Die Teilkasko deckt im Wesentlichen Unwetterschäden und Diebstahl ab. Dazu gehört auch Glasbruch, was der häufigste Kaskoschaden in Deutschland ist. „Die Teilkasko zahlt nicht, wenn man einen Unfall verursacht hat und das eigene Auto in die Reparatur muss“, sagt Michael Bruns von der Zeitschrift „Finanztest“. Foto: Fotolia/© Fxquadro

Wer bis zum 30. November die Autoversicherung wechselt, kann in der Regel 10 bis 20 Prozent der Kosten sparen, rät die Stiftung Warentest. Sie hat 160 Tarife von 73 Versicherern untersucht – und gibt nun Tipps, welche Zusatzleistungen sich für welche Autofahrer lohnen.

Lohnt es sich wirklich, den Tarif zu kündigen?
Geht es nach dem Experten der Stiftung Warentest, lohnt sich ein Wechsel in den meisten Fällen. „In der Regel kann man 10 bis 20 Prozent sparen“, sagt Michael Bruns, Redakteur bei der Zeitschrift „Finanztest“. Zumal die Preise der Versicherungen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind: So stieg 2014 nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft der Durchschnittsbeitrag in der Kfz-Haftpflicht um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und dabei streichen die Anbieter gute Gewinne ein. Das zeigt schon die Schadenquote: Betrug diese 2012 noch 98,1 Prozent, liegt sie nun bei 85,1 Prozent. Von 100 Euro gehen demnach also nur 85,10 Euro für Schäden drauf.
Worauf sollten Autofahrer achten?
Basistarif, Komfort- oder Premium-Tarif – so lauten die Angebote der Versicherer. Doch wer sich nun fragt, ob er für mehr Leistung mehr Geld ausgeben soll, den kann „Finanztest“-Experte Bruns beruhigen: „Die Tarife, die mehr bieten als der Basistarif, sind oft Leistungen, die der normale Kunde nicht braucht.“ Dazu gehört insbesondere die Neuwagenentschädigung, die 24 Monate gilt. „Wer als Neuwagenbesitzer diese Zusatzleistung bucht, bekommt im Fall eines Diebstahls oder eines Totalschadens den kompletten Neuwert ersetzt“, sagt Bruns. „Doch das braucht wirklich nicht jeder.“ Lohnenswerter sind Zusatzleistungen wie beispielsweise die Erstattung nicht nur der direkten Schäden durch Marderbisse, sondern auch der Folgeschäden (siehe Info).
Reicht die Haftpflichtversicherung, oder ist eine Kasko sinnvoll?
Während die Haftpflichtversicherung ein Muss ist, können Autofahrer bei Kasko oder Teilkasko wählen: Die Teilkasko deckt im Wesentlichen Unwetterschäden und Diebstahl ab. Dazu gehört auch Glasbruch, was der häufigste Kaskoschaden in Deutschland ist. „Die Teilkasko zahlt nicht, wenn man einen Unfall verursacht hat und das eigene Auto in die Reparatur muss“, sagt Michael Bruns von der Zeitschrift „Finanztest“. Das zahlt dann wiederum die Vollkasko. Doch die ist im Schnitt viermal so teuer. Bruns rät, sich an die Mehrheit der Autofahrer zu halten: Ist das Auto teurer als 15 000 Euro, wählen sie die Vollkasko.
Welche Versicherungen schnitten im Vergleich günstig ab?
In der Regel sind Verträge für junge und ältere Fahrer am teuersten und am günstigsten für Autofahrer mittleren Alters – doch es gibt Ausnahmen: Besonders günstig ist Haftpflicht plus Teilkasko für 20-jährige Modellkunden bei Allsecur, Baden-Badener und Huk24. Autofahrer in den 40ern sparen bei Direct Line und Baden-Badener. Senioren, die das 70. Lebensjahr schon hinter sich haben, sind ebenfalls bei der Baden-Badener, bei Direct Line und der Hannoverschen gut aufgehoben. Und noch einen Tipp verrät Experte Michael Bruns: „Wer einmal jährlich zahlt, spart oft fünf Prozent gegenüber der vierteljährlichen und drei Prozent gegenüber der halbjährlichen Zahlung.“ Ein weiterer „Finanztest“-Tipp lautet: Extraersparnis bringt es manchmal, das Geld nicht zu überweisen, sondern abbuchen zu lassen.
Wie gelingt der Wechsel?
Damit der Wechsel gelingt, muss die Kündigung bis zum letzten Tag des Novembers beim Versicherer sein. Das ist dieses Jahr ein Montag. Da nicht der Poststempel, sondern das Zustelldatum bei der Versicherung zählt, sollte der Brief bis zum 28. November verschickt werden. Es gibt auch Verträge, bei denen das Vertragsjahr einen Tag nach Vertragsabschluss endet, aber das sind nur wenige. Allerdings sollte man erst kündigen, wenn man schon vom neuen Versicherer ein besseres Angebot vorliegen hat, sagt Finanztest-Experte Michael Bruns.
Welche Trends lassen sich ausmachen?
Wer vorsichtig fährt, zahlt weniger – nach diesem Motto funktionieren Telematik-Tarife. Überprüft wird dies mit Hilfe einer Blackbox, die Daten zum Fahrverhalten aufzeichnet und an die Zentrale des Versicherers weiterleitet. So kann dieser das Unfallrisiko des Kunden präzise einschätzen und dessen Beitrag passgenau kalkulieren. Das ist laut Autoexperte Bruns vor allem im Ausland wie in den USA, in England, aber auch in Italien weit verbreitet. „In Deutschland steckt diese Technik noch ein wenig in den Kinderschuhen.“ Lediglich zwei Versicherer bieten diese schon an. Die Ersparnis soll bei bis zu 40 Prozent liegen. Der Großteil will die datenrechtlich umstrittene Technik erst im kommenden Jahr einführen. Sie könne durchaus von Vorteil sein, heißt es bei „Finanztest“: Insbesondere Fahrer in ungünstigen Schadenfreiheitsklassen könnten profitieren.

Die Stiftung Warentest hat in der Zeitschrift „Finanztest (11/2015)“, die an diesem Mittwoch erscheint, 160 Tarife von 73 Versicherern untersucht und zeigt die günstigsten Haftpflichtangebote. Einen ausgiebigen Online-Preisvergleich gibt es unter www.test.de/analyse-kfz. Die Auswertung kostet fünf Euro. Sie kann für 2016 und für 2017 genutzt werden.