Wenn Frau sich auf eine Zyklus-App verlässt, um zu verhüten oder geplant schwanger zu werden, kann das je nach Anbieter schwierig werden, wie die Stiftung Warentest herausgefunden hat. Foto: dpa

Wenn Frau sich auf eine App zur Verhütung verlässt, gleicht dies eher russischem Roulette – diese Vermutung legt zumindest eine Untersuchung von Stiftung Warentest nahe. Von 23 Apps, die den Zyklus der Frau bestimmen, sind nur drei zuverlässig.

Stuttgart - Die Chance, schwanger zu werden, beschränkt sich normalerweise während des Zyklus’ der Frau auf etwa vier Tage. Dennoch verhüten Frauen gerne hormonell, mit einem Kondom oder anderen Hilfsmitteln wie der Spirale. Apps, die die fruchtbaren Tage sowie die Regelblutung bestimmen, können ein alternativer Schutz ohne weitere Hilfsmittel sein. Doch eine Studie der Stiftung Warentest (Ausgabe 12/2017) legt nun den Anwenderinnen nahe, einen genaueren Blick auf die Applikationen zu werfen.

Die Redaktion prüfte in Kooperation mit zwei Experten für Reproduktionsmedizin 23 Verhütungs-Apps, darunter zwölf Apps für Android und elf für iOS. Das Ergebnis: Nur drei Apps helfen zuverlässig, den Zyklus zu bestimmen, 18 fielen mit der Note „mangelhaft“ durch. „Wenn der Algorithmus der Apps einen falschen Zeitraum berechnet, könnten die Anwenderinnen entweder ungewollt schwanger werden oder wenn sie sehnsüchtig schwanger werden wollen und es nicht funktioniert, werden sie enttäuscht“, sagt Lea Sophie Lukas, verantwortliche Redakteurin der Untersuchung bei Stiftung Warentest. In beiden Fällen werde die Lebensplanung langfristig von den Aussagen der Smartphone-Programme betroffen.

Methode muss erlernt und angewendet werden

Die App „MyNFP“ ist für das Betriebssystem Android wie auch für iOS verfügbar und erhielt im Test die Note „gut“ (2,2). „Lady Cycle“ gibt es nur für Android-Geräte und gehört mit der Note „gut“ (2,2) ebenfalls zu den besten Apps der Auswertung von Stiftung Warentest. Was die beiden Anwendungen mit der Note gut besonders macht: ihre Art der Auswertung. Anwenderinnen müssen hierbei sehr detailgenau Informationen über ihren Körper eingeben.

Nach der sympto-thermalen Methode der Arbeitsgruppe NFP verhütet Frau zwar am aufwendigsten aber auch am sichersten auf natürliche Weise: Die Frau muss hierbei täglich ihre Temperatur kurz nach dem Aufstehen messen und den Zervix-Schleim (je nach Zyklus-Phase ändert sich die Beschaffenheit) beobachten. Wer diese Beobachtungen täglich in die beiden Apps „MyNFP“ und „Lady Cycle“ einfügt, erhält auf Basis eines Algorithmus eine aussagekräftige Bestimmung der fruchtbaren Tage. „Die Frauen müssen die Methode jedoch gut kennen und die Daten zuverlässig eingeben“, sagt Lukas. Zur Bestnote hat es für „MyNFP“ und „Lady Cycle“ dennoch nicht gereicht: „Bisher fehlen noch unabhängig durchgeführten ausreichend wissenschaftliche Studien mit App-Anwenderinnen“, sagt Lukas.

Apps greifen teils nur auf bereits vorhandene Daten zurück

„Wenn mit der NFP-Methode und der App gearbeitet wird, können die Anwendungen auch eventuell auftretende Unregelmäßigkeiten im Zyklus bemerken“, erklärt Lukas. Auch in den Apps „Lily“ (iOS, mit der Note 2,7 die drittbeste Anwendung) und „OvuView“ (Android, mit der Note 4,1 die viertbeste App) können die Daten nach der NFP-Methode eingegeben werden – jedoch haben die Anwenderinnen hier die Qual der Wahl: „Das liegt unter anderem daran, dass bei „OvuView“ 17 verschiedene Methoden angewandt werden können. Die Suche nach der besten Methode ist also schwierig.“

Die 18 anderen Apps, die mit „mangelhaft“ von der Stiftung Warentest bewertet wurden, greifen nur auf bereits vorhandenen Kalenderdaten aus früheren Zyklen der Frau zurück. Auch statistische Daten anderer Frauen werden herangezogen – das führt aber dazu, dass lediglich Durchschnittswerte ermittelt werden. Stress, viel Sport oder eine Diät können allerdings den Zyklus beeinträchtigen – hier versagen dann die 18 getesteten Apps, die nicht mit der NFP-Methode arbeiten. Dementsprechend schlecht fiel die Bewertung dann auch aus. „Wir haben die Apps mit Beispiel-Zyklen getestet und hier trafen die Ergebnisse nicht zu 100 Prozent zu“, beschreibt Lukas. Fruchtbare Tage und die Regelblutung können in einem falschen Zeitraum fallen. Die Apps sind somit zu ungenau für eine verlässliche Aussage, da der Algorithmus ohne Beobachtung des Körpers nicht fehlerfrei arbeite.

Sensible Daten nicht ausreichend geschützt

Ein weiteres Problem neben der Ungenauigkeit vieler Apps: Der Datenschutz wird nicht gewahrt. Sensible Informationen wie Namen, Geburtsdatum und Gesundheitsangaben müssen in die Anwendungen eingegeben werden. Auch übertragen laut Stiftung Warentest neun Apps Daten, die Smartphone-Geräte-Identifikationsnummer, mit der die Anwenderin zum Beispiel gezielt und ungefragt Werbung erhält.

Die Empfehlung der Stiftung Warentest ist somit eindeutig: Nur die drei Apps „MyNFP“ (iOS- und Android-Version) und „Lady Cycle“ (für Android-Geräte) helfen zuverlässig, um die fruchtbaren Tage und die Regelblutung der Frau korrekt zu bestimmen. Den kompletten Test gibt es online.

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