ort zum Trauern die Angehörigen sich wünschen.

Dass es einen solchen überhaupt braucht, davon ist Martin Hertfelder nach all seinen Erfahrungen überzeugt. „Manche wählen ein Baumgrab aus, weil der Verstorbene naturverbunden war. Sie sind sich dabei nicht bewusst, dass sie dort keine Blumen ablegen, keine Kerze anzünden, nicht handeln können“, sagt der Steinmetz, der es deswegen kritisch sieht, wenn solche Bestattungsformen auf Friedhöfen zunehmen. „Es ist elementar für die Trauerarbeit, einen Ort zum Gedenken zu haben. Einen Ort, den man wieder verlassen kann, um wieder ins Leben zurück zu gehen“, sagt Martin Hertfelder. Er ermuntert jeden, sich in Ruhe und frühzeitig damit zu beschäftigen, welche Bedürfnisse es in Bezug auf die Bestattungskultur in der Familie gibt. „Ich hatte letztens eine Kundin, die sich informiert hat und am Schluss meinte, dass ihre Kinder irgendwann einmal mit ihren Wünschen zu mir kommen würden“, sagt Martin Hertfelder, der seit 15 Jahren als Steinmetz und Steinbildhauer arbeitet.

Zum Ende des Jahres: ein Geselle

Seine eigene Werkstatt läuft so gut, dass er Ende des Jahres sogar einen Gesellen einstellt. Der Wunsch nach einem persönlichen Grabstein scheint also durchaus zuzunehmen. „Ich glaube, weil die Menschen insgesamt individuell sein möchten – und weil sie den Tod als Teil des Lebens anerkennen“, erzählt er. Im Übrigen müsse der Gang zum Steinmetz nicht unbedingt teurer sein, als den Griff zu einem Standardstein – es gebe Möglichkeiten für jeden Geldbeutel.

Mitbringen sollte man allerdings den Willen, sich mit dem Verstorbenen auseinanderzusetzen. Martin Hertfelder selbst möchte diese Gespräche mittlerweile genauso wenig missen wie die handwerkliche Arbeit am Stein. Am schwersten hat er sich bisher mit der Gestaltung eines Denkmals für das Grab eines Freundes getan: „Da hatte ich einfach zu viele Entwürfe im Kopf. Während der Arbeit daran habe ich dann Abschied genommen.“

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