Ein Liter Leitungswasser kostet inklusive Abwasser einen halben Cent, Mineralwasser zwischen 10 und 70 Cent pro Liter Foto: dpa

Leitungswasser hat eine gute Qualität, ist deutlich billiger als Mineralwasser und enthält manchmal sogar mehr Mineralstoffe. Trifft das auch auf das Stuttgarter Trinkwasser zu? Und warum trinken die Deutschen dennoch so gern Mineralwasser?

Das Testergebnis

Im Labor hat die Stiftung Warentest Trinkwasser aus 28 deutschen Städten und Gemeinden untersuchen lassen, darunter auch Stuttgart. Das Ergebnis: Es wurden zwar Spuren von Medikamenten, Pestiziden und anderen Stoffen gefunden, aber in so geringer Konzentration, dass alle Proben der strengen Trinkwasserverordnung entsprechen. Stuttgarts Trinkwasser fällt durch einen vergleichsweise hohen Nitratwert auf, der jedoch mit 20 Milligramm pro Liter deutlich unter dem geltenden Grenzwert liegt (50mg/l). „Und die vielen Stuttgarter Haushalte, die Bodenseewasser bekommen, dürfen sich über eine sehr geringe Nitratbelastung von 4,5 Milligramm pro Liter freuen“, sagt Elvira Schwörer, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Nitrat gelangt meist über Gülle und Kunstdünger erst ins Grund- und später ins Trinkwasser. Extrem viel Nitrat ist schädlich für den Menschen: Im Körper können sich dadurch Nitrosamine bilden, die im Tierversuch Krebs erregt haben. Bei Babys kann es Blausucht auslösen, das Blut wird dann nicht genügend mit Sauerstoff versorgt. Rückstände von Arzneimitteln wurden im Wasser aus sechs Orten gefunden, darunter auch Stuttgart. Die Konzentrationen waren zwar so gering, dass sie Menschen nicht gefährden. Experten rechnen aber damit, dass sie sich durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft erhöhen. „Das Problem ist, dass jeder zweite Deutsche Flüssigarzneien in Toiletten und Spülbecken entsorgt“, sagt Birgit Rehlender, verantwortliche Projektleiterin bei der Stiftung Warentest. Manche Medikamente sind chemisch so stabil, dass die verschiedenen Reinigungsstufen der Kläranlage ihnen nichts anhaben können. Deshalb gehören Medikamente immer über den Restmüll entsorgt. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln fanden die Tester in jeder zweiten Trinkwasserprobe, auch in Stuttgart. Die Mengen waren allerdings so gering, dass sie kein gesundheitliches Risiko darstellen. Und: Glyphosat, eines der am häufigsten eingesetzten und stark kritisierten Pestizide wurde in keiner der Trinkwasserproben gefunden.

Verglichen wurde die Trinkwasserproben mit 30 stillen Wässern aus dem Supermarkt. Zehn davon sind geschmacklich einwandfrei und enthalten keine nennenswerten Schadstoffe, Keime oder andere Rückstände. Die beiden günstigsten unter diesen Testsiegern sind Celtic (33 Cent/Liter) und Nestlé Pure Life (33 Cent/Liter). Grundsätzlich gilt: Stilles Mineralwasser enthält mehr Keime als sprudelndes, weil die Kohlensäure das Keimwachstum hemmt. Spuren von Arzneimittelrückständen sind bei keinem der geprüften Mineralwässer aufgetaucht, Pestizidrückstände nur bei drei. Nur acht der 30 getesteten Mineralwässer enthalten mehr Mineralstoffe (Kalzium, Magnesium, Sulfat) als das mineralstoffreichste Trinkwasser im Test. Am besten schneidet hier Ensinger Sport Still (64 Cent/Liter) aus Baden-Württemberg ab.

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