Standing Block Chop
Darum geht es: Bei dieser Disziplin simulieren die Athleten das Fällen eines Baumes mit einer Axt.
Ziel: Ein senkrecht verankerter Holzblock mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern muss so schnell wie möglich von beiden Seiten durchschlagen werden. Spitzensportler brauchen dafür zwischen 13 und 20 Sekunden.
Voraussetzung: Punktgenaue Schläge und kraftvoller Schwung. Foto: Stihl Timbersports

Es wird gehackt, es wird gesägt, es wird laut: Bei der Timbersports-Weltmeisterschaft diesen Freitag und Samstag (jeweils ab 19 Uhr) in der Stuttgarter Porsche-Arena werden die Könige des Holzsports gekürt.

Stuttgart - Robert Ebner hat eine Riesenchance. Der 27 Jahre alte Forstwirt aus Ottelmannshausen kann in Stuttgart Timbersports-Weltmeister werden – in einer Sportart, bei der es nicht nur um reine Muskelkraft geht.

Es war irgendwann in der Lehre. Wann genau, kann Robert Ebner nicht mehr sagen. Vor acht Jahren vielleicht – oder vor neun. Jedenfalls beklagte sich der angehende Forstwirt damals bei seinem Meister. „Die Arbeit mit der Motorsäge hat mich ganz schön geschlaucht“, erzählt der Bayer. Doch sein Meister hatte kein Verständnis dafür. „Er meinte nur, dass früher die Waldarbeit ja noch viel schwerer war.“ Reine Handarbeit – mit Axt und Handzugsäge. „Das hat mich motiviert, die traditionelle Seite meines Berufs kennenzulernen“, sagt Robert Ebner. So sei er dann auch zum Holzsport gekommen.

Als 20-Jähriger nahm Ebner erstmals an einem Wettbewerb für Sportholzfäller in Gütersloh teil – und gewann. Es folgten vier deutsche Meistertitel, 2009 sogar WM-Bronze, ein Jahr später WM-Silber. Kurzum: Seit Jahren zerkleinert kein Deutscher schneller die Holzblöcke als der Forstwirt aus Ottelmannshausen in der bayrischen Rhön. „Robert hat unheimlich viel Talent und eine perfekte Technik“, sagt einer, der es wissen muss: Ralf Dengler. Der Bauleiter aus Widdern ist einer der besten Sportholzfäller aus Baden-Württemberg und nahm jahrelang als Mitglied der Nationalmannschaft an Weltmeisterschaften teil. Ausgerechnet die Heim-WM in Stuttgart verpasste er aber ganz knapp. „Das ist schade, doch letztlich waren vier Kollegen schneller als ich. So langsam merke ich halt mein Alter“, sagt der 49 Jahre alte Familienvater. Dennoch wird Dengler in der Porsche-Arena mit dabei sein. „Bei Bedarf werde ich die Axt von ­Robert schärfen“, sagt er.

Kleinholz machen als Hochleistungssport

Beide lieben ihren Sport, diesen archaischen Sport. „Jede der sechs WM-Disziplinen“, sagt Ebner, „löst in mir einen richtigen Kick aus.“ Und das sei sogar wissenschaftlich bewiesen, behauptet Deutschlands Holzhacker Nummer eins: „Keine Sportart setzt laut einer US-Studie mehr Testosteron frei.“ Das liegt auch daran, dass es bei den Mehrkämpfen mit Axt und Säge nicht nur das Duell Mann gegen Mann gibt, sondern es immer auch ein Kampf gegen die Uhr ist. Alles zählt bei der Einzel-WM, bei der Ebner die deutschen Farben vertritt.

Insofern verwundert es nicht, dass Ebners Hobby, so wie er es ausübt, ein Hochleistungssport ist. Einer, der auch einen echten Kerl wie den 1,89 Meter großen und 90 Kilogramm schweren Bayern an den Rand der Erschöpfung bringt. „Es ist enorm anstrengend, intensives Training ist alles“, sagt Ebner. Dabei geht es für die Asse an der Axt nicht nur um Kraft und Geschwindigkeit, „sondern vor allem um Technik“, wie Ebner betont. Sägen mit Stil sei gefragt, um möglichst schnell Kleinholz zu machen.

Seit Wochen bereitet sich Ebner nun schon auf das WM-Heimspiel vor. Aber die Konkurrenz aus Übersee – etwa aus den USA oder Neuseeland – ist stark. „Das sind Profis, die nichts anderes machen“, sagt der 27-Jährige. Trotzdem peilt er in Stuttgart den Coup an. „Ein Platz auf dem Treppchen wäre super“, sagt Ebner. Insgeheim träumt er aber vom Titelgewinn. Es wäre das erste WM-Gold für einen deutschen Sportholzfäller.

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