Sojadrinks entstehen aus geschroteten und gepressten Bohnen. Foto: Handmade/Adobe Stock

Sie sind pflanzlich und reich an hochwertigen Proteinen: Sojadrinks boomen. Doch nicht alle Marken kann man bedenkenlos kaufen – im Test waren einige mit Schadstoffen belastet. Worauf sollte man achten?

Stuttgart/Berlin -

Was ist dran am guten Image der Sojadrinks?
Die Stiftung Warentest hat 15 Drinks von verschiedenen Herstellern geprüft und festgestellt: Jedes dritte Sojagetränk im Test ist mangelhaft. Das liegt vor allem an einer starken Belastung mancher Marken mit dem Schwermetall Nickel. In einem geprüften Produkt – dem Bio Soja Drink Calcium von dm – fand sich sogar ein Keim: Der Drogeriemarkt nahm die betroffene Produktcharge daher schon im April aus dem Verkauf. Doch während sich fünf Produkte als bedenklich erwiesen, punkteten die anderen Getränke mit guter bis sehr guter Qualität. Es zeigt sich also: Je nach Hersteller und Marke gibt es große Unterschiede.
Was ist das Problem mit Nickel?
Sechs der geprüften Sojadrinks wiesen hohe bis sehr hohe Nickelwerte auf – das sei überraschend, sagt Nicole Merbach, Lebensmittel-Expertin von der Stiftung Warentest. Insbesondere die Eigenmarken von Aldi Süd und Edeka sowie Produkte von Natumi enthalten viel Nickel. Aber auch in den Sojadrinks von Netto-Marken-Discount, Allos und Alnatura finden sich hohe Rückstände. Würde ein Erwachsener davon täglich einen Viertelliter trinken, würde er mehr Nickel aufnehmen, als die EU-Lebensmittelbehörde empfiehlt. Die Pflanze holt sich das Schwermetall aus belasteten Böden. Inwiefern das gesundheitlich bedenklich ist, ist aber unklar. Zumindest Menschen, die hochsensibel reagieren, könnten ein Ekzem bekommen. Dies kommt Experten zufolge aber nur extrem selten vor. „Es ist Aufgabe der Hersteller, die Nickelgehalte ihrer Produkte zu prüfen und dafür zu sorgen, dass diese nicht in kritische Bereiche kommen“, sagt Nicole Merbach.
Welche Produkte sind unbedenklich?
Die Stiftung Warentest empfiehlt insbesondere Bio Soja Drink von Berief, Provamel Soya des Herstellers Alpro, Alpro Soya Light und den Milbona Bio Organic Soja Drink von Discounter Lidl. Sie enthalten keine bedenklichen Mengen an Schadstoffen, erhielten gute Noten für den Geschmack und liefern wertvolle Nährstoffe, so das Urteil.
Der Sojaanbau führt zu großen Umweltschäden. Ist der Kauf von Lebensmitteln aus Soja also ökologisch bedenklich?
Um Anbauflächen für die Sojapflanze zu gewinnen, werden in Südamerika riesige Regenwaldflächen gerodet. Das ist nicht nur ein Problem für Klima und Natur, sondern auch für die dort lebenden Menschen und Tiere. Aber: 80 Prozent des weltweit angebauten Sojas werden zu billigem Futter für die Massentierhaltung verarbeitet – nicht zu veganen Lebensmitteln. Nur etwa zehn Prozent der Sojabohnen werden für Lebensmittel verwendet. „Wenn wir Soja nur für Lebensmittel verarbeiten würden, bräuchten wir den Anbau in Übersee gar nicht“, sagt Volker Hahn. Er leitet an der Universität Hohenheim die Sojazüchtung. Um ein Kilo Fleisch zu gewinnen, benötige man mehrere Kilogramm Soja als Tierfutter. Dazu kommt, dass heimischer und gentechnikfreier Anbau von Soja an Bedeutung gewinnt. Vor allem in Süddeutschland seien die Anbauflächen gewachsen, sagt Hahn. Wissenschaftler wie er arbeiten daran, Sorten zu entwickeln, die für ein kühleres Klima geeignet sind. „Die Nachfrage wird weiter steigen.“
Woher stammt das Soja für die von Warentest untersuchten Drinks?
Für ihren Test prüfte die Stiftung Warentest auch, woher die verschiedenen Sojagetränke-Hersteller die Bohnen nehmen – und ob die Herkunft lückenlos nachweisbar ist. Fazit: Für alle Produkte werden Bohnen aus Frankreich, Österreich oder Italien verwendet – oder Biosoja aus Kanada. Glyphosat­rückstände fanden sich in den geprüften Getränken bis auf eine Ausnahme nicht. „Als Konsument von Sojadrinks in Europa muss man sich keine Sorgen machen, dass für den Anbau Regenwald gerodet wird“, sagt Nicole Merbach. „Das ist dann ein Thema, wenn man in großen Mengen billiges Fleisch verzehrt.“
Was steckt an Gesundem in den Drinks?
Auch ohne Zusätze bringt Soja gerade im Vergleich zu Getränken auf Basis von Getreide viele Nährstoffe mit. So ist der Eiweißanteil beinahe so hoch wie der von Vollmilch. Sojadrinks enthalten darüber hinaus mehr ungesättigte, leichter zu verarbeitende Omega-3-Fettsäuren, Magnesium und Eisen – und kein Cholesterin. Bei Kalzium und wichtigen Vitaminen allerdings haben die Sojagetränke im Vergleich zur Milch das Nachsehen. Manche Hersteller fügen ihren Drinks daher Kalzium hinzu, ebenso wie B- und C-Vitamine. Als Babynahrung taugt der Milchersatz gerade wegen der fehlenden Mineralstoffe und Vitamine trotzdem nicht.
Für wen eignen sich Sojadrinks – und für wen nicht?
Weil Sojagetränke frei von Laktose, Milcheiweiß und Gluten sind, eignen sie sich gut für Menschen mit Unverträglichkeiten. Aufpassen sollte, wer allergisch auf Soja-Eiweiß reagiert und auf Birkenpollen. Sojaprodukte enthalten außerdem die sogenannten Pflanzenöstrogene, Isoflavone. Ihre Zusammensetzung ähnelt dem menschlichen Hormon Östrogen, sie wirken aber deutlich schwächer. Wie genau sie auf den menschlichen Organismus wirken, ist aber nicht ganz ­geklärt. Für gesunde Menschen bestehe wohl kein Risiko, sagen ­Experten vom Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel. Nicht ganz ausgeschlossen werden könne eine Wirkung bei Leuten mit Schilddrüsenunterfunktion oder Frauen mit östrogen­sensitivem Brustkrebs. Alles in allem bieten Produkte auf Sojabasis aber eine Alternative für all jene, die sensibel auf Milchprodukte reagieren oder etwas für die eigene Öko-Bilanz tun möchten. Wie gut Sojagetränke den eigenen Geschmack treffen, muss aber jeder selbst beurteilen.