Donald Trump kehrt ins Weiße Haus zurück. Welche Folgen hat das für die Südwest-Wirtschaft? Unternehmen wie Stihl, Mercedes, und Trumpf beziehen Stellung.
Eine zweite Amtszeit Donald Trumps bereitet den Unternehmen im Südwesten Sorgen. Die USA sind der wichtigste Handelspartner Baden-Württembergs. Das wird sich nicht ändern. Aber die Manager befürchten insbesondere Zölle, die der Republikaner im Wahlkampf zum Schutz der US-Wirtschaft angekündigt hatte. Ein Überblick zu den Reaktionen aus dem Südwesten:
Trumpf-Chefin macht Trump-Sieg große Sorgen
Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller spricht nach der Wahl von Donald Trump von großen geopolitischen Sorgen, obwohl sich die wirtschaftlichen Aussichten für ihr Unternehmen bessern. Für den Ditzinger Maschinenbau- und Laserkonzern sind die USA der wichtigste Einzelmarkt, noch vor Deutschland und China. Das Unternehmen beschäftigt dort 1800 Mitarbeiter, die zuletzt für 800 Millionen Dollar Umsatz sorgten. Zwar rechnet die Firmenchefin wieder mit mehr Bestellungen bei Trumpf in den USA, weil politisch nun „Klarheit herrscht“. Größere Sorgen bereite ihr aber, dass Trump die Ukraine militärisch fallen lassen könnte und aus internationalen Abkommen aussteigt.
Für Mercedes-Benz sind die USA bedeutungsvoll. Der Stuttgarter Autobauer setzt daher auf einen „konstruktiven Dialog“ mit der Trump-Regierung – und hofft nicht auf Turbulenzen mit Blick auf den US-Markt. Seit mehr als 130 Jahren ist Mercedes-Benz in den USA fest verwurzelt. An zwölf Hauptstandorten in den USA produziere das Unternehmen nach eigenen Angaben in erster Linie Pkw und Vans, es verfüge aber auch über mehrere Forschungs- und Entwicklungsstandorte.
Zulieferer Marquardt: Trump für uns „nicht von Nachteil“
Der Autozulieferer Marquardt aus Tuttlingen bewertet den Wahlsieg des Republikaners eher gelassen. „Für unser Unternehmen war die erste Amtszeit von Donald Trump, abgesehen von wenigen Überraschungen, nicht von Nachteil“, sagt der Vorstandsvorsitzende Harald Marquardt. „Sollte der künftige amerikanische Präsident neue Restriktionen wie höhere Zölle durchsetzen, müssten und könnten wir damit umgehen“, ergänzte der Chef des Mechatronikspezialisten. Das Unternehmen habe den Vorteil, in allen Regionen – Europa, Amerika, Asien – vertreten zu sein.
Für den schwäbischen Motorsägenhersteller Stihl aus Waiblingen sind die USA extrem wichtig. Der Vorsitzende des Beirats und Aufsichtsrats Nikolas Stihl gratuliert Donald Trump – und zeigt sich mit Blick auf den US-Markt zuversichtlich. Als global agierendes Unternehmen sei Stihl zuversichtlich, dass Trumps Politik „die Wettbewerbsfähigkeit der USA stärken und ein günstiges Investitionsklima schaffen wird“.
Stihl rechnet mit aggressiver Handelspolitik
Gleichzeitig ging Stihl davon aus, dass unter Trump der Protektionismus zunehmen wird und Europa sich auf eine aggressivere Handelspolitik einstellen muss. Letztlich unterstreiche Trumps Wahlsieg die Dringlichkeit für Europa, enger zusammenzustehen, seine Kräfte zu vereinen und mit einer starken gemeinsamen Stimme gegenüber den Vereinigten Staaten aufzutreten. Nach eigenen Angaben sind die USA mit einem Umsatzanteil von einem Drittel der größte Einzelmarkt für die Schwaben. Zudem sei dort der größte Produktionsstandort der Stihl-Gruppe beheimatet.
Der Stuttgarter Technologiekonzern Bosch hat eine starke Präsenz in den USA, die ein wichtiger Wachstumsmarkt sind. „Für eine Abschätzung möglicher Auswirkungen der US-Wahlen auf die Wirtschaft ist es noch zu früh“, sagt ein Unternehmenssprecher. Der Technologieriese setzt auf eine Fortsetzung der engen transatlantischen Beziehungen. „Denn wir können die großen Aufgaben unserer Zeit nur gemeinsam bewältigen.“
Wolfgang Grupp: „Mit Trump kann man Geschäfte machen“
Der Modekonzern Hugo Boss betont, man sei als Konzern politisch neutral und kommentiere Wahlausgänge grundsätzlich nicht. „Wir schauen jetzt vor allem auch darauf, wie sich das Thema Zölle unter der neuen Regierung entwickeln wird“, sagte ein Unternehmenssprecher. Die USA seien für das Metzinger Unternehmen der größte und wichtigste Markt innerhalb der Region Amerika, die insgesamt einen Anteil von rund 23 Prozent am Konzernumsatz hat.
LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer erwartet starke negative Auswirkungen für die Südwest-Wirtschaft. Kraemer sagte: „Baden-Württemberg wird vom Trumpschen Protektionismus besonders betroffen sein.“ Die Abhängigkeit des Bundeslands von Exporten in die USA liege bei sechs Prozent des regionalen Bruttoinlandsprodukts, deutlich höher noch als die ohnehin schon hohe Abhängigkeit Deutschlands insgesamt.
Wolfgang Grupp jagt Trump keinen Schrecken ein. Im Gegenteil: Der frühere Trigema-Chef geht davon aus, dass deutsche Unternehmen mit dem künftigen US-Präsidenten arbeiten könnten, wenn sie denn wollten. Er sehe der Sache positiv entgegen. „Ich bin der Meinung: Mit Trump kann man Geschäfte machen“, sagte Grupp. Wenn Trump Firmen, die in die USA investieren, unterstütze, dann sei das normal, sagte Grupp. Und man müsse damit leben, dass Geschäfte den USA nach Trumps Logik etwas bringen müssen.